Landgericht stellt Verfahren ein

Security-Mitarbeiter aus Bücken wegen Körperverletzung vor Gericht

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Das Landgericht stellt das Verfahren gegen Zahlung einer  Geldauflage ein.

Verder/Bücken - von Wiebke Bruns. Wegen fahrlässiger Körperverletzung stand ein Security-Mitarbeiter aus Bücken vor dem Verdener Landgericht.

Alles schien sich bei einer Berufungsverhandlung am Landgericht Verden gegen den 42 Jahre alten Angeklagten aus Bücken verschworen zu haben. Der Verteidiger krank, die Staatsanwältin saß in einer Bahn mit Verspätung fest und zudem fehlte ein Schöffe. Doch dann wendete sich das Blatt für den Mann, der in seinem Nebenjob als Security beim Tanz in den Mai 2018 in Homfeld eine fahrlässige Körperverletzung begangen haben sollte. Im Festzelt hatte es eine Auseinandersetzung gegeben. Das vermeintliche Opfer der angeklagten Tat hatte die Kontrahenten trennen wollen, war dann aber auch selbst des Zeltes verwiesen worden. Infolge der damit verbundenen Diskussionen habe der Angeklagte einen Platzverweis ausgesprochen, doch dem sei der spätere Verletzte nicht nachgekommen. Soweit die Feststellungen des Amtsgerichts Syke mit Urteil vom 3. April 2019.

Amtsgericht Syke: „Sehr gefährliche Technik“

Unstrittig soll in dem ersten Prozess gewesen sein, dass der Angeklagte daraufhin den Kreuzfesselgriff, sogenannten Polizeigriff, angewendet hatte. In erster Instanz soll der 42-Jährige ausgesagt haben, dass der Mann sich gegen den Rauswurf gewehrt und die Arme gehoben habe. Dies will der Angeklagte als Angriff verstanden haben. Das Amtsgericht stufte den Kreuzfesselgriff als eine „sehr gefährliche Technik“ ein, die nur angewendet werden sollte, wenn es trainiert worden ist. Sonst könne es zu Verletzungen kommen. Im aktuellen Fall zu einer Radiusköpfchenfraktur, die zumindest das Amtsgericht Syke als Folge des Griffs gewertet hatte. Der Angeklagte habe keine Vorstellung gehabt, wie gefährlich die Technik sei. Die Fraktur habe eine achtwöchige Krankschreibung nach sich gezogen. 

Verteidigung: Einstellung ist angemessen

Notwehr ließ das Amtsgericht nicht gelten und verurteilte den nicht vorbestraften Familienvater zur Zahlung von 1200 Euro Geldstrafe. In Verden war man anderer Meinung. „Wenn ich das höre, bekomme ich Lust zum Verteidigen“, bekannte Verteidiger Kay Müffelmann, der kurzfristig für seinen erkrankten Kollegen eingesprungen war. Ein Freispruch sei ursprüngliches Ziel gewesen, aber auch eine Einstellung fand er angemessen.

„Das halte ich auch für sachgerecht“, merkte die Vorsitzende, Richterin Marita Gudehus, an. Der Geschädigte habe sich nicht verhalten, wie man es erwartet. „Er ist nicht gegangen, sondern hat ewige Diskussion geführt. „Der eine hat sich gewehrt, der andere ist unvorsichtig vorgegangen“, so ihre Bewertung.

Zweifel an den Folgen

Zweifel hatte sie an den Folgen. Auf dem Attest sei nur der Verdacht auf eine Radiusköpfchenfraktur geäußert worden. „Das passiert beim Fallen auf dem ausgestreckten Arm und tut höllisch weh“, konnte sie aus eigener Erfahrung berichten.

Staatsanwältin Inga Hahn war schnell überzeugt. „Der Angeklagte hat versucht verhältnismäßig zu reagieren und hat nicht drauf los gedroschen“, erkannte sie an. Mit einer Einstellung des Verfahrens gegen die Zahlung von 400 Euro zeigte sie sich einverstanden. Das Geld wurde „Ärzte ohne Grenzen“ zugesprochen.

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