Bernd Ohm erklärt Ursprung und Geschichte des Nachnamens „Meyer“

Vom „Vollmeier“ zum „Dreiviertelmeier“

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Rund 50 Zuhörer kamen zum Vortrag von Heimatforscher Bernd Ohm in die alte Schule in Magelsen.

Magelsen - Von Jana Wohlers. Ob mit „ey“, „ei“ oder „ai“: Der Nachname „Meyer“ ist in all seinen Variationen sehr bekannt. Mit dem Siebenmeierhof in Magelsen weiß so manch einer ebenfalls etwas anzufangen, doch wenn es um Dreiviertelmeierhöfe und das Meierrecht geht, sind selbst Geschichtsinteressierte oft überfragt. „Alles Meyer, oder was?“ lautete deshalb jetzt der Titel eines Vortrags des Historikers und Heimatfreundes Bernd Ohm.

Rund 50 Zuhörer, darunter Gemeindebürgermeister Johann Hustedt, lauschten und diskutierten interessiert in der alten Schule in Magelsen – die, wie Ohm erklärte, eigentlich nie als Schule gedacht war.

„Meyer, das ist wohl einer der zentralsten Begriffe der Heimatgeschichte“, eröffnete Bernd Ohm den Nachmittag. „Wer ihn verfolgt, der muss jedoch weit in die letzten Jahrhunderte zurückschauen.“ Schon mit der Expansion des römischen Reichs beginnt die Geschichte des „Meyers“: Der „maior villae“ verwaltete die „villa rustica“, wie bei den Römern der große Hofkomplex und das zugehörige Land genannt wurden. Schnell gesprochen lässt sich die Ähnlichkeit zu dem heutigen Namen „Meyer“ heraushören.

„Die ‚maior villae‘ waren – neben dem ‚villicus‘ – Verwalter der römischen Güter, während deren Inhaber in der Stadt siedelten“, erklärte Ohm. Die Verwendungs- und Rechtsformen des in der deutschen Volkssprache genutzten „maior“ fanden auch in der Zeit des fränkischen Königs Karl, der Große Verwendung. Die sogenannten „Siebenmeierhöfe“ dienten der Bewirtschaftung und Versorgung des Materni-Stifts in Bücken.

Zu den sieben ursprünglichen Meierhöfen in der Gemeinde – heute gibt es nur noch sechs – gehörten damals je etwa 20 Hufen. Als Hufe wurden Höfe von etwa sechs bis acht Hektar Größe bezeichnet. Bereits im Hochmittelalter wandelte sich die Bedeutung des „Meiers“: Er war nicht mehr Verwalter, sondern vielmehr Pächter seines Lands. Mit der Auflösung des Hufen-Verbands wurden die zahlreichen Hufen schließlich zusammengelegt, und neue Höfe konnten entstehen.

Aus diesem Vorgang entstanden die Bezeichnungen der Meierhöfe. Bestand ein Hof aus vier ehemaligen Hufen, galt er als „Vollmeierhof“. Gehörten drei Hufen zum Grundstück, sprach man von einem „Dreiviertelmeierhof“. Waren es zwei und ein Hufe, hießen die Höfe „Halbmeierhof“ oder „Viertelmeierhof“.

„Diese Hofklassen hatten tatsächlich bis ins 19. Jahrhundert Bestand“, sagte Ohm. 1863 befanden sich die Siebenmeier sprichwörtlich „im siebten Himmel“: „Ab diesem Zeitpunkt wurde durch eine Verfassungsänderung des Königreichs Hannover die Rittergutswürde käuflich.“

So wurden unter anderem die Siebenmeierhöfe in Magelsen, Wührden und Mehringen zu Rittersgütern erklärt, woraufhin entsprechende Baumaßnahmen vorgenommen wurden.

Die rund 50 Zuhörer lauschten interessiert, denn Bernd Ohm schaffte es, Geschichte dorthin zu bringen, wo sie passiert(e): direkt vor der eigenen Haustür.

Quelle: kreiszeitung.de

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