Wo drückt der Schuh?

Befragung der Unternehmer aus der Samtgemeinde Hoya: Das sind die Ergebnisse

Sie stellten die Ergebnisse der Befragung vor: Wirtschaftsförderer York Schmelter (links) und Samtgemeindebürgermeister Detlef Meyer.
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Sie stellten die Ergebnisse der Befragung vor: Wirtschaftsförderer York Schmelter (links) und Samtgemeindebürgermeister Detlef Meyer.

Wie zufrieden sind die Firmen der Samtgemeinde Grafschaft Hoya? Wo hakt es noch? Um Antworten darauf zu erhalten, hat die Samtgemeinde eine Befragung durchgeführt.

Samtgemeinde - Wie zufrieden sind die Unternehmer der Samtgemeinde Grafschaft Hoya eigentlich? Wie bewerten sie den Standort? In welchen Bereichen hakt es noch? Und wie steht die Kommune im Vergleich zu anderen dar? Um Antworten auf diese und weitere Fragen zu erhalten, gab die Samtgemeinde vergangenes Jahr eine Befragung bei der LQM Marktforschung aus Mainz in Auftrag, welche sie rund 10 000 Euro brutto kostete.

Nun liegen die Ergebnisse vor. „Zwar bekommen wir tagtäglich mit, was los ist, wir fühlen und erleben die Stimmung, aber das wollten wir auch einmal verschriftlicht haben, um zukünftige Maßnahmen darauf abstimmen zu können“, verrät Samtgemeindebürgermeister Detlef Meyer. „Wir können schließlich nur weiterkommen, wenn wir wissen, wo der Schuh drückt“, fügt Wirtschaftsförderer York Schmelter hinzu, der gemeinsam mit Detlef Meyer den Bericht der Kreiszeitung vorstellte.

Bei der Durchführung der Befragung habe man sich für einen neutralen Drittanbieter entschieden, um möglichst objektive Ergebnisse zu erhalten. Darüber hinaus sei die Wahl auf LQM gefallen, da das Unternehmen viele Befragungen im kommunalen Bereich durchführe und so die Möglichkeit gegeben sei, sich mit anderen Kommunen zu vergleichen. Allerdings gebe es darunter auch große Städte wie Mainz, Marburg und Mannheim, „die im Vergleich zur Samtgemeinde ganz andere Strukturen aufweisen“, so York Schmelter.

„Wir sind mit dem Gesamtfazit sehr zufrieden, vieles deckt sich bereits mit unserer Wahrnehmung. Die Ergebnisse haben uns gezeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind, aber auch dass wir noch Hausaufgaben zu erledigen haben“, meint der Wirtschaftsförderer. Besonders kritisch würden die befragten Unternehmen die Anbindung an den ÖPNV sowie die Geschwindigkeit der verfügbaren Breitbandanschlüsse sehen. „Mit letzterem Punkt haben wir gerechnet. Der Breitbandausbau ist seit zwei Jahren unser großes Sorgenkind, aber wir arbeiten bereits daran, sodass dies in den kommenden Jahren hoffentlich kein Thema mehr sein wird“, erklärt Detlef Meyer.

Punkten konnte die Samtgemeinde hingegen mit dem Angebot an Freizeitmöglichkeiten, dem Zugang zu Business-Netzwerken sowie dem Angebot an Gewerbeflächen. Darüber hinaus lobte ein Großteil der Firmen das Ganztagsschulangebot sowie die Kinderbetreuungsmöglichkeiten. „Im Vergleich zu Unternehmen aus anderen Kommunen wurden wir diesbezüglich überdurchschnittlich bewertet. Auch die Leistungen der Samtgemeinde lagen bei der Bewertung über dem Durchschnitt“, freut sich York Schmelter.

