17- bis 20-Jährigen wird versuchter Mord vorgeworfen

Brutaler Überfall in Hoya: Vier junge Männer vor Gericht

Verden/Nienburg - Vier junge Männer müssen ab der kommenden Woche wegen versuchten Mordes vor dem Landgericht Verden verantworten.

Vor der dritten großen Jugendkammer beginnt am Freitag, 8. November, die Hauptverhandlung gegen die 17 bis 20 Jahre alten Beschuldigte aus dem Kreis Nienburg. Gemeinschaftlich sollen sie am Abend des 9. Mai in Hoya auf einem Parkplatz in der Nähe des Sportplatzes auf einen 35 Jahre alten Mann eingeprügelt und eingetreten haben. Ein fünfter Tatbeteiligter soll dem Opfer mehrfach mit einem Messer in den Hals gestochen haben.

Hoya: Anklage wegen versuchten Mordes für vier Beschuldigte

Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten vor, aus niedrigen Beweggründen versucht zu haben, den Nebenkläger zu töten und diesen hierbei lebensgefährlich verletzt zu haben. Mit dabei war ein weiterer Täter, der jedoch aufgrund anzunehmender psychischer Probleme gesondert behandelt wird und sich in einem Strafsicherungsverfahren verantworten muss.

Die vier Angeklagten sollen sich, um Macht zu demonstrieren, auf den auf einem Fahrrad zufällig vorbeikommenden Nebenkläger gestürzt und sodann auf diesen eingeschlagen haben. Das berichtet die Staatsanwaltschaft in einer Pressemitteilung.

Der gesondert verfolgte Mittäter soll zu dieser Zeit bereits auf den Nebenkläger eingestochen haben. Danach sollen die Angeklagten aus dem gleichen Motiv noch heftiger auf den Nebenkläger eingeschlagen und eingetreten haben. Auch als die Angeklagten erkannt hätten, dass der gesondert Verfolgte nun immer wieder auf den Nebenkläger eingestochen habe, insbesondere auch mehrfach in den Hals, sollen die Angeklagten weiter auf den am Boden liegenden Nebenkläger eingetreten haben.

Als die Angeklagten anschließend geflüchtet seien, hätten sie erkannt, dass der Nebenkläger lebensgefährlich verletzt gewesen sei und bei nicht umgehender medizinischer Versorgung versterben würde, was ihnen gleichgültig gewesen sei. Der Nebenkläger habe aufgrund der Tat eine Vielzahl von – teilweise akut lebensgefährlichen – Verletzungen erlitten.

Die Jugendkammer hat zum Hauptverhandlungstermin und zu den geplanten Fortsetzungsterminen jeweils zwei Sachverständiger und den Nebenkläger geladen. An einem anderen Tag ist noch ein weiterer Sachverständiger vor Ort. Insgesamt sollen acht Zeugen vor der Kammer sprechen.

Kein konkretes Motiv

Ein konkretes Motiv für die Tat konnte Martin Schanz, stellvertretender Sprecher der Staatsanwaltschaft Verden, auf Nachfrage nicht benennen. Scheinbar grundlos war der Angriff erfolgt. Der 35-Jährige soll ein „Zufallsopfer“ gewesen sein. Dem Mann, der nach der Tat im Koma lag und in einer Klinik in Hannover um sein Leben kämpfte, soll es mittlerweile besser gehen.

Nur vier Tage nach der Tat hatte die Nienburger Polizei verkündet, dass sieben Tatverdächtige ermittelt werden konnten. Gegen zwei wurde, wie bereits berichtet, Anklage am Amtsgericht Nienburg wegen unterlassener Hilfeleistung erhoben. Dort werden sie sich in vermutlich nicht öffentlicher Sitzung vor dem Jugendrichter verantworten müssen.

Gegen den siebten Beschuldigten, der auf Grundlage einer einstweiligen Anordnung in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht wurde, gibt es noch eine zweite Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung. Er soll im November 2018 in Verden erst einem Kind ins Gesicht geschlagen und dann einen couragierten Taxifahrer, der seinen Wagen gestoppt hatte und eingeschritten war, krankenhausreif geprügelt haben.

jom/wb

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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