"Versuchskaninchen Heimkind" am Montag in der ARD

„Bin ich auch solch ein Monster?“: Hilde Winkelmann redet über Medikamentenversuche an Kindern

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Hilde Winkelmann im Jahr 2019 vor dem Haus in Bad Rehburg, in dem sie als Kind mit ihren Eltern und Großeltern lebte.

Ihr Großvater war einer der Hauptgutachter der "Kinder-Euthanasie" der Nationalsozialisten. Der Vater von Hilde Winkelmann  führte bis in die 1970er Jahre Medikamentenversuche an Heimkindern durch. Darüber will sie jetzt reden. 

  • Hilde Winkelmann redet über Medikamentenversuche an Kindern
  • Ihr Vater führte Medikamentenversuche an Heimkindern durch
  • "Versuchskaninchen Heimkind" am Montag in der ARD

Rehburg-Loccum - von Beate Ney-Janßen. 20. Januar 2018, frühmorgens vor der Arbeit. Hilde Winkelmann schlägt die Zeitung auf. Liest. Und ist fassungslos. Über Medikamentenversuche an Heimkindern wird dort berichtet. Einer der Hauptverdächtigen: Ihr Vater, Hans Heinze jun. „Bin ich auch solch ein Monster?“, hat sie sich in diesem Moment gefragt. Wenn sie bislang auch nichts über das gewusst hatte, dessen ihr Vater nun verdächtigt wurde, wusste sie doch schon lange von dem, was ihr Großvater getan hatte: Hans Heinze sen. war zur NS-Zeit einer der Hauptgutachter der „Kinder-Euthanasie“ der Nazis. Der Großvater, der Kinder als lebensunwert einstufte und sie in den Tod schickte. Der Vater, der Kinder als Versuchskaninchen nutzte. Wie sollte sie mit diesem Erbe umgehen? Das war der Moment, in dem sie beschloss zu reden.

Hilde Winkelmann wurde als Hilde Heinze im Jahr 1960 geboren. Aufgewachsen ist sie in Bad Rehburg. Auf dem Gelände des Landeskrankenhauses lebte ihre Familie in einem Haus, dessen eine Hälfte sie gemietet hatte. „Wir hatten nie viel Geld“, sagt sie. Urlaub und solche Sachen – darüber wurde gar nicht geredet. Dass eine Familie, deren Oberhaupt als Arzt in leitender Position arbeitet, sich keinen Urlaub leisten konnte, hat sie erst in späteren Jahren hinterfragt – und vermutet als Grund dafür die Vergangenheit ihres Großvaters.