Auf Kritik sei jedoch das Standortimage sowie der Punkt Kundennähe gestoßen. „Letzterer könnte damit begründet werden, dass wir uns im ländlichen Raum befinden und beispielsweise keine Anbindung an eine Autobahn haben“, vermutet der Wirtschaftsförderer. Ein Standortimage zu beeinflussen, sei schwierig, so Meyer. „Was wir diesbezüglich verändern können, sind unsere Leistungen der Verwaltung, das Schaffen von attraktiven neuen Gewerbegebieten und -erweiterungen. Durch die Deichbaumaßnahmen konnten wir der Papierfabrik Smurfit Kappa beispielsweise Planungssicherheit geben, sodass diese kürzlich rund 50 Millionen Euro in den Standort investierte.“

Zusammengefasst: In puncto Gesamtzufriedenheit schnitt die Samtgemeinde gut ab. Ein Großteil sei mit dem Standort zufrieden.

Auch die Corona-Pandemie und deren Auswirkungen waren Bestandteil der Befragung. „Unsere Unternehmen sind diesbezüglich gut eingestellt“, sagt York Schmelter. Viele würden den Standort als stabil bewerten und erwarten sogar einen Aufwärtstrend. Die Krise wirke sich bei den meisten im Zuge eines Nachfragerückgangs aus. Positiv hingegen sei, dass es kaum Entlassungen gebe.

Besonders freut sich York Schmelter über die Aussagen bezüglich der Entwicklungen von Unternehmenskennzahlen: „Die Firmen rechnen trotz Corona mit einem gesteigerten Auftragsvolumen sowie steigenden Umsätzen in den nächsten ein bis zwei Jahren.“ Darüber hinaus würden sie davon ausgehen, dass auch der Flächenbedarf weiterhin ansteige. „Das spiegelt die derzeitige Situation wider, denn es gibt zahlreiche Bauanträge“, berichtet Samtgemeindebürgermeister Detlef Meyer.

In Bezug auf Zukunftsprozesse würden sich die Unternehmen vor allem mit der Digitalisierung beschäftigen. „Ein riesiger Schritt, der auch durch die Corona-Pandemie angestoßen wurde“, meint York Schmelter. Als eine der größten zukünftigen Herausforderungen betrachten die Befragten die Fachkräftegewinnung. „Das ist ein Problem im ländlichen Raum. Wir müssen die benötigten Kräfte in unsere Region locken.“

Als negative Pandemie-Auswirkungen nennen einige Unternehmen Umsatzeinbußen, Liquiditätsengpässe sowie die Umstellung der Betriebsabläufe. Andere wiederrum seien davon nicht betroffen, sondern würden diese Punkte stattdessen positiv betrachten. „Je nach Branche machen manche Unternehmen während der Pandemie sogar mehr Gewinne oder bevorzugen die Anpassung der Prozesse, wie beispielsweise die Arbeitsverlagerung ins Homeoffice“, so Schmelter. Als Chancen der Krise sehen die Firmen, dass ausgelagerte Produktionsschritte zurück ins Unternehmen geholt werden und dass wieder selbst ausgebildet werde. „Sie wollen sich nicht abhängig machen und wirken mit der Ausbildung im eigenen Betrieb dem Fachkräftemangel entgegen“, erläutert er.

Betrachtet man die gesamten Ergebnisse, gibt es eines, über das sich Samtgemeindebürgermeister Detlef Meyer besonders freut: die hohe Standortloyalität der Unternehmen. Denn ein Großteil von ihnen fühle sich der Samtgemeinde sehr verbunden. Insgesamt gebe es viele positive Rückmeldungen, die die bisherige Arbeit bestätigen würden, aber auch Punkte, an denen gearbeitet werden müsse. Und diese möchte die Samtgemeinde nun mithilfe der Auswertungen in Angriff nehmen. „Wenn wir in den kommenden Jahren noch einmal eine Befragung durchführen, können wir feststellen, ob wir die richtigen Strippen gezogen haben“, sagt Detlef Meyer.

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