19-Jährige für 2 000 Euro verkauft

Balge-Mord: Männer sollen psychisch Kranke zur Prostitution gezwungen haben

Zwangsprostitution Verden Balge
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Gut bewacht: Die beiden Angeklagten vor Prozessbeginn im Gerichtssaal.

Verden/Nienburg - von Wiebke Bruns. Prozessauftakt um Balge-Mord. Seit Dienstag müssen sich zwei Männer vor dem Landgericht Verden wegen Zwangsprostitution verantworten. Sie sollen das Mordopfer für 2000 Euro an einen der mutmaßlichen Mörder verkauft haben.

Erst ausgebeutet als Prostituierte und dann verkauft wie ein krankes Tier, mit dem sich kein Geld mehr verdienen lässt und das nur Ärger bedeutet. Abgründe taten sich am Dienstag am Landgericht Verden auf, wo sich ein 21 Jahre alter Angeklagter aus Wiesmoor wegen Zwangsprostitution und ein 26-Jähriger aus Rethem wegen Beihilfe verantworten müssen. Bei dem Opfer handelt es sich um die 19-Jährige, die am 9. April 2020 in Balge, gefesselt an eine Betonplatte, lebendig über ein Brückengeländer in die Weser geworfen worden sein soll.

Anfänglicher Mordverdacht hat sich nicht bestätigt

Der anfängliche Verdacht, dass die 21 und 26 Jahre alten Männer an dem Mord beteiligt waren oder davon im Vorfeld Kenntnis hatten, hat sich nicht bestätigt. Das machte der Vorsitzende Richter Lars Engelke am Dienstag deutlich. Die mutmaßlichen Mörder, insgesamt drei Angeklagte, werden sich nach derzeitigem Stand ab dem 26. Januar vor einer anderen Kammer des Verdener Landgerichts verantworten müssen.

Der 21-jährige Angeklagte soll das Opfer für 2 000 Euro verkauft haben. 

Den wegen Mordes angeklagten Käufer aus Nienburg will der 21-Jährige schon länger aus früheren Drogengeschäften kennen. Das Opfer aus Schöningen habe er über seine Ex-Freundin kennengelernt. Nach der Trennung habe ihm die 19-Jährige erzählt, dass sie gegen Geld oder Drogen Sex mit Männern habe. „Dass es ihr gefällt. Sie Spaß an der Arbeit habe“, schilderte der 21-Jährige.

Einnahmen hätten hälftig geteilt werden sollen

Die 19-Jährige habe ihm Anfang 2020 eine Zusammenarbeit angeboten. Er habe Termine vereinbaren und für ihre Sicherheit sorgen sollen. Dafür hätten die Einnahmen hälftig geteilt werden sollen. Dass er die „Kohle“ nahezu vollständig für sich, insbesondere seine Drogensucht, verwendete, räumte er ein. Ein Paar seien sie nie gewesen.

Freier in Bad Harzburg und Wiesmoor bedient

Erst seien die Freier in seiner Wohnung in Bad Harzburg bedient worden, später in einer Ferienwohnung in Wiesmoor (Kreis Aurich). Dort hätten sie gemeinsam mit seiner neuen Freundin, einer ehemaligen Prostituierten gewohnt. Diese habe sich dann ums geschäftliche gekümmert.

Dem 26-Jährigen Angeklagten wird Beihilfe zur Zwangsprostitution vorgeworfen.

Deutlich verschlechterter psychischer Zustand des Opfers war aufgefallen

Gelegentlich besuchten sie den 26-Jährigen in Rethem, dem auch der deutlich verschlechterte psychische Zustand der 19-Jährigen aufgefallen war. Bei einem Besuch habe sie mit Hot Dogs die Wände beschmiert und nur apathisch zur Wand geguckt. Und in Wiesmoor habe sie mit Marmelade den Boden gewischt. Die Mutter von zwei Kindern, die da bereits in Pflegefamilien lebten, soll an paranoider Schizophrenie erkrankt gewesen sein.

Verkauft, statt zu helfen

Doch statt ihr zu helfen, vereinbarte der 21-Jährige Treffen mit einem der mutmaßlichen Mörder. Nach den Schilderungen des 21-Jährigen bezahlte dieser Mann erst für die Dienste der Frau, ließ sie dann probeweise für sich arbeiten und kaufte sie ihm schließlich ab. Für 2 000 Euro in bar und erlassene Drogenschulden. Auf dem Parkplatz eines Nienburger Pizzadienstes ist laut den beiden vollumfänglich geständigen Angeklagten in der Nacht zum 6. April die Übergabe erfolgt. Der 26-Jährige ist wegen Beihilfe angeklagt, weil er den 21-Jährigen zu dem Treffen begleitet hat.

„Menschenverachtender“ Verkauf

Der Vorsitzende bezeichnete den Verkauf als „menschenverachtend“. Auf die Frage, warum man die 19-Jährige nicht in eine Klinik gebracht habe, sagte der 26-Jährige: „So scheiße es sich anhört, aber sie war nicht mein Besitz. Ich konnte das nicht entscheiden. Ich weiß nicht, wie das bei Zuhältern abläuft.“ Ein Urteil wird für den 18. März erwartet.

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