Ausgrabungen in Lemke stehen vor dem Ende

Vermutlich Textilverarbeitung

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Der zu untersuchende Teil des Gewerbegebietes in Lemke.

LEMKE - Von Nikias Schmidetzki. Um die 1 800 Jahre liegt es zurück, dass sich Germanen dort niedergelassen haben, wo sich heute ein wachsendes Industriegebiet im Süden Lemkes befindet. Das geht aus den jüngsten Grabungen und Untersuchungen hervor, die im Laufe der Woche abgeschlossen sein sollen.

Dienstagnachmittag konnten sich Besucher von den Experten vor Ort erste Funde und Ergebnisse zeigen lassen. Kommunalarchäologe Dr. Jens Berthold und Tobias Scholz, Dozent an der Universität Göttingen, waren mit Studenten und weiteren Mitarbeitern in den vergangenen Jahren mit den Arbeiten beschäftigt gewesen – und sind von den Befunden durchaus angetan. „Gräberfelder aus der Zeit sind schon häufiger, Siedlungen aber eher selten erforscht“, sagt Dr. Berthold. Und genau da liegt das erfreuliche Ergebnis. In feinen Grabungen sind die Mitarbeiter auf Hausgrundrisse gestoßen. Zudem haben sie zahlreiche historische Gegenstände oder deren Überbleibsel ausgegraben. Alles in allem dokumentiert ein wichtiges Stück Regionalgeschichte.

Schon über 100 Jahre alt seien die ersten Funde in der Gegend, sagt Kommunalarchäologe Dr. Jens Berthold. Damals beim Bau der Eisenbahn sei man auf Urnen gestoßen, es habe dort also Gräber gegeben. „Und wo Leute bestattet wurden, haben auch welche gewohnt“, lautet sein einfaches Fazit. Und nun folgte also eine Siedlung – oder wenigstens ein Teil davon. Ganz akkurat legten Studenten aus Göttingen, Münster, Marburg und Freiburg, ehrenamtliche Helferinnen, Praktikanten sowie eine Bundesfreiwilligendienstleistende die markierten Stellen frei, um dort nach näheren Befunden zu suchen. Dunkle Stellen zeigen den Fachleuten frühere Löcher. Dort können Fundamente der Häuser gewesen sein. Anhand der Muster ziehen die Archäologen Schlüsse auf die Bebauung.

So wissen sie heute, dass auf dem nördlichen Areal des Gewerbegebietes früher Häuser standen. Was dort unter der einstigen Grasnarbe ruhte und nun auf Untersuchung, Dokumentation und später möglicherweise Bestaunen wartet, lässt aber auch weitere Schlüsse zu: „Aus dem Abfall lässt sich sagen, wie die Menschen gelebt haben“, meint Dr. Berthold. Das sei heute nicht anders. Wenn man sich den Müll verschiedener Menschen genau ansehen würde, könne man ebenso einiges erfahren, merkt er an.

Ein wichtiges Stück Geschichte

Das untersuchte Areal. © Nikias Schmidetzki / Aller-Weser-Verlag
Alle markierten Flächen müssen noch untersucht werdenn. © Nikias Schmidetzki / Aller-Weser-Verlag
Der Henkel eines Gefäßes. © Nikias Schmidetzki / Aller-Weser-Verlag
Diese Scherben ergeben den Teil einer großen Schale. © Nikias Schmidetzki / Aller-Weser-Verlag
Tierzähne in dem Rest einer von der Zeit gezeichneten Schale. © Nikias Schmidetzki / Aller-Weser-Verlag
Ein Becher mit Verziehrungen kam zum Vorschein. © Nikias Schmidetzki / Aller-Weser-Verlag
Gesondert untersuchen diese beiden Studenten diesen Lehmklumpen. © Nikias Schmidetzki / Aller-Weser-Verlag
Einige der Befunde erläutert Tobias Scholz auf der großen Sandfläche © Nikias Schmidetzki / Aller-Weser-Verlag

Textilverarbeitung sei dort vor fast 2 000 Jahren anzutreffen gewesen, meint Ausgrabungsleiter Tobias Scholz. Unter anderem seien seine Helfer auf mehrere Webgewichte gestoßen. Auch verschiedene Behälter, die sich zum Teil noch recht gut rekonstruieren lassen, waren unter den Funden, in einem liegen heute noch einige tierische Zähne.

Finanzielle Unterstützung kommt für die Forschung vom Landschaftsverband Weser-Hunte. Die Gemeinde Marklohe wird dadurch immerhin ein wenig entlastet, ist ansonsten Kostenträgerin für die Maßnahmen. Deutlich im fünfstelligen Bereich läge der Betrag, meint Matthias Sonnwald. Nun sei das Gebiet aber fertig zur Nutzung, und das sei immens wichtig. An den Mann – oder besser den Betrieb – gebracht ist das von Gemeinde und Niedersächsischer Landgesellschaft (NLG) vermarktete Areal schon. Nach Abschluss der Ausgrabungen steht den Arbeiten nichts mehr im Wege. Und zu verdeutlichen, dass sich Betriebe dort im Industriegebiet nun niederlassen können, sei Kern derzeitiger Bemühungen. Da zahle die Gemeinde am Anfang drauf, in der Hoffnung, Unternehmen an die Region zu binden. Wenn dann mittelfristig noch einige der Funde und Ergebnisse ortsnah ausgestellt werden können, sei das zusätzlich im Interesse der Gemeinde, meint Sonnwald.

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