Alexander Kulanica ist Kranführer beim „wesavi“-Bau in Nienburg

Er arbeitet 25 Meter über den Köpfen der Kollegen

Alexander Kulanica im Kran-Führerhaus auf der „wesavi“-Baustelle an der Mindener Landstraße in Nienburg. Er hat seine am Boden arbeitenden Kollegen stets im Blick und ab und zu auch einmal Zeit, die Aussicht zu genießen. ·
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Alexander Kulanica im Kran-Führerhaus auf der „wesavi“-Baustelle an der Mindener Landstraße in Nienburg. Er hat seine am Boden arbeitenden Kollegen stets im Blick und ab und zu auch einmal Zeit, die Aussicht zu genießen.

Nienburg - Von Kurt Henschel. 88 Sprossen fast senkrecht nach oben, dann durch einen schmalen Durchlass und hinein in die Kabine – der Weg zum Arbeitsplatz ist für Alexander Kulanica durchaus beschwerlich.

Aber er ist den strapaziösen Aufstieg gewohnt: Der 45-Jährige ist Kranführer und derzeit auf der Baustelle für das Ganzjahresbad „wesavi“ in Nienburg im Einsatz. Dort arbeitet er 25 Meter über den Köpfen seiner rund 25 Kollegen.

Der in Krakau lebende Kulanica ist einer von zwei Kranführern auf der Baustelle, berichtet Polier Wilhelm Büssing. Er hat für die Firma Schulte aus Haselünne die Fäden in der Hand und freut sich darüber, ein derart gutes Team zur Verfügung zu haben. „Ich hatte selten eine so ruhige Baustelle“, erklärt der 47-Jährige. Er wohnt in einem gemieteten Appartement in der Nähe, die übrigen Beschäftigten leben in den Containern auf dem Gelände an der Mindener Landstraße.

Obwohl Alexander Kulanica die deutsche Sprache nicht beherrscht, gebe es keine Probleme: „Ein guter Kranführer denkt mit und weiß, was zu tun ist. Er hat ja die gesamte Baustelle unter sich und sieht, welcher der Kollegen gerade etwas transportiert haben muss. Außerdem besteht Verbindung über Sprechfunk-Geräte.“ Büssing selbst habe acht Jahre lang im Turm eines solchen „Oberdrehkrans“ (Neuwert etwa eine halbe Million Euro) gesessen und sich dort bestens gefühlt. „Die Aussicht ist zumeist klasse“, so der Polier, der nur am Wochenende in seine Heimat in der Nähe von Bad Iburg fährt. Es vermittle zudem ein „irgendwie erhabenes Gefühl, wenn der Blick von oben über das gesamte Baustellen-Gelände schweift“, sagt Büssing.

Der Kran, den Kulanica entweder von oben oder per Funksteuerung vor dem Bauch von unten dirigiert, sei „noch einer der kleineren“. Er ist aus einzelnen Turm-Stücken mit der Hilfe eines Autokrans zusammengesetzt und könne durchaus bis zu 70 Meter hoch sein. Ende des Jahres, so glaubt Büssing, seien die Kräne in Nienburg wohl verschwunden, weil dann der komplette Rohbau stehe. Zwar seien die Arbeiten „nicht ganz im Zeitplan, weil unter anderem der Winter so lange gedauert hat, aber wir sind dabei, Zeit aufzuholen“, erklärt der Polier. Deshalb arbeite die Truppe im Moment auch sonnabends.

Während die Kran-Kabine für den Winter mit einer Heizung ausgestattet ist, gleiche der Arbeitsplatz des Kranführers im Sommer eher einer Sauna. „Da sind dann mal schnell 50 bis 60 Grad drin“, wissen Büssing und auch Kulanica. Gegen Hitze sei nicht viel zu machen, doch der technische Fortschritt habe geholfen: „Die meisten Kabinen haben große Türen und Fenster, um auch einmal für Durchzug sorgen zu können“, so Büssing, der seit rund 25 Jahren seine Arbeitszeit auf zumeist großen Baustellen verbringt.

Und was ist mit der sogenannten „Notdurft“? „Kranführer kennen das und haben ihren Körper soweit trainiert, dass sie Nötiges in der Frühstücks- oder Mittagspause erledigen“, erklärt der Polier. „Wer Durchfall hat, schafft es allerdings so schnell nicht vom Kran runter“, fügt er schmunzelnd hinzu. Und für das „kleine Geschäft“? Wilhelm Büssing schmunzelnd: „Es gibt doch Kanister.“

Quelle: kreiszeitung.de

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