Antrag im Stadtrat

Schluss mit der Baumverstümmlung in Hoya: Bürgerforum und Olaf Heye fordern Richtlinie

Solche Bilder müssten laut der Antragsteller in der Stadt endlich ein Ende haben.
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Solche Bilder müssten laut der Antragsteller in der Stadt endlich ein Ende haben.

Das Bürgerforum und Olaf Heye kritisieren den unnötig starken Baumrückschnitt und falsche Pflegemaßnahmen. Damit das in Hoya ein Ende hat, fordern sie eine klare Richtlinie.

Das Thema Bäume ist in Hoya eine heikle Sache. Vor kurzer Zeit, als es um die Linden an der Philipp-Schwarze-Straße ging, kochten die Gemüter beinahe über. Um den Baumbestand innerhalb der Stadtgrenzen zu schützen und in diesem Zuge eine klare Leitlinie zu etablieren, wenn es um die Pflege und Fällung geht, stellte das Bürgerforum gemeinsam mit Einzelkandidat Olaf Heye am Montagabend während der Stadtratssitzung einen Antrag auf Erarbeitung und Erlass einer Baumschutzsatzung vor.

Anlass für die Ausarbeitungen sei gewesen, dass „einige Bäume in Hoya unnötig stark zurückgeschnitten worden sind“, trug Olaf Heye vor. Aktuell würde man an der Promenade, dem Tennisplatz, an der Deichstraße, der Scheibenwiese sowie am Schulzentrum deutlich sehen, was es bedeute, wenn sich niemand für den Baumschutz und die richtige Führung verantwortlich fühle. Um dies zu bestätigen, hatte er gemeinsam mit Heike Krüger und Ulrich Rüter (beide Bürgerforum) dem Antrag einige Bilder beigefügt, die das Ausmaß falscher Pflege zeigen sollten. Insbesondere legten sie dabei ein Auge auf Baumkappungen, die derzeit überall in der Stadt zu sehen seien.

„Das, was Hoya seit Jahren mit seinen Bäumen macht, ist Baumverstümmlung. Die Baumkappungen haben für unsere Bäume bezüglich des künftigen Pflegeaufwands große Konsequenzen“, heißt es in dem Antrag. Aufgrund der schlechten Astanbindung am Stammkopf sei es notwendig, alle zwei bis fünf Jahre die Krone zu pflegen und zu schneiden. Falls dies jedoch nicht geschehe, würden sie schnell zu Problembäumen mit verminderter Verkehrssicherheit werden. Wenn sich nichts ändere, „wird Hoya in den nächsten Jahren eine Blaupause dafür sein, wie man es nicht machen sollte“.

Darüber hinaus fügte Heye an, dass in den nächsten Jahren ein Bevölkerungsschwund zu erwarten sei, womit man mit einer solchen Satzung gegensteuern oder besser noch Zuwanderung fördern könne, denn „durch ihr großes Grünvolumen und ihre Schattenwirkung beeinflussen Stadtbäume wesentlich das innerstädtische Mikroklima“, heißt es in dem Antrag. In Zeiten des Klimawandels würden sie gerade im Sommer in verdichteten Räumen für angenehme Temperaturen sorgen.

„Es geht uns jedoch nicht darum, jedwede Baumfällung oder -beschneidung zu verhindern. Das ist unmöglich und nicht zielführend. Es geht uns primär darum, eine allgemeingültige Leitlinie zu schaffen“, betonte Olaf Heye. Ein Beispiel wie eine solche Baumschutzsatzung für Hoya aussehen könnten, haben die Antragsteller ebenfalls ausgearbeitet. Dafür seien Erfahrungen aus vielen anderen kommunalen Baumschutzsatzungen und von teilnehmenden Städten im Arbeitskreis der Deutschen Gartenamtsleiterkonferenz (GALK) zusammengetragen worden.

„Unser Antrag beleuchtet das Für und Wider von Baumschutzsatzungen und wie diese ausgeformt sein könnten“, meinte Olaf Heye. Es gehe ihm und dem Bürgerforum nun darum, den Blick nach vorn zu richten, damit sich alle zukünftig in Hoya an der Schönheit der Bäume erfreuen könnten und nicht wie aktuell, durch fehlgeleiteten Baumschnitt hohe Folgekosten tragen müssten. Der Rat solle daher entscheiden, ob dem Antrag gefolgt werden und welcher Ausschuss sich gegebenenfalls mit der Angelegenheit befassen soll.

