Geschichte der Bombenanschläge 1951

Ausstellung in Eystrup: Der Attentäter unter uns

+
Buchautor Dieter Reis (Dritter von links) aus Nienburg und Horst Müller-Kuntzer (Zweiter von rechts) vom Heimatverein Eystrup während der Eröffnung der Ausstellung im Alten Güterschuppen. Thema sind die Halacz-Bombenattentate von 1951. 

Eystrup - Von Horst Friedrichs. Am Ort der Zeitzeugen, in Eystrup, wurde am Sonnabendnachmittag die Geschichte eines Bombenattentats von 1951 lebendig.

Im Alten Güterschuppen eröffnete der örtliche Heimatverein die Sonderausstellung „Soko S“, eine Leihgabe des Polizeimuseums Nienburg. Grund für den Ortswechsel der Ausstellung: Der erste blutige Bombenanschlag des später gefassten Attentäters Erich von Halacz löschte nur wenige Schritte vom Eystruper Bahnhof entfernt, im damaligen Postamt, das Leben der 18-jährigen Margret Grüneklee aus. Nur Stunden danach ereilte den Chefredakteur der Tageszeitung „Bremer Nachrichten“, Dr. Adolf Wolfard, das gleiche grausige Schicksal. In beiden Fällen gab es außerdem mehrere, zum Teil schwer Verletzte.

Ein weiterer Anschlag galt damals dem Futtermittelfabrikanten Anton Höing in Verden. Der ahnte nicht, dass er mit seinem Leben spielte, als er versuchte, ein an ihn persönlich adressiertes Paket aus rohrförmiger Pappe zu öffnen. Nichts passierte. Erst als die Polizei das Postpaket übernommen und den hochbrisanten Inhalt entdeckt hatte, traf den Adressaten der nachträgliche Schock. Sein Leben verdankte er einem Missgeschick des 1929 geborenen Bombenbauers Halacz: Zwei blanke Drähte, die beim Abziehen des Papprohrdeckels den Batteriestrom für den Zünder auslösen sollten, hatten sich nicht wie vorgesehen berührt.

Schwerverbrecher Halacz lebte in Nienburg und Umgebung

Der von Mordlust getriebene, akribisch vorgehende Schwerverbrecher Halacz lebte in Nienburg und Umgebung „mitten unter uns“, bis er schließlich gefasst wurde und ins Zuchthaus kam.

Große, abwechslungsreich gestaltete Schautafeln sind seit Sonnabend im Alten Güterschuppen am Eystruper Bahnhof zu sehen. Viel Wert aufs Detail legten die Verantwortlichen vom Polizeimuseum Nienburg bei der Gestaltung der Ausstellung. So sind es fast ausnahmslos Originaldokumente und Originalfotos, die das Geschehen von 1951 bildhaft anschaulich darstellen. Zahlreiche Besucher nutzten schon am ersten Ausstellungstag die Möglichkeit, nachträglich die Ermittlungen mitzuverfolgen, die die Polizei damals schließlich zur Festnahme des Täters in Nienburg führten. Highlights der Ausstellung sind unter anderem die erste Phantomzeichnung in der deutschen Kriminalgeschichte und die Schreibmaschine, auf der der später nach der Zeichnung identifizierte Halacz die Adressen für seine Bombenpakete schrieb.

Für den ersten großen Besucheransturm sorgten am Sonnabend Feuerwehrabordnungen aus Berlin-Köpenick und Zschornewitz in Sachsen-Anhalt. Mit den Wehren aus beiden Orten unterhält die Freiwillige Feuerwehr Eystrup seit Jahren Partnerschaften. Die Besuchergruppen waren gekommen, um am abendlichen Feuerwehrball im Gasthaus Parrmann teilzunehmen. Und so nutzte Betreuer und Kassenwart Ulrich Lepakowski von der Eystruper Wehr die Gelegenheit, den Gästen mit dem Ausstellungsbesuch im Alten Güterschuppen einen äußerst informativen Auftakt des Tags zu bieten.

„Sonderkommission Sprengstoff“ agierte über die Landesgrenzen hinaus

Die Ausstellung „Soko S“ verweist mit ihrem Untertitel „Die Jagd nach dem Bombenattentäter von Bremen und Eystrup“ zugleich auf eine völlig neue Erfahrung für die Polizeibeamten aus Niedersachsen und Bremen. Erstmals in der noch jungen Bundesrepublik arbeiteten sie in einem länderübergreifenden Fall zusammen, der national und international große Aufmerksamkeit hervorrief. Über die niedersächsisch-bremische Landesgrenze hinweg wurde die „Sonderkommission Sprengstoff“ (Soko S) gebildet, die dann noch ungewohnte Unterstützung erhielt, als Journalisten der „Bremer Nachrichten“ ihre eigenen Ermittlungen anstellten und überdies mit der Polizei zusammenarbeiteten.

Zum gemeinsamen Erfolg führte schließlich das Phantombild, das ein Zeichner der Bremer Tageszeitung nach Beschreibungen von Zeugen anfertigte. Darüber berichtet der Nienburger Autor Dieter Reis unter anderem in seinem Buch „Nur vom Empfänger persönlich zu öffnen“, in dem er nicht nur die Ermittlungsaspekte des Falls Halacz schildert, sondern ausführlich auch auf die persönlichen Hintergründe und das mutmaßliche Seelenleben des Attentäters eingeht. Dieter Reis erläuterte Interessierten am Sonnabend im Güterschuppen Ausstellungsdetails; vergangenes Jahr hatte er sein Buch dort bereits in einer Lesung vorgestellt.

Die Ausstellung ist noch vier Mal in Eystrup zu sehen:

Mi., 25. Januar, 16 bis 20 Uhr

Sa., 28. Januar, 14 bis 18 Uhr

So., 29. Januar, 14 bis 18 Uhr

Mi., 1. Februar, 16 bis 20 Uhr

Quelle: kreiszeitung.de

Mehr zum Thema:

Politik

Blutige Proteste: Bereits 24 Tote in Venezuela

Blutige Proteste: Bereits 24 Tote in Venezuela
Reisen

Botsuana zur Regenzeit: Wenn die Kalahari blüht

Botsuana zur Regenzeit: Wenn die Kalahari blüht
Boulevard

Kein Scherz: Modisch ist, wer Jeans trägt

Kein Scherz: Modisch ist, wer Jeans trägt
Auto

Für Jung und Alt - Autotreffen und Events der Saison

Für Jung und Alt - Autotreffen und Events der Saison

Meistgelesene Artikel

Scheune in Schweringen niedergebrannt

Scheune in Schweringen niedergebrannt

Unfall bei Darlaten: Zwei Personen tot

Unfall bei Darlaten: Zwei Personen tot

„Fachlich nicht zu beanstanden“

„Fachlich nicht zu beanstanden“

Sportboot sinkt in Naturschutzgebiet

Sportboot sinkt in Naturschutzgebiet

Kommentare