Serie: Brasilianerin blickt auf Nienburg

In Brasilien ist es schwierig, einen Tannenbaum am Leben zu erhalten

Leila Endruweit, ihren Eltern und ihr Neffe haben den falschen Schneefall an Weihnachten in Ijuí genossen.

Nienburg - Von Leila Endruweit. Die amerikanischen und europäischen Weihnachtsfilme, mit viel Schnee und Kälte, machten nie für mich Sinn, weil ich in Brasilien lebe, wo an Weihnachten das Thermometer auf 30 Grad oder mehr klettert. Als ich ein Kind war, war der einzige Schnee, den ich an Weihnachten hatte, die Wattebällchen, die meine Mutter auf den Weihnachtsbaum legte, um die Schneeflocken zu simulieren.

Da mein Großvater väterlicherseits in Deutschland geboren ist und meine Großmutter väterlicherseits eine Enkelin von deutsche Einwanderern war, hat meine Familie immer einige deutsche Traditionen gepflegt, wie einen natürlichen Weihnachtsbaum zu schmücken. 

Als ich ein Kind war, hat meinen Vater immer eine große Tanne in der Nachbarschaft abgeholt. Aber es war keine leichte Aufgabe, in der brasilianischen Dezember-Hitze einen Tannenbaum in einem Topf am Leben zu erhalten. Es war notwendig, immer viele Eiswürfel zu legen.

In meiner Heimatstadt – Ijuí –, hingen vor ein paar Jahren auf dem Hauptplatz der Stadt zwei Maschinen an Bäumen, die Schnee mit Spülmittel simulierten. Außerdem sitzt der Weihnachtsmann in einem kleinen klimatisierten Haus – ansonsten würde er es in dem roten Mantel nicht aushalten.

Leilas Familie hat – wie in Europa üblich – einen natürlicher Weihnachtsbaum geschmückt

In Südbrasilien sind die Jahreszeiten definiert: Blumen im Frühling, Hitze im Sommer, fallende Blätter im Herbst und Kälte im Winter. Im Winter erreicht oft das Thermometer negative Temperaturen. Trotzdem schneit es selten, weil die klimatischen Bedingungen nicht dazu neigen.

Der Unterschied zwischen unseren beiden Ländern ist, dass in Brasilien es nicht viele kalte Tage im Jahr gibt. Deshalb sind die Häuser nicht auf niedrige Temperaturen vorbereitet – sie haben keine Heizungen, aber Kamine werden schon populär und Kohleherde werden noch verwendet. An sehr kalten Tagen es ist normal, tragbare elektrische Heizgeräte zu benutzen und mit zwei oder drei Decken zu schlafen. In Brasilien ist jedoch fast jedes Haus auf die Hitze vorbereitet, mit Ventilatoren und Klimaanlagen, was hier in Deutschland nicht passiert.

Also an Weihnachten, während Sie vor dem Kamin sind, warte ich auf den Weihnachtsmann mit einem Eis. Wenn er Brasilianer wäre, müsste er Shorts tragen und seine Mütze wegschließen.

Blickpunkt-Praktikantin aus Brasilien

Leila Endruweit ist eine brasilianische Journalistin, die durch eine Kooperation mit der Deula beim Blickpunkt ein zweimonatiges Praktikum absolviert. Während dieser Zeit erkundet sie Nienburg und die Region. Über ihre Entdeckungen und Unterschiede zu ihrer Heimat schreibt sie in dieser Kolumne

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