Neue Folge: Einwanderer haben ihre Traditionen angepasst

Brasilianerin blickt auf Nienburg: Mein Deutschland in Brasilien

Im Jahr 2008 hat Leila Endruweit den deutschen Verein in ihrer Heimat Ijuí als "Embaixatriz" repräsentiert.

Nienburg - Von Leila Endruweit. Meine Heimatstadt Ijuí und Nienburg sind seit 1996 Partnerstädte. In Ijuí ist der Hauptsitz von Deula Brasilien und sie ist auch eine Stadt mit starker deutscher Einwanderung. Die deutsche Einwanderung in Brasilien begann 1824 und vermehrte nach dem Ende des Ersten Weltkriegs, als meine Familie Endruweit von Neumünster (Deutschland) nach Ijuí zog.

Die überwiegende Mehrheit der deutschen Einwanderer kam nie nach Deutschland zurück, wie mein Großvater. Von ihrem Heimatland isoliert pflegten sie ihre Traditionen so gut sie konnten und passten sie an die brasilianische Realität an. Zum Beispiel: Mein Vater sprach nur Deutsch, bis zur Schule ging.

Eines der deutschesten Dinge für Brasilianer existiert in Deutschland in dieser Form gar nicht. Das ist Cuca, der Streuselkuchen ähnelt, aber anders gefüllt ist. Etwa Schokolade, Ananas, Bananen oder irgendeine andere Frucht kann dort drin stecken. Außerdem ist Cuca viel süßer als die Deutsche Variante. Das ist ein traditionelles Rezept deutscher Einwanderer.

Die Volksmusik wurde ebenfalls angepasst und wird heutzutage „Bandinha“ genannt. Diese Lieder werden auf Portugiesisch gesungen, aber manchmal haben sie einige deutsche Sätze, wie „Jetzt geht’s los“.

Es ist diese Art von Musik, die in den deutschen Festen in Südbrasilien gespielt wird. Wenn Sie den Rhythmus wissen wollen, empfehle ich im Internet nach Banda Cavalinho, Super Banda Choppao, Musical JM e Danúbio Azul zu suchen. Bei diesen Festen, die wir „Baile“ oder „Bailão“ nennen, trinken die Menschen viel „Chope” (Fassbier). In Süddbrasilien sind Nachnamen wie Müller, Schneider und Schmidt häufig.

Immer im Oktober gibt es ein großes Fest im deutschen Haus in Ijuí.

Überall in Südbrasilien gibt es Vereine, die die Traditionen deutscher Einwanderer pflegen. Seit ich ein Baby war, besuche ich das „Centro Cultural 25 de Julho Ijuí” (Kulturzentrum 25. Juli Ijuí), das dieser Name trägt, weil es das Datum ist, als die ersten Deutschen 1824 in Brasilien ankamen.

Dieser Verein wurde 1987 gegründet und sein Hauptsitz ist ein großes Fachwerkhaus, in dem deutsches Essen bedient wird, zum Bespiel Eisbein und Sauerkraut. Mein Vater und mein Onkel sind in der Direktion des Kulturzentrums seit den 1990er Jahren.

Neun Jahre lang habe ich an deutschen Tanzgruppen teilgenommen, die Enzian und Sonnenstrahl heißen. Ich habe an einer evangelischen Schule gelernt und hatte Deutschunterricht. Ich habe Ostereier bemalt, Weihnachtsbäume geschmückt und Weihnachtsplätzchen gebacken. Als Erwachsener war ich „Embaixatriz” von Deutschland beim Hauptfest meiner Stadt – Expoijui/Fenadi. Ich war also so etwas wie die Spargelkönigin für Nienburg.

All diese Beispiele zeigen: Der deutsche Einfluss in Ijuí ist stark. Wenn Sie als Brasilien nur Rio de Janeiro, Bahia oder São Paulo betrachten, werden sie diese Lebensweise nur selten finden. Aber in Südbrasilien werden Sie mehrere Stücke von Deutschland wiedererkennen.

Blickpunkt-Praktikantin aus Brasilien

Leila Endruweit ist eine brasilianische Journalistin, die durch eine Kooperation mit der Deula beim Blickpunkt ein zweimonatiges Praktikum absolviert. Während dieser Zeit erkundet sie Nienburg und die Region. Über ihre Entdeckungen und Unterschiede zu ihrer Heimat schreibt sie in dieser Kolumne.

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