Corona-Auswirkungen

Schwieriges Ende: So verändert die Pandemie die Arbeit der Bestatter und Trauerrituale

Urnen und Särge gibt es genug: Berichte über eine Knappheit kann Bestatterin Carorin Schierloh (im Bild links unten mit ihrem Vater Klaus Schierloh und dessen Ehefrau Elke) nicht bestätigen.
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Urnen und Särge gibt es genug: Berichte über eine Knappheit kann Bestatterin Carorin Schierloh (im Bild links unten mit ihrem Vater Klaus Schierloh und dessen Ehefrau Elke) nicht bestätigen.

Hoya – Erdbestattung? Seebestattung? Sarg, Urne oder vielleicht doch ein Schmuckstück? Carolin Schierloh befasst sich von Berufs wegen mit Fragen zum Ende. Wenn ein Mensch stirbt, rufen die Angehörigen bei ihr an. Zusammen mit ihrem Vater Klaus Schierloh und dessen Ehefrau Elke betreibt die 30-Jährige ein Bestattungsinstitut in Hoya. Sie arbeitet gerne in dem Familienbetrieb, weil sie das Gefühl hat, den Menschen zu helfen. Doch durch die Corona-Pandemie ist ihr Job ziemlich kompliziert geworden.

  • Carlon Schierloh arbeitet als Bestatterin im Bestattungsinstitut in Hoya.
  • Sie arbeitet gern in dem Familienbetrieb, weil sie das Gefühl hat, den Menschen zu helfen.
  • Doch durch die Corona-Pandemie ist ihre Arbeit als Bestatterin ziemlich kompliziert geworden.

Schuld daran sind nicht etwa die zahllosen Opfer des Virus, die sich im Kühlraum stapeln. Denn die gibt es bei Schierloh in Hoya gar nicht. Einen einzigen Corona-Toten hat das Unternehmen bislang beigesetzt. Das war in ihrer Niederlassung in Etelsen (Landkreis Verden), sagt die Bestatterin.

Probleme machen ihr die mit der Pandemie verbundenen Auflagen. Der Mund-Nasen-Schutz erschwert die Gespräche mit den Angehörigen. Und zwar für beide Seiten. Wenn Carolin Schierloh die Familie eines Toten zu Hause besucht oder in ihrem Betrieb empfängt, muss sie lernen, ihre Gegenüber auf Distanz und ohne Mimik zu lesen. Ein Patentrezept dafür gibt es nicht. „Jeder geht anders mit dem Tod um“, sagt die Bestatterin. Manche werden ganz ruhig und ziehen sich ins sich zurück. Andere können ihre Hände und Füße nicht stillhalten.

Es braucht Aufmerksamkeit, diese Signale zu erkennen, richtig zu deuten und darauf angemessen zu reagieren. Und da steht Carolin Schierloh vor dem nächsten Problem: Sie möchte ihre Anteilnahme zum Ausdruck bringen ohne das Abstandsgebot zu unterschreiten. Mitgefühl zeigen hinter einer Maske. „Wir arbeiten viel mit Emotionen“, sagt die 30-Jährige. „Da möchten wir uns auch gerne mal zeigen.“ Aber das geht derzeit nicht.

Maskenpflicht verhindert das Zeigen von Emotionen - Bestatter kommunizieren mit Kunden via Telefon

Gespräche per Video könnten das Problem lösen, wenigstens theoretisch. Die nötige Technik steht beim Bestatter bereit. „Aber im Grunde wird das gar nicht genutzt“, sagt Carolin Schierloh. Die Kunden ziehen das persönliche Gespräch vor. Während der Pandemie laufen aber auch viele kleinere Absprachen zwischen Bestatter und Kunden per Telefon oder E-Mail.

Einen Sargmangel kann Schierloh nicht bestätigen

Am schwierigsten ist nach Carolin Schierlohs Erfahrungen in Corona-Zeiten die Trauerfeier selbst. Dass maximal 25 Personen zur Beisetzung kommen dürfen, wollen viele nicht verstehen. „Für die Angehörigen gibt es in diesem Moment kein Corona“, sagt die Bestatterin. Indiesem Moment gibt es nur die Trauer.

Auch wenn die 30-Jährige es als ihre Aufgabe sieht, den Angehörigen so viel Arbeit wie möglich abzunehmen – Behördengänge, Organisatorisches rund um die Beisetzung, Blumenschmuck an Grab und in der Kirche oder das Gestalten und Verschicken der Todesanzeige: Die Entscheidung, welche Familienangehörige und Freunde sich persönlich von dem Toten verabschieden können und welche nicht, kann Carolin Schierloh nicht treffen.

Trauerfeiern nur mit geringer Personenanzahl möglich - die Alternative: das Aufzeichnen der Beerdigung

„Wir dürfen nicht in die Anzeige reinschreiben, wann die Trauerfeier stattfinden soll“, sagt Schierloh. So verhindert der Gesetzgeber, dass Freunde und Vereine auf einmal doch mit am Grab stehen.

Die Mitglieder des Bestattungsinstituts in Hoya.

„Neulich hat ein Kegelclub angerufen und gefragt: ,Was können wir jetzt tun?‘“, erzählt die Bestatterin. Ihr Rat: „Bestellen Sie Blumen, die nehmen wir dann mit ans Grab.“ Demnächst soll es außerdem die Möglichkeit geben, die Beerdigung auf Video aufzuzeichnen. Wer nicht mit auf den Friedhof durfte, kann die Beisetzung dann zu Hause erleben.

Medienberichte über Sargmangel kann Carolin Schierloh übrigens nicht bestätigen. Auch die Preise für Särge und Urnen hätten sich in den vergangenen Monaten nicht wirklich verändert. Zu Beginn der Pandemie sei das noch ein großes Thema gewesen. „Die Bestatter wussten nicht, was auf sie zu kommt.“ Es hätten auch einige Lieferanten angerufen und gefragt, ob sie nicht ihr Lager aufstocken wollten, sagt Schierloh.

Schwierig zu bekommen seien zum Teil Hygieneartikel, also Handschuhe, Masken oder Desinfektionsmittel. In diesem Segment hätten sich die Preise nahezu verdoppelt.

Von Felix Gutschmidt

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