Nach Heyes Ausführungen äußerte sich zunächst Bürgermeisterin Anne Wasner und wies darauf hin: „Wir sehen mit Erstaunen, dass wir Zuwanderung haben. Die Bauplätze, die wir anbieten, werden benötigt. Mit Statistiken sollte man also vorsichtig sein.“

Friedrich Gilster (SPD) zeigte sich angetan von dem Antrag und drückte seine Zustimmung aus, diesen an den Planungs-, Bau- und Umweltausschuss weiterzugeben. In diesem Zusammenhang brachte er auch noch einmal das geforderte Grünflächen-Management zur Sprache und schlug vor, diese beiden Aspekte miteinander zu verbinden.

Einer fühlte sich von den ausgewählten Bildern, die dem Antrag beigefügt waren, jedoch getäuscht. Fritz Groß (CDU) verdeutlichte: „Hoya ist grün! Wir haben bereits das Anlegen von Schotterbeeten unterbunden. Zudem mussten die Bäume zum Schützenplatz aufgrund der dortigen Starkstromleitungen und damit aus Sicherheitsgründen abgesägt werden.“

Das stieß bei Olaf Heye auf Unbehagen. „Das ist zu kurz gesponnen. Außerdem haben wir aus zahlreichen Fotos nur wenige ausgewählt. Springen sie einmal über ihren Schatten und suchen sie nicht immer so lang, bis sie schließlich einen Fehler gefunden haben“, entgegnete er.

Um die Diskussion nicht noch weiter anzuheizen, griff Friedrich Gilster ein. „Ich weiß, es ist immer sehr emotional, wenn es um Bäume geht. Deswegen bitte ich die Anwesenden zuzustimmen, den Antrag zur weiteren Beratung in den Ausschuss zu geben.“ Und so kam es auch: Schlussendlich stimmten alle Ratsmitglieder für das die Weitergabe des Antrages. Was der Planungs-, Bau- und Umweltausschuss nun mit den Ausarbeitungen macht, bleibt jedoch abzuwarten.

Weiterhin ging es in der Ratssitzung um ein Vorhaben der Firma Hartje, die derzeit ihren Betrieb neu strukturiert. Dafür sollen die auf Unternehmenshöhe an der Deichstraße gelegenen Straßenflächen in den Betrieb integriert werden. Vorgesehen sei unter anderem die Anlegung von Parkflächen und der Bau eines Pförtnerhauses mit Schranke, erklärte Bauamtsleiter Rolf Walnsch den Anwesenden. Die Deichstraße sei bisher allerdings noch dem straßenrechtlichen Verkehr gewidmet. Vor einer Nutzung – wie sie Hartje vor hat – sei daher ein straßenrechtliches Einziehungsverfahren erforderlich.

Als „völlig fehlgeleiteten Baumschnitt“ betiteln Olaf Heye und das Bürgerforum dieses Hoyaer Exemplar in ihrem Antrag.

Dabei solle jedoch sichergestellt werden, dass dieser Bereich auch zukünftig von Fahrradfahrern Richtung Gewerbegebiet passiert werden könne und die dort bestehenden Ver- und Entsorgungsleitungen in Betrieb bleiben würden. „Das ist ein Vorschlag für den ersten Schritt, danach müssen wir abwarten, ob noch Einwendungen eingehen“, so Walnsch. Der Rat stimmte der Einziehung anschließend zu.

Es galt, noch einen Punkt auf der Tagesordnung zu besprechen, und zwar die Gewährung eines Zuschusses an das Schützencorps Hoya für die Modernisierung der Hausmeisterwohnung in der Schützenhalle. Wie der Verein dem Rat mitteilte, seien erheblich mehr Stunden in Eigenleistung erfolgt als zunächst vorgesehen, erklärte Rolf Walnsch. Die Bitte des Schützencorps laute nun, den Arbeitsaufwand mit 12,50 Euro pro Stunde in die Förderung von maximal 10 000 Euro einzubeziehen. Bei der vorab festgelegten Zuschussquote von 40 Prozent würde dies – neben dem Zuschuss von 6 000 Euro für die Arbeiten der beauftragten Firmen – eine weitere Förderung von 3 250 Euro bedeutet. „Damit würden wir immer noch unter dem ehemaligen Betrag von 10 000 Euro liegen“, rechnete der Bauamtsleiter den Ratsmitgliedern vor.

Zu entscheiden sei jedoch hauptsächlich darüber, ob bei künftigen Förderanträgen von Vereinen Eigenleistungen mit dem genannten Stundensatz als zusätzliche Kosten berücksichtigt werden sollen. So könne man, laut Bauamtsleiter Rolf Walnsch, einen Anreiz dafür schaffen, mehr in Eigenleistung anzufertigen. Einstimmig entschied sich der Rat einerseits für die Förderung — mit dem Zusatz auf die vollen 10 000 Euro aufzustocken – sowie andererseits, in Zukunft Eigenleistungen mit dem Stundensatz von 12,50 Euro als zusätzliche Kosten bei Förderanträgen zu berücksichtigen.

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