Sammlung umgestalten 

Hobby Buchbinden: Rehburger baut sich lange Comics 

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Seine Comic-Sammlung wollte Holger Vergin umgestalten – daraus ist Buchbinderei als Hobby geworden.

Rehburg - Von Beate Ney-Janßen. Der Wunsch, manche Geschichten aus seiner Comic-Sammlung „in einem Stück“ lesen zu können, hat am Anfang gestanden. Buchbinderei als Hobby ist bei dem Rehburger Holger Vergin daraus geworden.

Passionierte Comic-Sammler kennen es insbesondere von den etwas älteren Reihen ihrer Sammlung: Um ihre Leser nahezu zum Kauf des nächsten Exemplars zu zwingen, gaben Verlage gerne Bände mit Fortsetzungsgeschichten heraus. Drei, vier oder fünf Geschichten wurden in einem Band versammelt, davon jeweils nur einige Seiten abgedruckt und zum Ende stand überall „Fortsetzung folgt“. Von diesen Reihen hatte Holger Vergin einige in seiner Sammlung – und ärgerte sich jedes Mal, dass er ein Heft nach dem anderen hervorholen musste, um eine komplette Geschichte lesen zu können. 

So entstand bei ihm die Idee, die Comics auseinanderzunehmen, um die Geschichten zusammenzufügen. Das sollte jedoch in schöner Form geschehen, lose Blattsammlungen oder gelochte Comics waren keine Option. Neue Bücher daraus zu machen, war vielmehr sein Ziel – das in greifbare Nähe rückte, als von der Volkshochschule eines Tages ein Seminar „Buchbinderei“ angeboten wurde.

Vergin meldete sich an, verbrachte ein Wochenende in Loccum, um das Rüstzeug für das zu bekommen, was er umsetzen wollte, und machte sich zu Hause dann an die Arbeit. Einige Monate später standen rund 25 neue Bücher mit der umgestalteten Comic-Sammlung in seinem Regal. Das Ziel war erreicht – und seine neu erworbenen Fähigkeiten weckten bei seiner Frau Nicole Vergin einige Begehrlichkeiten. Natürlich sind Bücher die Leidenschaft der Autorin und schön gestaltete Bücher umso mehr. So gab sie nach und nach das eine oder andere Buch bei ihm „in Auftrag“. Mal war es ein Notizbuch, dann eine Sammlung von Gedichten, ein Fotoalbum oder auch eine Märchen-Anthologie.

Ein Reißverschluss auf dem Buchdeckel – aus einer alten Jeans hat Holger Vergin den Umschlag für ein Notizbuch gemacht.

Diese Gefallen tat Holger Vergin seiner Frau gerne und stellte fest, dass die Möglichkeiten des Buchbindens schier unendlich sind. So ließ er sich auf immer neue Formate, Gestaltungen und Variationen ein. Einmal gelernt, meint er, lasse sich aus dem Grundprinzip des Buchbindens sehr viel machen. Sorgfalt sei natürlich notwendig, zeitaufwändig sei das Hobby ebenfalls – dafür nehme es aber nicht viel Platz in Anspruch.

Mehr als ein Exemplar zur Zeit hat er nie in Arbeit – so können Schneidematte und Schraubzwingen, der Topf mit Buchleim nach Spezial-Anmischung (ein Drittel Tapetenkleister und zwei Drittel Holzleim sind das Geheimnis) und anderes Zubehör schnell beiseite geräumt werden und den Esstisch wieder für seinen eigentlichen Zweck freigeben.

Einige außergewöhnliche Kreationen sind daraus mittlerweile entstanden. So hat er etwa eine alte Jeans, die nur noch für die Tonne taugte, zum Buchumschlag gemacht. Die Vorderseite hat nun einen Reißverschluss, auf der Rückseite ist eine Hosentasche, in der sich ein Bleistift versenken lässt. Ein Hingucker ist das und praktisch obendrein, da es sich um ein Notizbuch handelt.

Praktisch: In die Hosentasche auf der Rückseite des Notizbuchs kann Holger Vergin einen Bleistift stecken.

Ein nächster Schritt war es für ihn, auch alte Bücher, an denen der Zahn der Zeit allzu sehr genagt hatte, zu restaurieren. Einen dicken Band aus dem Jahr 1893, dessen Rücken gebrochen und Seiten lose waren, nahm er komplett auseinander, leimte ihn neu und ersetzte vom Kapitalbändchen bis zum Vorsatzpapier einiges. Jetzt kann das historische Werk gefahrlos wieder aufgeschlagen und gelesen werden.

Im Hause Vergin stehen also so manche Unikate aus der Hobby-Buchbinderei und manchmal haben auch Freunde oder Verwandte ein besonderes Exemplar bekommen, das sie sich wünschten. Das jüngste Werk ist ein Kriegstagebuch von 1914, für das er erstmals bedruckte Leinwand als Umschlag nahm. Neues auszuprobieren und Möglichkeiten testen, das ist es, was ihn an seinem Hobby reizt.

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