Awelker Kelifa zu Gast beim Landfrauenverein

„Deutschland ist meine Heimat“

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Awelker Kelifa spricht über seine Flucht und seine Arbeit als Integrationslotse.

Bücken - Von Vivian Krause. Er wurde in Afrika geboren, war fünf Jahre auf der Flucht und kam schließlich nach Deutschland. Awelker Kelifa berichtete bei der Jahreshauptversammlung des Landfrauenvereins Hoya über seine Erfahrungen – sowohl als Flüchtling als auch als Flüchtlingshelfer.

Awelker Kelifa ging ans Rednerpult, grinste in den voll besetzten Saal des Gasthauses Thöle in Bücken und begrüßte die – vorwiegend weiblichen – Anwesenden mit einem herzlichen „Moin“. Dass der Gastredner aus Eritrea eine Begrüßungsfloskel aus dem hohen Norden wählen würde, hatte wohl kaum jemand der Teilnehmer erwartet. Ebenso überraschend wie seine Begrüßung war auch die Ehrlichkeit Kelifas in seinem Vortrag – in Bezug auf seine Flucht, sein Geburtsland und die Integrationsarbeit in Deutschland.

Kelifa wurde in der Hauptstadt Eritreas, Asmara, geboren und bezeichnete sie als „eine der saubersten Städte Afrikas“. In Afrika gebe es viele Bodenschätze, drei Klimazonen und etliche Volksstämme mit unterschiedlichen Sprachen. Seine Sprache ist Tigrinya. Neben der Schönheit seines Geburtsorts sprach er aber auch über folgendes: Jugendliche gehen zum Militär, Mädchen werden beschnitten und oft sehr jung, teilweise mit zwölf Jahren, verheiratet. Der Grund sei laut Kelifa, dass verheiratete Mädchen nicht zum Militär müssen. „Meine Mutter ist 16 Jahre älter als ich“, sagte er.

Sieben Jahre bis zum Wiedersehen mit dem Vater

Er selbst verließ das Land, als er fünf Jahre alt war. Kelifa flüchtete 1984 oder 85 – so genau kann er das nicht beziffern – aus Eritrea. Dort herrschte Bürgerkrieg. Sein Vater war im Gefängnis, seine Mutter beschloss, über Schleuser aus dem Land zu kommen. Mit drei Kindern machte sie sich auf den Weg.

In Deutschland kamen sie fünf Jahre später an. Bis Kelifa seinen Vater wiedersah, dauerte es sieben Jahre. „Wir sind hier mit offenen Armen empfangen worden“, erinnerte er sich. „Für uns war es damals wichtig, in Sicherheit zu sein.“

Neubürger brauchen eine Beschäftigung

Das ist jetzt rund 33 Jahre her. Kelifa fühlt sich hier zu Hause. „Deutschland ist meine Heimat, ich spreche Deutsch, ich träume auf Deutsch“, sagte er. Dennoch äußerte er Kritik: „Wir haben die Integrationsarbeit in Deutschland stark vernachlässigt“, sagte Kelifa. „Viele Leute leben hier seit 30, 40 Jahren und sprechen kein oder kaum Deutsch.“ Doch es gehe nicht nur um das Erlernen der Sprache. Laut Kelifa sei es sogar noch wichtiger, den Geflüchteten die Rechte, Tugenden und Regeln nahezubringen. Denn jedes Land habe eine andere Kultur. Zudem sei es wichtig, dass die Neubürger eine Beschäftigung haben – sei es ein Job oder eine ehrenamtliche Arbeit.

Diese Erkenntnisse sammelte Kelifa in seinem Wohnort Neuenkirchen-Vörden im Landkreis Vechta. Dort brachte er sich aktiv in die Flüchtlingsarbeit ein, unter anderem als Flüchtlingsberater im Rathaus. Zudem organisierte er gemeinsam mit weiteren Engagierten Kochabende und andere Treffen. „Wir haben auch ein Buch mit internationalen Rezepten und persönlichen Geschichten der Geflüchteten rausgebracht“, sagte er. Es trägt den Titel: „Kulinarisch um die Welt“. Apropos Buch: Eine Zuhörerin war so angetan von den Erzählungen Kelifas, dass sie sich eine Biografie seines Lebens in Schriftform wünscht. Damit konnte er nicht dienen, jedoch denkt er über einen Ratgeber für die Arbeit mit Flüchtlingen nach.

„Man muss die Mentalität der Leute verstehen“

Kelifa hat die Flüchtlingsarbeit in seiner Gemeinde, in der laut seinen Angaben Menschen mit 54 Nationalitäten leben, unterstützt, bis er kaum noch Privatsphäre hatte. „Ich hatte nie Feierabend“, erinnerte er sich. Zum Teil kamen die Geflüchteten unangekündigt durch den Garten in seine Wohnung.

Kelifa lernte viele Schicksale kennen. „Man muss die Mentalität der Leute verstehen“, sagte er. „Vielleicht wartet Ihr türkischer Nachbar immer noch darauf, dass Sie mit Keksen vorbeikommen“, sagte Kelifa grinsend. Denn: Andere Kulturen haben andere Sitten.

Derzeit ist er unter anderem als Dolmetscher und Mediator für das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) tätig. Zudem plant er, mit seiner Frau ein Café zu eröffnen. Für Neu- und Altbürger.

Quelle: kreiszeitung.de

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