Lehrer Michael Wagner findet Müller Rüdiger Hagen in Steinhude

BBS-Bäckerei kooperiert mit Windmühle „Paula“

Müllermeister Rüdiger Hagen (l.) mit dem Nienburger BBS-Lehrer Michael Wagner in der Windmühle „Paula“ in Steinhude.
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Müllermeister Rüdiger Hagen (l.) mit dem Nienburger BBS-Lehrer Michael Wagner in der Windmühle „Paula“ in Steinhude.

Nienburg - Es hat ein bisschen gedauert, bis Fachpraxislehrer und Bäckermeister Michael Wagner den passenden Kooperationspartner gefunden hatte. Der Ausbilder der Berufsbildenden Schulen (BBS) in Nienburg war auf der Suche nach einer Mühle, in der noch traditionell Getreide zu Mehl verarbeitet. Und er hat sie gefunden – in Steinhude.

Michael Wagner wollte, dass seine Schüler auch Einblicke in das alte Handwerk der Müllerei bekommen und im direkten Vergleich die Unterschiede zwischen industriellem und handwerklichem Mehl erkennen.

Über den Kontakt eines Kollegen, der selber in einer Mühle wohnt, lernte er schließlich Müllermeister Rüdiger Hagen kennen, der im nahen Steinhude die Mühle „Paula“ betreibt. „Mir ist es wichtig, in Zeiten zunehmender Industrialisierung den Blick auf das traditionelle Handwerk zu schärfen. In der Kooperation mit der Mühle ,Paula‘ geht das besonders gut, denn hier bekommen wir nicht nur erstklassige, traditionell verarbeitete Mehle in unterschiedlichen Ausmahlungsgraden, sondern hier bin ich auch mit meinen Klassen willkommen“, so Wagner.

Bereits seit vergangenem Herbst ist Michael Wagner mit seinen Klassen regelmäßig zu Besuch in der „Paula“, um den angehenden Bäckern von Rüdiger Hagen die Mühle und das Müllern zeigen zu lassen. Der gelernte Müllerei- und Mühlenbautechniker sowie Windmüller hatte „Paula“ im Jahr 1998 übernommen, nachdem er seit 1991 seinem Vorgänger Müller Behme geholfen hatte, die Mühle ehrenamtlich zu betreuen. Im Frühjahr 2000 mahlte Hagen auf den von ihm instandgesetzten und restaurierten Maschinen erstmals wieder einen Posten Weizenmehl. In den folgenden Jahren zeigte sich jedoch, dass der Gesamtzustand der Mühle nicht zum Besten war und eine Stilllegung 2001 sowie ein erheblicher Sturmschaden 2003 fast das Ende der Mühle bedeutet hätten. Hagen gab jedoch seinen Traum von einer funktionsfähigen Mühle nicht auf und nach erheblichen Anstrengungen und der Sanierung bis 2005 konnte der Müllermeister seine „Paula“ wieder in den Mahlbetreib nehmen und sein Konzept umsetzen.

„Das Projekt ist beispielgebend für den Erhalt alter Mühlen und traditioneller Handwerkstechniken“, so Michael Wagner. Er kauft regelmäßig Mehl für die Berufsbildenden Schulen dort ein – auch, um den Erhalt der schönen Mühle zu unterstützen. „Ohne Menschen wie Herrn Hagen hätten wir heute nicht mehr die Möglichkeit, dieses alte Handwerk am Leben zu erhalten. Der Anteil der Mühlen, die nicht nur restauriert werden, sondern auch noch im Mahlbetrieb funktionieren, wird leider immer kleiner.“ Genau wie im Bäckerhandwerk, das zunehmend industrialisiert wird, fallen immer mehr alte Arbeitstechniken weg, weil sie im ablaufoptimierten Alltag nicht mehr gebraucht werden oder einfach zu zeitaufwendig sind. „Vor allem in den Jahren der Ausbildung unseres Nachwuchses versuche ich darum, in diesen Bereichen Schwerpunkte zu setzen, um das Wissen weiterzugeben, das sich im Handwerk über Jahrhunderte gebildet hat“, so Wagner. · hen

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