Nienburger sei tickende Zeitbombe

Besitz von Kinderpornos: 61-Jähriger verurteilt

Nienburg - Von Wiebke Bruns - Ein 61 Jahre alter Angeklagter aus Nienburg muss wegen des Besitzes von kinder- und jugendpornografischen Dateien für zwei Jahre ins Gefängnis. Es ging um 929 Bilder und zwei Filme. Eine erschreckende Zahl, aber verhältnismäßig wenig im Vergleich zu anderen Verfahren. Bei dem 61-Jährigen fiel jedoch ins Gewicht, dass er früher schon mal wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern verurteilt worden war.

Die nun zu verbüßende Haftstrafe wurde im August vergangenen Jahres vom Amtsgericht Nienburg verhängt. Der Angeklagte hatte das Urteil anfechten wollen, doch in der Berufungsverhandlung am Landgericht Verden nahm er nach ebenso erfolglosen wie abstoßenden Erklärungsversuchen sein Rechtsmittel zurück.

Er habe lediglich Pornoseiten im Internet angeklickt, aber keine Bilder heruntergeladen, behauptete der 61-Jährige zunächst. Mit Computern kenne er sich schließlich nicht so aus. „Vom reinen Anklicken landen solche Bilder nicht auf ihrem Computer“, konterte der Vorsitzende Richter Joachim Lotz.

Kinderpornografie: Nienburger bestreitet Schuld

„Ich bin dann über so eine Seite gestolpert“, druckste der Angeklagte rum. Er habe mal etwas anderes als die „üblichen Pornos“ gesucht. „Die normalen Pornoseiten sind immer ein und dasselbe.“ Dann habe er nach „jungen Models“ und „jungen Mädchen“ gesucht und sei so bei den von Staatsanwaltschaft und Gericht eindeutig als kinder- und jugendpornografisch eingestuften Bildern und Filmen gelandet. Aber das Gezeigte sei nicht so anregend gewesen, wie er es sich vorgestellt habe, denn „wirklich was sehen konnte man da nicht“.

Nicht nur der Vorsitzende wirkte fassungslos, sondern auch die Staatsanwältin. „Haben Sie sich mal Gedanken gemacht, dass die Kinder das nicht freiwillig machen?“, hielt Staatsanwältin Silvia Lühning entgegen. Der Gedanke sei ihm auch gekommen. „Irgendwann ist mir aufgefallen, dass deren Gesichter, naja, desinteressiert sind, und dass sie teilweise blaue Flecken an den Körpern haben“, erklärte der mehrfache Vater.

Frau wusste nichts

Seine Frau sei nie da gewesen, wenn er auf Porno-Suche war. „Die hätte mir die Ohren lang gezogen.“ Und mittlerweile habe er auch selbst erkannt, dass bei ihm „irgendwas im Argen liegt“. Statt nach Pornos will er dann nach einem Therapieplatz gesucht haben, jedoch ohne Erfolg.

Derzeit habe er Computerzugang nur in Anwesenheit seiner Frau, aber der Reiz sei ihm auch vergangen. Als „dumme Neugierde“ wollte er alles abtun, doch das reichte Gericht und Staatsanwältin nicht.

„Sie sind eine tickende Zeitbombe“, so die Staatsanwältin unter Hinweis auf einen Strafbefehl aus 2016. Inhaltlich wurde dieser nicht näher erörtert, aber der 61-Jährige zeigte nach einer Beratung mit seinem Verteidiger insoweit Einsicht, dass er seine Berufung zurückgenommen hat.

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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