Hans Heinze sen., 1895 geboren, studierte Psychiatrie, war Oberarzt in Leipzig, dann Leiter der kinderpsychiatrischen Abteilung der Universitätsklinik Berlin, bevor er 1938 die Leitung der Landesanstalt Brandenburg-Görden übernahm. Dem „Euthanasie“-Gedanken der Nazis stand er aufgeschlossen gegenüber, weswegen er 1939 in den „Reichsausschuss zur wissenschaftlichen Erfassung von erb- und anlagebedingten schweren Leiden“ aufgenommen wurde. Dieser Ausschuss sollte das „Euthanasie“-Programm vorbereiten – also darüber befinden, welches Leben als „lebensunwert“ gelten und beendet werden sollte. Menschen mit geistigen, psychischen und körperlichen Beeinträchtigungen standen im Fokus. Die Zahlen derer, die in Gaskammern geschickt, die zu Tode gespritzt oder systematisch dem Hungertod ausgesetzt wurden, sind bis heute nicht bekannt. Von mehr als 200.000 Opfern ist die Rede. Heinze arbeitete als Gutachter von Anfang an in diesem System mit. Mit einem Plus oder einem Minus, schnell notiert auf einem Formular, konnte er über Leben und Tod entscheiden. Die erste „Kinderfachabteilung“, in der dieses System angewendet wurde, war Heinzes Klinik in Görden. Dort lernte er auch andere Ärzte an, damit sie eigene Abteilungen dieser Art in ihren Kliniken aufbauen konnten. Nach Kriegsende wurde Heinze in das sowjetische Lager Sachsenhausen eingewiesen. Dort wurde ihm der Prozess gemacht wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Die Anklage lautete, dass er „als preußischer Beamter die Maßnahmen einer faschistischen Regierung gebilligt und als Universitätsprofessor keine Mediziner, sondern Faschisten ausgebildet“ hätte. Sieben Jahre Haft waren das Urteil, die er in Sachsenhausen und anderen Lagern verbrachte. Überall dort durfte er als Lager-Arzt wirken. 1952 wurde Heinze entlassen, 1953 wieder in den Staatsdienst aufgenommen. Ein Jahr später bekam er seine Bestellung zum Leiter der Jugendpsychiatrischen Klinik Wunstorf, wo er bis zu seiner regulären Pensionierung im Oktober 1960 arbeitete. Bereits vier Jahre zuvor hatte die Staatsanwaltschaft Hannover die Ermittlungen gegen ihn wieder aufgenommen, die sich über viele Jahre hinziehen sollten. Obwohl dem Sozialministerium Beweise vorlagen, dass Heinze an den „Euthanasie“-Maßnahmen beteiligt war, wollte es mit einer Entziehung der Approbation bis zum Abschluss des Verfahrens warten. Zum 22. September 1961 sperrte allerdings der Regierungspräsident von Hildesheim mit sofortiger Wirkung alle Bezüge an Heinze. Hans Heinze sen. und seine Frau Charlotte standen mittellos da. Die Ermittlungen gegen Hans Heinze sen. wurden 1966 eingestellt. In den Jahren zuvor hatte Heinze wegen seines körperlichen und psychischen Zustandes auf Verhandlungsunfähigkeit plädiert. Drei amtsärztliche Gutachten des Gesundheitsamtes Nienburg/Weser bestätigten dieses. Er sei „eine zerbrochene Persönlichkeit ohne Aussicht auf Besserung des Gesundheitszustandes“ heißt es in einem Gutachten von 1963. Damals war Heinze 68 Jahre alt. Er sei nicht mehr in der Lage, „zu irgendwelchen Fragen verantwortlich Stellung zu nehmen und längere Unterredungen körperlich durchzuhalten“ besagt ein Gutachten von 1965.


Hilde Winkelmanns Erinnerung an jene Zeit ist eine andere. Ihr Großvater sei sowohl körperlich als auch geistig durchaus fit gewesen. Und immerhin habe er von 1965 bis zu seinem Tod noch 18 Jahre gelebt.

Das Fotos aus dem Jahr 1965 von Hans Heinze sen. beim Spiel mit zwei Enkelkindern weist nicht auf den desolaten Gesundheitszustand hin, der ihm in Gutachten bescheinigt worden war.

Das Verfahren, das doch nicht mehr aufgenommen wurde, ist nicht der einzige Skandal in der Causa Hans Heinze. 1998, posthum, ist er rehabilitiert worden. Der Historiker Klaus-Dieter Müller wollte Einsicht in die Akte bekommen, die die Sowjetunion über den Prozess vor dem Militärgericht 1945 angelegt hatte. Akteneinsicht, das wusste Müller, konnte er in solchen Fällen dann bekommen, wenn ein einmal gefälltes Urteil der Militärgerichte als Fehlurteil anerkannt wurde – weswegen er die Rehabilitation Heinzes beantragte. Diese wurde nach wenigen Monaten gewährt. Heinze galt vor dem Gesetz fortan als unschuldig. Selbst wenn unzweifelhaft ist, dass auf seine Veranlassung hin Tausende von Kindern ermordet wurden.

Ab September 1961 bekam Hilde Winkelmanns Großvater also keine Pension mehr. Das passt sehr genau zu dem nächsten Ereignis: Im November jenes Jahres zog das Ehepaar Heinze sen. nach Bad Rehburg – in das Obergeschoss des Hauses, in dem sein Sohn Hans Heinze jun. gemeinsam mit dessen Frau und den bis dahin geborenen beiden Kindern lebte. Für Hilde Winkelmanns Vater bedeutete das, dass er von seinem Ärzte-Gehalt zwei Menschen mehr ernähren musste. Dabei dürfte ihm geholfen haben, dass er durch die Medikamenten-Versuchsreihen ein zusätzliches Einkommen hatte. Pharma-Konzerne bezahlten ihn für die Erprobung der und Studien zu den Medikamenten. Für das Mädchen Hilde hatte der Einzug ihrer Großeltern weitreichendere Konsequenzen.

