Sachverständiger bestätigt 22-Jährigem Verhandlungsunfähigkeit

Brutaler Überfall in Hoya: Beschuldigter bleibt in Psychiatrie

Der Angeklagte gibt im Prozess wegen versuchten Mordes an, Stimmen zu hören. Die Kammer des Landgerichts zweifelt an seiner Verhandlungsunfähigkeit. Foto: Wiebke Bruns

Hoya/Verden - Von Wiebke Bruns. Am Landgericht Verden startet am Freitag der Prozess gegen vier junge Männer, die im Mai 2019 in Hoya einen Mordversuch begangen haben sollen. Bereits Donnerstag musste sich ein weiterer mutmaßlicher Tatbeteiligter am Landgericht verantworten.

Dies jedoch vor einer anderen Kammer, weil die Staatsanwaltschaft Verden den 22-Jährigen aus Hoya wegen einer diagnostizierten „paranoiden Schizophrenie“ als „nicht ausschließbar schuldunfähig“ einstuft. Nach wenigen Stunden war das Verfahren jedoch beendet – aber nur vorläufig.

Es gilt im deutschen Strafrecht der Grundsatz: keine Strafe ohne Schuld. Wer beispielsweise wegen einer psychischen Erkrankung das Unrecht der Tat nicht erkennen oder nicht nach dieser Einsicht handeln konnte, gilt als schuldunfähig. Dann wird keine Anklage erhoben, sondern ein Antrag im Sicherungsverfahren gestellt, mit dem Ziel der Unterbringung des Beschuldigten in einem psychiatrischen Krankenhaus, wenn die Person weiterhin für die Allgemeinheit gefährlich ist. So sieht es die Staatsanwaltschaft in diesem konkreten Fall.

Hoya: "Wie ein Besessener immer wieder auf das Opfer eingestochen"

Der 22-Jährige, „der sich verfolgt fühlte und Stimmen hörte,stach mit einem Messer auf den Mann ein“, heißt es in der Antragsschrift zum Tatbeitrag des Angeklagten. Das Opfer habe es trotz der Stiche, Tritte und Schläge geschafft, aufzustehen und wegzulaufen. Einer der Angeklagten, die ab heute vor Gericht stehen, habe den 35-Jährigen aus Hoya jedoch wieder zu Boden gerissen. Über den als psychisch krank eingestuften Täter heißt es weiter: „Er stach in Tötungsabsicht wie ein Besessener immer wieder auf das Opfer ein, woraufhin das Blut nach Eröffnen der Hauptschlagader in alle Richtungen spritzte.“

Das Verhalten des 22-Jährigen nach der Tat, beispielsweise seine Flucht und seine Nachrichten an seinen Bruder, sah das Gericht als Hinweise, dass die Steuerungsfähigkeit nicht aufgehoben war. Der Angeklagte müsse sich nicht im Sicherungsverfahren, sondern im Strafprozess verantworten.

Doch die Beweisaufnahme konnte nicht starten, weil die Verteidigerin Daniela Post eine Überprüfung der Verhandlungsfähigkeit ihres Mandanten durch den anwesenden psychiatrischen Sachverständigen Dr. Christian Riedemann beantragte. Der Beschuldigte könne nicht adäquat auf Fragen reagieren. Ihr gegenüber habe der 22-Jährige gesagt, dass er aussagen will und zum Vorsitzenden wenige Minuten später, dass er nichts sagen werde.

Sicherungsverfahren startet am 8. Januar

Im Sicherungsverfahren hätte eine Verhandlungsunfähigkeit keine Rolle gespielt, einen Strafprozess bringt sie zum Scheitern. Nach einer Begutachtung des Angeklagten bestätigte der Sachverständige eine Verhandlungsunfähigkeit. Der Angeklagte habe ihm berichtet, „dass er akut eine weibliche Stimme hören würde, die ihm imperativ sagen würde, dass er nichts sagen soll“. Von der Verhandlungsunfähigkeit ließ sich die Kammer nur schwer überzeugen. Doch am Ende wurde aus diesem Grund das Verfahren eingestellt. 

Nun soll es doch als Sicherungsverfahren am 8. Januar neu starten. Gewonnen hat der 22-Jährige damit nichts. Er bleibt in der psychiatrischen Klinik Lüneburg. Sollte das Gericht dem neu zu stellenden Antrag im Sicherungsverfahren der Staatsanwaltschaft entsprechen, droht ihm eine unbefristete Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung und keine zeitlich begrenzte Strafe.

Quelle: kreiszeitung.de

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