Spuren aus der Römerzeit in Nienburg

+
Nach Abschluss der Ausgrabungen führten die Experten Besucher über die Fläche.

Nienburg (ru). Das Wort Sensation kommt ihm nicht über die Lippen, aber weit entfernt davon ist die Entdeckung des Archäologenteams von Dr. Karsten Kablitz nicht. Zwei Münzen aus der römischen Kaiserzeit, geprägt zwischen 346 und 350 haben die Archäologen aus Nienburgs Erdreich geborgen.

Häufig hätten germanische Söldner zu jener Zeit für das römische Imperium gedient und seien mit eben jenen Münzen entlohnt worden, erklärt der Archäologe. „Für Nienburg sind das bedeutungsvolle Funde, auch über die Region hinaus“, zog Kablitz am Freitag gegenüber der Mediengruppe Kreiszeitung eine erste Abschlussbilanz der Grabungsarbeiten am Spargelbrunnen. „Damit haben wir nicht gerechnet.“

Die bedeutungsvollen Funde deuten darauf hin, dass es im Bereich des heutigen Nienburger Stadtgebietes bereits eine römisch-kaiserliche Siedlung gab. „Wahrscheinlich dort, wo der Meerbach in die Weser fließt“, mutmaßt Kablitz. Erste Siedlungsspuren datieren die Spezialisten der Grabungsfirma dagegen auf das 11. Jahrhundert zurück, also bis ins hohe Mittelalter. Bodenverfärbungen belegen, dass dort Holzpfosten als Fundamente dienten. Zudem stießen die Experten auf Grubenanlagen, die sie der Zeit zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert zuordnen. „Das können Sickergruben oder Kloaken gewesen sein. Wir sind uns da noch nicht sicher“, sagt Kablitz.

Vom 16 Jahrhundert bis in die jüngste Vergangenheit sei die freigelegte Kelleranlage auf dem Areal genutzt worden. „Durchgehend über 450 Jahre. Das ist ein echtes Highlight“, freut sich der Chefarchäologe.

Auch auf eine mögliche Katastrophe stießen die Archäologen. „Im Mittelalter gab es eine komplette Umstrukturierung der Grundstücksstruktur“, berichtet Kablitz. Bis ins hohe Mittelalter waren die Grundstücke zur Sackstraße hin ausgerichtet, danach zur Mühlenstraße. Die Gründe dafür sind unklar. Fest steht, dass die gesamte bestehende Bebauung mit einem Schlag einer neuen wich.

Insgesamt rund sechseinhalb Wochen gruben die Spezialisten der Braunschweiger Firma Arcontor im Nienburger Erdreich. Dabei stießen sie auf rund 300 Siedlungsbefunde. Alle wesentlichen Entdeckungen wurden ausgegraben und dokumentiert, bevor die Ausgrabungen gestern zwischen Mühlen- und Sackstraße termingerecht abgeschlossen wurden. „Natürlich hätten wir mehr Zeit gebrauchen können. Aber ich bin mir sicher, dass uns nichts großartiges durch die Lappen gegangen ist“, sagt Kablitz. „Wir können die Grabungen mit einem guten Gefühl verlassen.“

Was nun trotzdem noch in der Erde ruhen sollte, wird dort für lange Zeit unentdeckt bleiben. Denn bereits gestern begannen die Bauarbeiten für das neue Wohn- und Geschäftsgebäude des Investors Hans-Jürgen Meyer, der im übrigen die Grabungsarbeiten bezahlte.

Quelle: kreiszeitung.de

Das könnte Sie auch interessieren

Reisen

Umwelt-Drama: Diese sieben Reiseziele werden "dank" Kreuzfahrtschiffen komplett zerstört

Umwelt-Drama: Diese sieben Reiseziele werden "dank" Kreuzfahrtschiffen komplett zerstört
Politik

Nach Brexit: London droht mit Abbruch von Gesprächen im Juni

Nach Brexit: London droht mit Abbruch von Gesprächen im Juni
Wohnen

Weniger Arbeit mit mehrjährigem Gemüse

Weniger Arbeit mit mehrjährigem Gemüse
Reisen

London: Fünf Gründe für einen Streifzug durch Bloomsbury

London: Fünf Gründe für einen Streifzug durch Bloomsbury

Meistgelesene Artikel

Nienburg: Tankstellenräuber flüchtet mit Fahrrad

Nienburg: Tankstellenräuber flüchtet mit Fahrrad

Karneval in Stolzenau: Narren außer Rand und Band

Karneval in Stolzenau: Narren außer Rand und Band

Nutrias breiten sich in der Samtgemeinde weiter aus und zerstören die Deiche

Nutrias breiten sich in der Samtgemeinde weiter aus und zerstören die Deiche

Nienburg: Celler Straße am Donnerstag halbseitig gesperrt

Nienburg: Celler Straße am Donnerstag halbseitig gesperrt

Kommentare