Staatsanwältin fordert fünf Jahre Haft

„Das Blut floss aus dem Hals“

Verden/Nienburg - Von Wiebke Bruns. „Wer mit Wucht jemandem eine abgebrochene Flasche in den Hals schlägt, der nimmt in Kauf, den Angegriffenen zu töten“, argumentierte Rechtsanwalt Carsten Sonntag, Anwalt des Opfers, gestern in seinem Plädoyer. 

Genauso wie die Erste Staatsanwältin Dr. Annette Marquardt forderte er in dem Verdener Landgerichtsprozess um eine Blutttat am Rolle-See in Nienburg fünf Jahre Jugendstrafe wegen versuchten Totschlags. Verteidiger Olaf Pehl beantragte einen Freispruch. Sein Mandant bestreitet die Tat.

Der zum Tatzeitpunkt vermutlich 18 Jahre alte Angeklagte benannte in dem Prozess einen Bekannten als Täter. Dieser sei am Vatertag 2017 mit ihm und einer Gruppe weiterer Personen am Rolle-See gewesen. Für die Staatsanwältin war die Reaktion des Bekannten auf diese Information im Prozess eindeutig. „Er riss die Augen auf und sagte, das hat der Angeklagte gesagt.“ Der Zeuge sei „fassungslos“ gewesen. Doch dies ist längst nicht der einzige Grund, warum sie von der Schuld des Angeklagten überzeugt ist.

Das 21 Jahre alte Opfer habe gleich nach der Tat ausgesagt, dass es den Täter wiedererkennen werde und einen auffälligen Irokesen-Schnitt beschrieben. Was damals gepasst habe. 

Hals sei regelrecht aufgeklappt

Eine 14-Jährige, die im Gegensatz zu anderen Zeugen am Tattag nüchtern gewesen sei, will den Angeklagten an einem auffälligen „Cut“ an der Augenbraue wiedererkannt haben. Sie habe beobachtet, wie der Angeklagte zwei Flaschen zusammen- und so die Flaschenhälse abgeschlagen habe. Auf Fotos soll der Angeklagte mit einer abgebrochenen Flasche zu sehen sein.

Mit einem Flaschenhals wurde dem Opfer in den Hals gestochen. „Wir haben schon viele Bilder beim Schwurgericht gesehen, aber so etwas Fieses noch nicht“, sagte die für Kapitalverbrechen zuständige Staatsanwältin. Der Hals sei regelrecht aufgeklappt gewesen und das Blut herausgeschossen. Marquardt bezeichnete es als Zufall, dass der Nienburger überlebt hat. „In den Hals hineinzustechen, ist extrem gefährlich. Das weiß jeder Mensch“, betonte die Juristin.

Zweifel an Glaubwürdigkeit

Unabhängig von der Tat ist fraglich, was man dem Angeklagten überhaupt glauben kann. Beim Alter soll er falsche Angaben gemacht haben, weshalb extra ein Gutachten erstellt wurde. Die Umstände der Flucht schilderte er gegenüber dem Jugendamt und später dem psychiatrischen Sachverständigen unterschiedlich. Geglaubt wird ihm, dass er aus Afghanistan stammt, und es wird davon ausgegangen, dass er zum Tatzeitpunkt 18 Jahre alt war. Im Januar 2016 ist er eingereist und wohnte zeitweise in Hoyerhagen.

Beim Strafmaß seien auch „die Brutalität und die Gefährlichkeit zu berücksichtigen“, betonte Marquardt. Außerdem die Folgen für das Opfer, das noch Schmerzen habe und in bestimmten Situationen Angstzustände. Das Urteil soll am 19. Dezember verkündet werden.

Quelle: kreiszeitung.de

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa-avis

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Politik

Saudi-Arabien nach Erklärung zu Tod Khashoggis unter Druck

Saudi-Arabien nach Erklärung zu Tod Khashoggis unter Druck
Boulevard

Schwangere Meghan kürzt Programm ihrer Pazifikreise

Schwangere Meghan kürzt Programm ihrer Pazifikreise
Fußball

Köln auch ohne Sieg weiter vorn: Union und HSV torlos

Köln auch ohne Sieg weiter vorn: Union und HSV torlos
Politik

Gewalt und Chaos bei Parlamentswahl in Afghanistan

Gewalt und Chaos bei Parlamentswahl in Afghanistan

Meistgelesene Artikel

Neues Verfahren  bei Lungenerkrankung in Helios Kliniken erfolgreich

Neues Verfahren  bei Lungenerkrankung in Helios Kliniken erfolgreich

Mord statt Totschlag

Mord statt Totschlag

Keine Realschule in Langendamm

Keine Realschule in Langendamm

Nienburg: B6 für einen Tag gesperrt

Nienburg: B6 für einen Tag gesperrt

Kommentare