Betagte BHKW-Motoren im Nienburger Klärwerk waren Thema im Bauausschuss

Inspektionsrhythmus längst verlassen

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Noch laufen sie: Die BHKW-Motoren haben mittlerweile 100 000 Betriebsstunden auf dem Buckel.

Zugegeben, der Vergleich hinkt etwas. Beeindruckend ist er dennoch: Die Laufzeit der betagten BHKW-Motoren in Nienburgs Kläranlage von etwa 100 000 Betriebsstunden vergleicht Henning Lackmann, Leiter des Fachbereichs Technische Betriebe, mit einer Pkw-Laufleistung von rund sechs Millionen Kilometern.

Das entspricht 150 Erdumrundungen. Eine imposante Zahl, selbst unter Berücksichtigung, dass die Aggregate bei konstanter und geringer Drehzahl verschleißarm arbeiten.

Der Austausch der arg beanspruchten Aggregate stand am Donnerstagabend auf der Tagesordnung des Bauausschusses. „Wir sind mittlerweile weit über den Inspektionsrhythmus hinaus“, verdeutlichte Lackmann dem Gremium nachdrücklich Handlungsbedarf. Normalerweise betrage die Gesamtlaufleistung solcher BHKW-Anlagen 60 000 Betriebstunden.

Anhand einer vom Ingenenieurbüro „iNeg“ aus Bad Iburg erstellten Machbarkeitsstudie stellte der Fachbereichsleiter die Investitionskosten von rund 700 000 Euro für zwei neue Aggregate einschließlich einer zusätzlichen Kühlung und einer Gasaufbereitungsanlage den entsprechenden Einsparungen gegenüber. Die sind mit 172 000 Euro im Jahr immens: Bereits nach vier Jahren hätten sich die neuen Maschinen amortisiert.

Sollte die Stadt die Aggregate vom Netz nehmen müssen, ohne Ersatz zu haben, geht ihr viel Geld durch die Lappen. Insgesamt produziert die Anlage nämlich 1,5 Millionen KWh Strom, von denen 1,3 Millionen als Eigenbedarf verwendet werden. Geld verliere die Stadt auch, wenn sie nicht schnell handele, erklärte Lackmann. Sollten die Motoren erst im kommenden Jahr oder später ersetzt werden, falle für Nienburg eine Umlage aufgrund einer kürzlich erfolgten Gesetzesänderung von netto rund 15 000 Euro im Jahr an. „Geld, das wir sparen können, wenn wir sofort starten“, drückte Lackmann aufs Gas. Sportlich werde die Umsetzung in der kurzen Zeit auf jeden Fall.

Die Einsparungen sind dabei nicht das einzige Argument: Die Stromerzeugung ist ein Paradebeispiel für nachhaltig erzeugte Energie. Angetrieben werden die Motoren direkt mit dem Faulgas aus der Kläranlage. Mit der Abwärme der BHKW-Anlage werden zudem die Sozialräume des Klärwerkes sowie Nordertorschule einschließlich deren Sporthallen beheizt.

Kein Wunder, dass insbesondere der Grünen-Fraktionschef Peter Schmithüsen das Projekt ausgiebig begrüßt und ökologisch für sinnvoll hält. Zweifel äußerte im Ausschuss dagegen Rainer Mandt. „Die Zahlen sind mir zu vage. Ich habe Angst, dass hinter der Kostenschätzung von 700 000 Euro am Ende 1,2 Millionen stecken“, kritisierte der Sozialdemokrat. Selbst bei einer solchen Kostenüberschreitung würde sich die Investition über die reguläre Laufzeit von zehn Jahren amortisieren, entgegnete Christdemokrat Viktor Jahn.

Lackmann versicherte zudem, dass die Kostenschätzung sehr genau sei, da es sich um eine technische Anlage handele. Die Zahlen und Argumente des Fachbereichsleiters überzeugten die Gremienmitglieder – mit Ausnahme der Sozialdemokraten. Rainer Mandt stimmte dagegen, Dieter Klötzing und Hartmut Waschke enthielten sich. Am Montag berät der Verwaltungsausschuss zu dem Thema, bevor der Stadtrat am 28. Februar die endgültige Entscheidung trifft.

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