„Ich hatte eigentlich eine schöne Kindheit“, sagt Hilde Winkelmann während eines Spaziergangs durch Bad Rehburg. An wilde Schlittenfahrten die Rehburger Berge herunter erinnert sie sich. Daran, dass sie und ihre Geschwister überall in der Natur herumstrolchten. An ihre Mutter, die so stark und fleißig war, ihrem Vater als Postbeamtin das Studium finanziert hatte – und die immer für ihre Kinder da war. Das Haus, in dem sie damals lebten, steht heute nicht mehr auf dem Klinik-Gelände, sondern im Hinterhof eines Hotels. Baufällig ist es, soll wohl abgerissen werden. Hilde Winkelmann geht nah an eine Fensterscheibe heran und blickt auf die Fetzen der Tapete, die sie einst im Wohnzimmer hatten. Wenn sie sagt, dass sie eigentlich eine schöne Kindheit hatte, dann ist das „eigentlich“ in diesem Satz eine bewusste Einschränkung.

Im ehemaligen Wohnzimmer der Familie Heinze hängen die Tapeten von damals noch an der Wand. Mit Jahrzehnten Abstand kann Hilde Winkelmann wieder einen Blick darauf werfen.

Wie konnte ihre Mutter damit umgehen, diese Schwiegereltern im Haus zu haben und sie durchfüttern zu müssen? Ihre Mutter, sagt Hilde Winkelmann, habe selbstverständlich genau gewusst, was dem Schwiegervater vorgeworfen wurde. Dass er des 30.000-fachen Mordes an Kindern angeklagt werden sollte. Kindern, von denen ihr Ältester vermutlich eines gewesen wäre. Denn Hilde Winkelmanns älterer Bruder Hans-Ulrich wurde mit einer geistigen Beeinträchtigung geboren. Der mittlerweile 63-Jährige ist auf dem Stand eines zwei- bis dreijährigen Kindes stehen geblieben. Wäre er 15 Jahre früher geboren worden – sein Großvater hätte nicht gezögert, ihn der Gaskammer zuzuführen: Lebensunwert. Unproduktiv. Und nun lebte dieser Junge mit diesem Mann unter einem Dach. Beschützen wollte die Mutter den behinderten Sohn – und hat darüber womöglich übersehen, dass auch ihre Tochter, der kleine Wildfang in der Familie, Schutz nötig gehabt hätte. Was ihr in diesen Jahren mit ihren Großeltern unter einem Dach widerfuhr, hat Hilde Winkelmann lange Zeit verdrängt. Schon als Teenager hatte sie den Eindruck, dass mit ihr etwas nicht stimme. Alpträume plagten sie, in denen ein Mann in einem Ledermantel sie verfolgte. Immer wieder. Sie musste erwachsen werden, ihr Großvater sterben, bis sie zu einem Psychologen ging und sich in Behandlung begab. Dort kam nach und nach zum Vorschein, dass ihr Großvater sie als kleines Kind - damals, unter einem Dach - missbraucht hatte. Der Psychologe bestand darauf, ihren Vater zu einem Gespräch hinzuzuziehen. Der wies alles weit von sich. Das könne er sich überhaupt nicht vorstellen. „Wie hätte ich es ahnen sollen“, hat ihre Mutter Jahre später gesagt. Sie hatte doch genügend damit zu tun, ihren Ältesten zu schützen, entschuldigt ihre Tochter sie. Heute schaut Hilde Winkelmann genauer hin, wenn sie alte Familienfotos betrachtet. Ihr Großvater, sagt sie, sehe eigentlich immer so aus, als ob er der Betrachter einer Szene sei, als ob er die Menschen um ihn herum scanne. Als herzliches Familienmitglied, als liebevollen Opa habe sie ihn nie erlebt.

In Anführungszeichen hat Hilde Winkelmanns Mutter „Opa“ unter dieses Foto von Hans Heinze sen. geschrieben.

