Hoyaer fährt als Balljunge zu den German Open

Bennet Kemper – sein erstes Wort war Ball

+
Tennis ist Bennet Kempers Leidenschaft. Sein Idol ist der frisch gebackene Rekord-Wimbledon-Sieger Roger Federer.

Hoya/Hamburg - Von Vivian Krause. Alte Tennisbälle dienen als Griffe am Kleiderschrank, die Silhouette von Tennisprofi Roger Federer prangt auf einer Leinwand im Zimmer des 15-Jährigen, und sein erstes Wort war „Ball“: Bennet Kemper ist Tennisfan durch und durch. Er verfolgt nicht nur die Spiele der Profis im Fernsehen, seit etwa fünf Jahren spielt er auch selbst. Jetzt steht für den Hoyaer ein Highlight an, bei dem er nur zu den Bällen greifen wird, nicht aber zum Schläger: Bennet ist zum zweiten Mal Balljunge bei den German Open in Hamburg. Am Samstag geht es los.

Durch eine Ferienspaß-Aktion lernte Bennet den Sport kennen und hat danach schnell gezeigt, dass er talentiert ist. Der 15-Jährige trainierte zunächst beim Tennissportverein Hoya. Dieser ist mittlerweile mit dem Turn- und Sportverein (TuS) fusioniert. Jedoch fehlen die jugendlichen Spieler, bedauert Corinna Kemper, Mutter von Bennet und Jugendwartin der Tennissparte im TuS Hoya. Um das vor Ort fehlende Training mit Gleichaltrigen auszugleichen, nutzt Bennet jede Chance, bei Turnieren mitzuspielen. Dann geht es schon mal nach Bremen, Celle oder Hannover. „Es gibt in Hoya keine Möglichkeiten zur Förderung“, sagt seine Mutter, „die Wochenenden mit Turnieren sind für Bennet also die einzige Option zu üben.“ Zudem hat er einmal wöchentlich Training beim Turnklub Weser in Nienburg, gemeinsam mit zwei weiteren Jugendlichen.

Der Gymnasiast freut sich stets auf die Turnier-Wochenenden, auf die Herausforderung, gegen weitere Jugendliche zu spielen. „Die haben meist bis zu fünf Mal die Woche Training“, sagt der 15-Jährige, „daher ist es klar, dass sie besser sind.“

Bennet Kemper ist Balljunge bei den German Open in Hamburg (22. bis 30. Juli). In der im Bild gezeigten Position verharrt er, wenn er am Netz eingeteilt ist.

Doch Bennet kann mithalten, sagt seine Mutter. Und wenn er verliert, gehe er trotzdem grinsend vom Platz. „Selbst wenn ich nicht gewinnen kann, hole ich alles raus“, sagt Bennet. „Wenn ihm das keinen Spaß machen würde, würden wir in der Familie ihn auch nicht so unterstützen“, sagt seine Mutter. Sie fährt mit ihm zu den Wettkämpfen – und auch zu den German Open nach Hamburg. Deshalb bekommt Bennet zum Geburtstag auch mal Auto-Kilometer als Geschenk.

Derzeit spielt Bennet in der Leistungsklasse 17, bis Oktober könnte er aber die Klasse 14 erreichen. Dazu muss er gegen Leute einer höheren Klasse spielen – „und gewinnen“, fügt der Schüler hinzu. Als er mit elf Jahren mit dem Tennis begann, stieg er wie jeder Anfänger in der niedrigsten Klasse (23) ein.

„Bitte erfüllen Sie mir meinen größten Traum“

Schon ein Jahr später, mit zwölf, begann Bennet, sich für die Gerry Weber Open in Halle und die German Open in Hamburg als Ballkind zu bewerben. „Ich wünsche mir sehr, Balljunge bei Ihnen zu werden, da ich mich auch sehr gut mit den Regeln auskenne“, schrieb er in seinen Bewerbungen. Und weiter: „Bitte erfüllen Sie mir meinen größten Traum!“ Es klappte zunächst nicht – bis er im vergangenen Jahr die Zusage aus Hamburg erhielt.

