Jeanette Hagedorn beauftragt Baumpfleger

Alte Linde gerettet: Weitere Baumgeschichten gesucht

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Vor der Baumpflegemaßnahme: Die Verletzung (Mitte unten), die Jeanette Hagedorn am Stamm ihrer Linde entdeckt hat, geht tief ins Kernholz hinein. Es bestand die Gefahr, dass mit dem rechten tragenden Ast (siehe Foto) etwa ein Viertel der gesamten Baumkrone herausbrechen könnte.

Heemsen - Wie starke Arme streckt die Linde ihre Äste dem Himmel entgegen. Üppig belaubt überschattet ihre Krone den Platz. Stärke und Kraft sind die Begriffe, die bei ihrem Anblick in den Sinn kommen. Allein der aufmerksame Betrachter entdeckt die unscheinbare Wunde am Stamm der großen Linde, die vor dem Haus der Gesundheit in Heemsen steht.

So aufmerksam wie Jeanette Hagedorn. Die Heilpraktikerin und Osteopathin, auf deren Grundstück der Baum steht, hat die Stelle am Stamm entdeckt und fachmännisch begutachten lassen. Die Expertise ergab, dass der Baum zwar versucht, die Wunde aus eigener Kraft zu schließen. Doch bestünde tatsächlich die Gefahr, dass mit dem Ast, der oberhalb der Verletzung aus dem Stamm herauswächst, bei starker Belastung etwa ein Viertel der Baumkrone abbrechen und auf den benachbarten Parkplatz fallen könnte. Im Sinne der Verkehrssicherungspflicht müsse gehandelt werden.

„Es hat mir einen heftigen Stich ins Herz gegeben“, beschreibt Jeanette Hagedorn ihre Reaktion. Der Gedanke, den Baum einfach umsägen zu lassen – was finanziell die günstigste Variante gewesen wäre – kam ihr nach eigener Aussage gar nicht in den Sinn. „Die Linde bedeutet mir so viel“, erklärt die gebürtige Heemserin, die den Baum seit Kindertagen kennt.

Heemsen: 120 Jahre alten Baum erhalten

Jeanette Hagedorn schätzt das Alter der Linde, die in einer Gruppe von dreien auf ihrem Grundstück, Hauptstraße 39, steht, auf etwa 120 Jahre. Älter als ein Mensch je werden kann, hat die alte Linde schon den Bau der alten Heemser Schule miterlebt – ebenso wie ihre Umwidmung zu Kindergarten und Ladengeschäft sowie 2004 zum Ärztehaus. Im Rahmen ihrer heilpraktischen Tätigkeit hat Jeanette Hagedorn unter der Linde einen Sandplatz angelegt. Im Schutz der Baumkrone praktiziert sie mit ihren Patienten Thai Chi, Chi Gong und andere gesundheitsfördernde Kurse. „In meiner Praxis behandle ich viele schwerkranke Menschen“, erklärt sie. Häufig habe sich gezeigt, welch gute Wirkung die Übungen haben. „Dieser Platz unter dem Baum ist ein wunderbarer Ort der Regeneration.“

Die größte der drei Linden (links) vor dem Haus der Gesundheit in Heemsen wird von den Baumpflegern in Augenschein genommen.

Wie viele Kinder haben in den vergangenen 120 Jahren unter der Linde gespielt? Wie viele Gespräche wurden unter ihrer Krone geführt? Welche Tiere hat sie beherbergt? Wie viele Stürme überstanden? All diese Gedanken beschäftigten die naturverbundene Heemserin, die sich schließlich dazu entschloss, die Krone der Linde mit einem so ganannten Kronenanker stabilisieren zu lassen. Sie fand ein Unternehmen, das auf Baumpflege spezialisiert ist, und gab die Pflegemaßnahme in Auftrag.

Stürme und Trockenheit setzten Linde zu

„Die Stürme im vergangenen Herbst in Kombination mit dem trockenen Sommer haben der Linde schwer zugesetzt“, beurteilt Baumpfleger Roman Wiedmann am Tag der Maßnahme. Gern lässt er sich beim Platzieren des Kronenankers „unter der Schulter hindurch“ schauen.

Bestückt mit einem spleißbaren Hohltau, in das zum Schutz des Baums Spreizbänder und Ruckdämpfer eingebracht werden, klettert er – an Seilen gesichert – in die Krone der Linde. Zunächst entfernt der Fachmann altes Totholz. Danach dauert es eine ganze Weile, bis der erste Teil des Taus angeknüpft ist. Von einem elektrischen Hebekran aus, geht ein Kollege dabei zur Hand. Nun verbinden die Männer einen Ast mit dem nächsten und schaffen somit eine stabile Verbindung innerhalb der Baumkrone. Es dauert mehrere Stunden, bis die Arbeiten abgeschlossen sind.

Nach Abfahrt der Baumpfleger bleibt die Linde optisch nahezu unverändert zurück. Vor dem Blick des Betrachters nahezu verborgen, liegen nun aber die Taue des Kronenankers, der die Linde künftig stabilisieren wird.

Für den Betrachter kaum erkennbar, verbinden die Taue des Kronenankers jetzt die tragenden Äste der Baumkrone und sorgen dadurch dauerhaft für Stabilität.

Jeanette Hagedorn ist froh, dass der Baum für die kommenden Jahre gestärkt ist. Sie würde ihn gern auch längerfristig schützen und meint dazu: „Die Baumgruppe ist ein prägendes Element in Heemsens Ortsbild. Das sollte unbedingt erhalten bleiben. Auch für nachfolgende Generationen. Doch wer kümmert sich um die Linde, wenn ich nicht mehr da bin?“

Baumgeschichten in Landkreis Nienburg gesucht

Dank der Montage des Kronenankers im Auftrag von Jeanette Hagedorn ist die Zukunft der Heemser Linde vorerst gesichert. Ob es aber gelingt, ihre Existenz für die nächsten Generationen zu sichern, bleibt offen. 

Es gibt Bäume, die werden mehrere Hundert Jahre alt. Ihre Kronen scheinen bis in den Himmel hinauf zu reichen und im Rauschen ihrer Blätter meint man, die Stimme des Windes zu hören. Im Landkreis Nienburg stehen zahlreiche „kulturrelevante“ Bäume sogar unter Denkmalschutz. Doch auch die größten unter den Baumriesen sind nicht unsterblich. Irgendwann einmal endet ihre Existenz. Sie gehen zu Boden, machen Platz für neues Leben und geraten in Vergessenheit. 

Auch die stärksten Bäume sind nicht unsterblich.

Die freie Autorin Maren Hustedt, deren Artikel regelmäßig auch im Blickpunkt veröffentlicht werden, hat sich zur Aufgabe gemacht, das Andenken an diese beeindruckenden Zeitzeugen zu bewahren. 

Außerdem möchte sie das Bewusstsein wecken für die Schönheit unserer Region. Darum recherchiert sie nach Geschichten, die mit Bäumen aus dem Landkreis und unserer Region verbunden sind. Wenn auch Sie besondere Erlebnisse gemacht haben, die mit einem Baum verwoben sind, schreiben Sie gern eine Email an hustedtmaren@gmail.com.

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