In einem Familienalbum, das ihre Mutter ihr geschenkt hat, ist Hans Heinze sen. akkurat im Anzug und auf einem Gartenstuhl sitzend zu sehen. „Opa“ hat ihre Mutter daruntergeschrieben. In Anführungszeichen. „Meine Mutter hat nie etwas ohne Absicht gemacht“, sagt Hilde Winkelmann. Es sind die einzigen Anführungszeichen in dem Album. Von ihren Großeltern hatte sich Hilde Winkelmann schon distanziert, bevor der Missbrauch ihr bewusst wurde. Was sie über die Taten ihres Großvaters zur NS-Zeit erfahren hatte, genügte ihr dafür voll und ganz. Ein stummer Widerstand war es, den sie 1983 leistete, als sie sich weigerte, zur Beerdigung von Hans Heinze sen. zu gehen.

Ihr zweiter Bruder, wenige Jahre nach ihr geboren, setzte sich zu dieser Zeit schon sehr intensiv mit der NS-Zeit und der eigenen Familiengeschichte auseinander. Er war es, der seine Schwester über alles informierte, was er recherchiert hatte. Er war es auch, der versuchte, mit dem Vater darüber ins Gespräch zu kommen. „Er wollte verstehen, was mit den Menschen passiert ist, dass sie es fertigbrachten, so mit anderen Menschen umzugehen“, sagt sie. Es blieb stets bei dem Versuch eines Gesprächs. Darüber wollte der Vater nicht reden. „Wir dürfen es nie vergessen!“ – Das hat ihr Bruder ihr oft gesagt. Als er 2014 plötzlich starb, übernahm sie seine Aufgabe und begann, sich aktiv mit ihrer Familiengeschichte auseinanderzusetzen.

Zwei Jahre später saß sie morgens am Küchentisch und las in der Zeitung, dass nicht nur ihr Großvater in üble Machenschaften verstrickt war, sondern auch ihrem Vater einiges zur Last gelegt wird.

Die Pharmakologin Sylvia Wagner hatte sich in ihrer Dissertation mit Medikamentenversuchen an Heimkindern auseinandergesetzt, die bis in die 1970er Jahre durchgeführt wurden. Fragwürdige Praktiken, manche jenseits dessen, was gesetzlich erlaubt war, anderes in einer Grauzone, hatte sie aufgedeckt. In erster Linie hingen diese Versuche an Kindern mit der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Wunstorf zusammen. Hans Heinze sen. habe bereits in den 1950er und 1960er Jahren Medikamente an Kindern ausprobiert. Einen Pharmakonzern bat er darum, auch seinem Sohn – damals noch in Gießen tätig – ein Medikament zukommen zu lassen. Was der Vater begonnen hatte, führte der Sohn fort, als er 1961 in der Wunstorfer Klinik zu arbeiten begann. Und nutzte später seine Position als Leiter des Referats für psychiatrische Angelegenheiten und die psychiatrischen Landeskrankenhäuser im Niedersächsischen Sozialministerium, um die Versuche fortzusetzen. Zugute kam ihm dabei, dass er nicht nur im Ministerium arbeitete, sondern weiterhin als Psychiater für einige Heime zuständig war. Dort konnte er nahezu nach Belieben Versuchsreihen an den Kindern durchführen, auch mit noch nicht zugelassenen Medikamenten. Eines dieser Heime war in direkter Nachbarschaft des Hauses, in dem Hilde Winkelmann aufgewachsen ist: Im Heilpädagogischen Kinder- und Jugendheim Brunnenhof in Bad Rehburg.

Auch in einem Kinderheim in der Straße „Brunnenhof“ in Bad Rehburg führte Hans Heinze jun. Medikamentenversuche an Kindern durch.

Psychoverlan testete Heinze dort – ein Medikament mit sedierender Wirkung. Akten über die Bewohner existieren nicht mehr, lediglich über die Meldelisten der Stadt Rehburg-Loccum ist nachvollziehbar, dass es in den 1970er Jahren 25 Zuzüge in dem Heim gab. Psychoverlan schilderte Heinze jun. als ein Präparat, das den therapeutischen Anforderungen besonders genüge, wenn der Arzt die Rolle eines „ärztlichen Freundes“ übernehmen und dem sozialen Umfeld des Kindes besondere Aufmerksamkeit schenken solle. Heimkinder mit Medikamenten ruhig zu stellen, statt sich mit ihnen aktiv auseinanderzusetzen, wird als Hintergrund für den Einsatz dieses und ähnlicher Medikamente vermutet.