Bennet kam 2016 einen Tag vor Turnierbeginn dort an, bekam T-Shirt, Hose, Jacke, Socken und Schuhe. „Die Sachen durfte ich behalten“, sagt der Schüler des Hoyaer Gymnasiums.

Nach einer Einführung übten die rund 45 Kinder das Zuwerfen des Tennisballs. „Mit der linken Hand müssen wir dem Spieler die Bälle zeigen, mit der rechten werfen wir einen Ball hin. Dabei darf der Ball nur einmal aufkommen“, sagt Bennet. Es geht vor allem um Schnelligkeit und Präzision. Da kommt es schon mal vor, dass ein Ballkind während des Spiels nicht schnell genug zum Ball läuft, das Handtuch für den Spieler auf der falschen Feldseite vergisst oder einen Werbeslogan an der Bande verdeckt. „Bei mir ist alles gut gegangen“, sagt Bennet. Das ist wohl auch ein Grund dafür, dass er dieses Jahr wieder in Hamburg dabei sein darf.

Mit 16 Jahren will er den Trainerschein machen

Für die Ballkinder geht es um 9 Uhr auf den Platz und gegen 21 Uhr wieder runter. „Wir sind die Letzten, die vom Platz gehen“, sagt Bennet. Zwei Ballkinder stehen am Netz und zudem je eins an jeder Ecke. Alle 60 Minuten wird das Team komplett ausgetauscht. „Die Pause braucht man dann auch“, sagt Bennet.

Auf den Plätzen können die Nachwuchsspieler auch einmal trainieren – im Wissen, dass darauf sonst die Profis spielen.

In diesem Jahr ist Bennet für die Plätze eins und zwei eingeteilt. Dort spielten unter anderem schon die Zverev-Brüder, Mischa und Alexander, im Doppel. „Vielleicht komme ich dieses Jahr auch auf den Center Court, den Hauptplatz“, hofft Bennet. Das entscheide sich aber erst vor Ort.

Der 15-Jährige lernt nicht nur schnell, er lehrt auch gerne. Er guckt sich Videos bei Youtube an und versucht, das Gesehene auf dem Platz nachzumachen. „Dabei habe ich mir viele Sachen von Roger Federer abgeguckt“, erzählt er. Schon jetzt bringt er Jüngeren etwas bei und half beispielsweise beim diesjährigen Tennis-Camp des Turnklubs Weser in Nienburg. Der nächste Schritt soll der Trainerschein werden. Den kann man ab 16 Jahren machen. Und Bennet denkt schon weiter. Nach dem Schulabschluss möchte er etwas im sportlichen Bereich lernen – vielleicht Tennistrainer in der Schweiz, der Heimat seines Idols Roger Federer, der im Hamburg leider nicht dabei ist.

www.german-open-hamburg.de

www.tus-hoya-weser.de/abteilungen/tennis

Quelle: kreiszeitung.de

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Politik

Amri-Ausschuss in NRW nimmt Rolle von V-Mann ins Visier

Amri-Ausschuss in NRW nimmt Rolle von V-Mann ins Visier
Geld

Das sind die zehn reichsten Menschen der Welt

Das sind die zehn reichsten Menschen der Welt
Reisen

Reise in die Breitachklamm in Oberstdorf

Reise in die Breitachklamm in Oberstdorf
Leben

Hunde aus dem Tierheim nach Hause bringen

Hunde aus dem Tierheim nach Hause bringen

Meistgelesene Artikel

67-jähriger Motorradfahrer stirbt bei Verkehrsunfall

67-jähriger Motorradfahrer stirbt bei Verkehrsunfall

Wahlplakat brannte in Nienburg

Wahlplakat brannte in Nienburg

Frau entdeckt gestohlenen Aufsitzmäher

Frau entdeckt gestohlenen Aufsitzmäher

Aufsitzmäher der Kirchengemeinde Rehburg-Loccum gestohlen

Aufsitzmäher der Kirchengemeinde Rehburg-Loccum gestohlen

Kommentare