AUS DEM LANDGERICHT 17-Jähriger rief aus Angst keine Hilfe

Augenzeugen sagen aus

Hoya/Verden - Von Wiebke Bruns. Nachdem alle vier Angeklagten in dem Verdener Landgerichtsprozess um einen versuchten Mord in Hoya im Mai 2019 ausgesagt haben, wurden gestern zwei Augenzeugen gehört. Die beiden 17-Jährigen waren an jenem Abend gemeinsam mit den drei 17 und einem 20 Jahre alten Angeklagten sowie einem fünften Tatbeteiligten unterwegs, als im rückwärtigen Bereich des Johann-Beckmann Gymnasiums auf einen 35 Jahre alter Radfahrer eingetreten, eingeschlagen und eingestochen wurde.

Von der 17 Jahre alte Zeugin wurde eine Smartphone-Nachricht verlesen, in der sie über die Tat geschrieben haben soll: „Unterwegs kam der Typ, der hat aufgemuckt. Die Jungs sind auf den drauf. Einer hatte ein Messer. Hat den angestochen. Ich war dabei.“

Vorgehalten wurde ihr aus den Akten eine weitere Nachricht ihres Smartphones: „Ich wäre glücklich gewesen, wenn der tot gewesen wäre. Wenn der sich an irgendetwas erinnert.“ Die Schülerin wies dies im Gerichtssaal nicht etwa von sich, sondern antwortete: „Weil ich nicht wollte, dass wir hier alle sitzen.“

Nach der Tat waren alle zusammen verschwunden. Keiner der sieben versuchte, Hilfe für das lebensgefährliche verletzte Opfer zu holen. „Haben sie sich Gedanken gemacht, ob der Mann überlebt?“, wollte der Vorsitzende von dem zweiten Zeugen wissen. „Ja, habe ich. Aber da war diese Angst, dass mir etwas passieren könnte“, antwortete der 17-Jährige, ebenfalls noch Schüler. Insbesondere vor der Reaktion des 22-Jährigen, der zugestochen haben soll, habe er Angst gehabt.

Einer der 17 Jahre alten Angeklagten aus Eystrup sei hinterher in Tränen ausgebrochen, berichtete der Zeuge. „Er könne nicht damit leben, wenn der jetzt stirbt.“ Die anderen seien ausgerastet, hätten den Messerstecher gefragt: „Was hast du gemacht?“.

Zunächst seien alle noch gemeinsam durch Hoya gegangen. Etwa bis zur Tankstelle, dann hätten sich ihre Wege getrennt. Die beiden Schüler gingen mit zu dem 17-Jährigen nach Eystrup und übernachteten dort. Am nächsten Tag vor der Schule schauten sie am Tatort vorbei. „Um zu gucken, was da los ist“, sagte die Zeugin. Dass sie prüfen wollten, ob sie abends Spuren hinterlassen haben, verneinte sie. Vorgehalten wurde ihr ihre polizeiliche Aussage, wonach sie nach zurückgelassenen Plastikbechern geschaut haben sollen. „Wegen DNA-Spuren“.

Die beiden Zeugen mussten sich bereits in Nienburg vor der Jugendrichterin verantworten und wurden wegen unterlassener Hilfeleistung verurteilt.

Bevor der Prozess gestern nach der Befragung von Vernehmungsbeamten bis Donnerstag, 12. Dezember, unterbrochen wurde, teilte die erste Staatsanwältin Dr. Annette Marquardt mit, dass man ein weiteres Opfer des 17-Jährigen aus Duddenhausen ermittelt habe. Bislang gab es nur ein Video, dass den Angeklagten dabei zeigt, wie er auf eine andere Person eintritt. Nun hat man seinen Namen und das Opfer wurde bereits vernommen.

Quelle: kreiszeitung.de

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