Die Dissertation Wagners und die Berichterstattung darüber, brachten das Sozialministerium auf den Plan. Zwei Studien sollten angefertigt werden und aufdecken, was sich damals ereignet hat – inklusive der Schuldfragen. Das war das eine, was Wagners Arbeit in Gang setzte. Das andere war die Reaktion von Hilde Winkelmann. Ob sie auch solch ein Monster sei, war die erste Frage, die sie sich stellte, als sie davon erfuhr. Ginge es nach den Ansichten von Vater und Großvater, so war diese Frage durchaus berechtigt. Beide hatten in ihrem Wirken immer die These vertreten, dass die Ursache für „charakterliche und intellektuelle Abartigkeiten“ vorrangig in den Erbanlagen und nicht im sozialen Umfeld begründet sei.

Ein Foto aus Hilde Winkelmanns Kindheit zeigt sie mit ihren beiden Brüdern, mit Vater und Großvater.

Nein, dem wollte sie nicht zustimmen. Hilde Winkelmann setzte sich mit der Wunstorfer Klinik in Verbindung und bot ihre Hilfe bei der Aufklärung an. 2018 gehörte sie zu denjenigen, die die während einer Tagung in der Klinik zum Thema „Vergangenes verstehen – Verantwortung vergegenwärtigen“ auf dem Podium saßen. 

ARD - Versuchskaninchen Heimkind

Ein Fernsehteam meldete sich daraufhin bei ihr, das sie unterstützte bei einem Beitrag zu diesen Medikamentenversuchen. Die Erstausstrahlung mit dem Titel „Versuchskaninchen Heimkind“ auf ARD ist geplant für Montag, 3. Februar, 23.30 Uhr.

Hilde Winkelmann ist mit dem Fernseh-Team unterwegs gewesen – unter anderem im Staatsarchiv in Hannover, wo sie mit Akten über Vater und Großvater konfrontiert wurde, in Bad Rehburg, wo sie das Haus zeigte, in dem sie mit ihrer Familie lebte, und auch in der Klinik in Brandenburg-Görden, in der ihr Großvater die erste „Kinderfachabteilung“ der Nazis einrichtete. Mit all dem, sagt sie, hoffe sie darauf, einen Beitrag leisten zu können. Ans Licht bringen, was geschah, sich selbst davon deutlich distanzieren, und daran mitarbeiten, dass solche schrecklichen Dinge nicht wieder passieren können, ist ihr Ziel. Rückhalt bekommt sie dabei von ihrem Mann und ihrem Sohn. Das hält sie, trägt sie und gibt ihr Kraft. Kraft auch gegen die anderen Stimmen, diejenigen, die ihr sagen, dass es damit doch genug sein müsse, dass doch alles so lange zurückliege – und die ihr auch sagen, dass sie das Ansehen ihrer Familie nicht beschmutzen solle.

Blumen hat Hilde Winkelmann im November 2019 zur Verlegung eines Stolpersteins in Bad Rehburg mitgebracht – für Erich Busack, ein Opfer der NS-„Euthanasie“.

Nächste Schritte plant Hilde Winkelmann schon. Dem Arbeitskreis Stolpersteine Rehburg-Loccum hat sie sich angeschlossen, als sie im November 2019 davon erfuhr, dass er in Bad Rehburg einen Stolperstein für das „Euthanasie“-Opfer Erich Busack verlegen wolle. Blumen hat sie zur Verlegung für Erich mitgebracht und sich vor dem Stein verneigt. Der nächste Schritt, den sie gehen will, ist eine Lesung beim Arbeitskreis im Herbst 2020 – aus ihrem Leben und von ihrer Familie mit all ihren Abwegen will sie dort erzählen – und mit Menschen ins Gespräch kommen. Damit Anfängen gewehrt wird und um Mut zu machen, sich zu positionieren. Selbst gegen die eigene Familie.

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