„Schwarzfall“

Brokeloh: Feuerwehr probt den Ausfall kritischer Infrastruktur

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Große Freude herrschte bei den Einsatzkräften, als sie im Nachgang der Übung ein neues Notstromaggregat in Dienst stellen durften.

Brokeloh - Von Nils Raake. Strom kommt aus der Steckdose und Wasser kommt aus dem Hahn – ein Satz, der die Selbstverständlichkeit verbildlicht, mit der die Zivilgesellschaften der westlichen Welt in ihrer Infrastruktur leben.

Was passiert jedoch, wenn die Systeme ausfallen, die zur wesentlichen Erhaltung unserer gesellschaftlichen Funktionen beitragen? Am Beispiel der Schneekatastrophe von 2005 im Münsterland, die einzelne Ortschaften für mehrere Tage vom Stromnetz trennte, befassten sich die beiden Brokeloher Wolfgang Flamme und Udo Friedmann intensiv mit dieser Thematik. Sie nahmen es zum Anlass, um eine Alarmübung für ihre Ortsfeuerwehr zu konzipieren, die alle Einsatzkräfte mit völlig neuen Herausforderungen konfrontierte.

Am Freitagabend lösten die digitalen Meldeempfänger der Ortsfeuerwehr Brokeloh um 19.31 Uhr aus. Aufgrund eines Stromausfalls im Ortsbereich sollten die Einsatzkräfte das Feuerwehrgerätehaus besetzen. Die Sirene blieb, wie im Falle eines realen Stromausfalles, an diesem Abend stumm. Bereits auf der Anfahrt zum Feuerwehrgerätehaus bemerkten die Kameraden die ausgefallene Straßenbeleuchtung im Bereich der Hauptstraße und des Brokeloher Barkhofes. Auch die Stromversorgung des Feuerwehrgerätehauses hatten die Übungsinitiatoren im Vorfeld unterbunden.

Da die Übungsleitung einen Ausfall der Pumpenwerke ankündigte, legten die Brandbekämpfer Wasservorräte an.

Niemand der anrückenden Einsatzkräfte ahnte zunächst, dass es sich um eine Alarmübung handelte. Besonnen begannen die Feuerwehrleute zunächst, sich in einem provisorisch mit Handscheinwerfern beleuchteten Nebenraum zu sammeln und weitere Informationen der Rettungsleitstelle abzuwarten. Die Übungsleitung ließ schnell ein konkreteres Bild zur Lage verlauten: Aufgrund eines großflächigen Ausfalls waren weite Teile des Ortsbereiches sowie die öffentliche Straßenbeleuchtung vom Stromnetz getrennt. Das Feuerwehrgerätehaus sollte zur Anlaufstelle für die Bevölkerung hergerichtet werden.

Die benachbarten Stützpunktfeuerwehren und alle Kreiseinheiten waren der Übungslage zufolge aufgrund der ausgedehnten Lage im Landkreis Nienburg nicht zur Unterstützung in Brokeloh abkömmlich.

Nach ersten Überlegungen der Einsatzkräfte, die Bevölkerung zu informieren und den Standort für die Bürger als zentrale Versorgungseinrichtung aufrecht zu erhalten, begann Einsatzleiterin Katrin Wehrse damit, ihre Feuerwehrkameraden in verschiedene Trupps einzuteilen. Der Fahrzeuglichtmast und die Umfeldbeleuchtung des Einsatzfahrzeuges wurden kurzerhand zum Ausleuchten des Vorplatzes und der Fahrzeughalle eingesetzt. 

Einige Kameraden richten in der Fahrzeughalle mit Bierzeltgarnituren erste Sitzgelegenheiten für hilfesuchende Bürger her.

Die ersten Kameraden richteten danach in der Fahrzeughalle mit Bierzeltgarnituren erste Sitzgelegenheiten für hilfesuchende Bürger her. Weitere Kameraden machten sich daran, Wasservorräte zu schaffen, da die Übungsleitung einen Ausfall der Pumpenwerke innerhalb der nächsten halben Stunde ankündigte.

Doch plötzlich überschlugen sich die Ereignisse – die Übungsleitstelle rief die Brokeloher Einsatzkräfte zu einem medizinischen Notfall in einer Nachbarwohnung. Dort war ein Mieter aufgrund der Dunkelheit gestürzt und hatte sich schwere Verletzungen zugezogen – aufgrund der ausgedehnten Einsatzlage war der Rettungsdienst zunächst nicht verfügbar. Sofort machte sich ein Trupp zur medizinischen Versorgung des Bewohners auf, der schließlich über einen engen Treppenraum aus seiner Zwangslage gerettet und an den Rettungsdienst übergeben werden sollte.

Die Umfeldbeleuchtung des Einsatzfahrzeuges wird zum Ausleuchten des Vorplatzes und der Fahrzeughalle eingesetzt.

Pausenlos gingen weitere Hilfeersuchen bei den Einsatzkräften ein. Selbst das Zubereiten warmer Babynahrung mussten die Feuerwehrkräfte ohne Strom im Hauptgebäude bewerkstelligen.

Nach etwa zwei Stunden erlösten die Übungsinitiatoren ihre Feuerwehrkameraden schließlich von ihrer Aufgabe und schalteten den Strom rund um das Feuerwehrgerätehaus wieder ein. Die Übung war gelungen, um die Kameraden auf die verschiedensten Probleme im „Schwarzfall“ – einem Zusammenbruch des Stromnetzes – zu sensibilisieren. Große Freude herrschte bei den Einsatzkräften, als sie im Nachgang der Übung ein neues Notstromaggregat in Dienst stellen durften. Beim gemeinsamen Abendessen der Kameraden blieb die Diskussion rund um den Ausfall der öffentlichen Infrastruktur weiter ein großes Thema.

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