„Beten braucht keinen Altar, das geht auch im Auto“

Wiebke Wedemeyer kandidiert für den Kirchenvorstand der Eystruper Gemeinde

Wiebke Wedemeyer ist Mitglied im Kirchenvorstand der Gemeinde Eystrup – und hat sich für die morgige Wahl erneut als Kandidatin aufstellen lassen.

Eystrup - Von Vivian Krause. Vor etwa sieben Jahren wurde sie im Alter von 33 Jahren in der evangelischen Kirche in Eystrup getauft, seit sechs Jahren ist sie Mitglied im Kirchenvorstand in Eystrup, jetzt kandidiert sie erneut für das Amt: Wiebke Wedemeyer aus Mahlen. Stellvertretend für alle Gemeindemitglieder, die in der Samtgemeinde für den Kirchenvorstand kandidieren, stellen wir die zweifache Mutter an dieser Stelle vor.

„Ich habe irgendwie schon alles gemacht“, sagt Wiebke Wedemeyer und lacht. Dabei funkelt ein kleines Piercing in ihrer Unterlippe. Die gelernte Zahnarzthelferin arbeitete in diesem Job rund 20 Jahre, danach machte sie das „alles“, von dem sie spricht, verkaufte unter anderem Filzarbeiten. Jetzt ist sie Schulbegleiterin an der Grundschule in Eystrup. Sie betreut dort ein sehbehindertes Kind. Selbst ist sie Mutter zweier Kinder. Hanka (10) und Gordon (13) leben gemeinsam mit Wiebke Wedemeyer und ihrem Mann Heiko in Mahlen. Dorthin zogen sie vor 13 Jahren. Aufgewachsen ist sie in Nienburg.

„Ich bin meist eher im Hintergrund tätig“, sagt die 40-Jährige, wenn man sie auf ihre Aufgaben im Kirchenvorstand anspricht. „Erst einmal bin ich zurückhaltend“, beschreibt sich die 40-Jährige. „Dann sehe ich weiter.“ Das mag man kaum glauben, fällt sie mit ihrem Äußeren sicher vielen auf – so auch einigen Gemeindemitgliedern, die Wiebke Wedemeyer regelmäßig zum Gottesdienst begrüßt hat. „Besonders am Anfang habe ich das gemerkt“, erinnert sich die 40-Jährige. Der Blick fiel dabei bestimmt auf ihren Nasenring und auf das Tattoo am rechten Unterarm, das zu sehen ist, wenn Wiebke Wedemeyer etwas Kurzärmliges trägt. Beim Pressetermin ist es verdeckt. Sie sitzt mit einem schwarzen Wollpulli im Sessel eines Cafés. Darüber trägt sie einen grau-melierten Cardigan. Ins Auge fallen ihr roter Wollschal und ihr freundliches Lächeln.

Nicht der Standard-Kirchenvorsteher

Vor mehr als sechs Jahren sprach Ursel Bergmann-Kramer sie an. „Könntest du dir vorstellen, in den Kirchenvorstand zu gehen?“ Das konnte sie. Direkt gewählt wurde sie zwar nicht, aber die Gewählten beriefen sie in den Vorstand. Zu dem Zeitpunkt hatte die zweifache Mutter noch Rastazöpfe, an diesem Tag trägt sie ihre Haare zu einem Zopf geflochten, der auf ihrer rechten Schulter liegt. Die Haare auf der linken Seite des Kopfes sind auf wenige Zentimeter abrasiert. Ein Undercut. „Mal sind die Haare rot, mal blond, ich experimentiere gerne“, sagt Wiebke Wedemeyer. Sie sei nicht der Standard-Kirchenvorsteher, sondern eher eine ausgefallene Person.

Anders als ihre Piercings sticht das Make-up einem nicht sofort ins Auge. Wiebke Wedemeyer ist dezent geschminkt, trägt rosafarbenen Lidschatten und eine Hornbrille.

Ihre Frisur wechselt Wiebke Wedemeyer bis heute gerne, in puncto Religion hat sie sich vor sieben Jahren festgelegt. Dann ließ sie sich am 29. September 2011 taufen. Gemeinsam mit ihren Kindern. „Mein Mann ist schon als Kind getauft worden“, sagt Wiebke Wedemeyer. „Meine Eltern haben mir das selber überlassen.“

Getauft wurden die Drei in einem Abendgottesdienst am Michaelistag. „Meine Tochter fand das alles nicht so toll“, erinnert sich Wiebke Wedemeyer. „Es war dunkel, und dann stand da ein Mann mit tiefer Stimme und einem Kleid“, fährt sie fort und scheint in Gedanken wieder am Tag ihrer Taufe zu sein.

In der evangelischen Kirche sieht die Kandidatin mehr als nur den Glauben. „Wenn man nicht allein sein möchte, findet man in der Gemeinde immer Hilfe“, sagt sie. Und fügt an: „Ich mag das Miteinander gerne.“

In den vergangenen sechs Jahren im Kirchenvorstand habe die zweifache Mutter viel dazugelernt, tolle Menschen kennengelernt, miterlebt, wie die drei Kirchengemeinden Haßbergen, Hassel und Eystrup zusammengewachsen sind und etliche besondere Veranstaltungen begleitet – beispielhaft nennt Wiebke Wedemeyer das Friedhofsfest, Mühlengottesdienste, Waldgottesdienste, Weltgebetstage, die Sommerkirche. „Das zeigt, dass man auch außerhalb des Kirchengebäudes Gottesdienste feiern kann“, sagt Wiebke Wedemeyer. „Kirche findet überall statt.“ Der 40-Jährigen sind die sonntäglichen Gottesdienste dennoch wichtig. „Diese eine Stunde gehört mir. Das ist meine Zeit.“ Doch zum Beten brauche sie keinen Altar. „Das geht auch im Auto“, sagt sie lächelnd.

Der Kirchenvorstand bestehe immer aus einer Reihe unterschiedlicher Leute unterschiedlicher Generationen und mit unterschiedlichem Charakter – mal Landwirte, mal Busfahrer, mal Rentner und mal eine Schulbegleiterin und Mutter wie Wiebke Wedemeyer, die selbst von sich sagt, sie habe ein Helfersyndrom.

Die evangelischen Kirchengemeinden wählen morgen ihre neuen Vorstände.

Quelle: kreiszeitung.de

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