Bürgerinitiative gegen Stromtrassenausbau / Dienstag Info-Veranstaltung

Angst vor Krebs und Wertverlust der Häuser

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Wollen gegen die Stromtrassen vor ihren Haustüren vorgehen und haben dafür nun eine Bürgerinitiative gegründet: Hans Kaufmann (von links), Christine Brünjes, Martin Claus und Annette Kaufmann

Vom Maik Hanke - Es ist an der Zeit, sich zur Wehr zu setzen. Gegen die Stromtrassen vor ihren Haustüren. Finden Annette und Hans Kaufmann, Christine Brünjes und Stadtratsmitglied Martin Claus (Bürgerforum plus 3). Sie sind Mitglieder der neugegründeten Bürgerinitiative gegen den Trassenausbau in der Samtgemeinde Grafschaft Hoya. Ihre Hauptsorge: Gesundheitsrisiken durch elektromagnetische Felder.

Das Ehepaar Kaufmann, Brünjes und Claus sind überzeugt, dass elektromagnetische Strahlen die Gefahr, an Krebs zu erkranken, erhöht. Außerdem können die Strahlen, haben sie gelesen, Probleme bei Herzschrittmachern verursachen.

Das sind bisher nur Vermutungen – noch liegen keine eindeutigen Forschungsergebnisse vor. Trotzdem: „Das macht einem Angst“, sagt Christine Brünjes. Zumal es bei ihr in der Familie schon mehrere Krebserkrankungen gegeben habe.

Brünjes lebt in Warpe. Über die zu ihrem Hof gehörigen Weiden verlaufen bereits zwei Stromtrassen (220 und 380 Kilovolt) – die naheste Trasse ist nur 60 Meter von ihrem Haus entfernt. Jetzt könnte sie von einem weiteren Trassenausbau betroffen sein.

Konkret gibt es Pläne zur Aufrüstung beziehungsweise zum Neubau der Trasse „Stade – Landesbergen“ und einer „Südlink“-Trasse – beide Trassen würden nach aktuellem Stand durch die Samtgemeinde laufen (wir berichteten). Christine Brünjes und andere Warper wären davon besonders betroffen. Die Trassen würden den Ort „in die Zange nehmen“, sagen die Mitglieder der Initiative.

„Irgendwo muss es Stromtrassen geben, aber die müssen auch verträglich gestaltet sein“, sagt Martin Claus. „Wenn der Bau eh ansteht, kann man sich ja auch über Alternativen Gedanken machen.“ Claus fordert, dass die Verantwortlichen die Möglichkeit der Erdverkabelung statt der Oberleitungen zumindest ernsthaft diskutieren, und dass die im Landesrecht verankerten Mindestabstände von Trassen zu Häusern eingehalten werden. Demnach sollen Leitungen 400 Meter Abstand zu Siedlungen und 200 Meter zu Einzelhäusern einhalten.

Dass diese Regelung schnell umgangen werden kann, zeigt das Haus von Christine Brünjes. Eigentlich möchte sie auf dem Hof ihrer Familie wohnen bleiben. „Aber können wir das verantworten?“, fragt sie angesichts vermuteter Gesundheitsrisiken. Und selbst wenn sie umziehen wollte, wäre das leichter gesagt als getan: „Wir bekommen für unser Haus ja nichts mehr“, ist sie überzeugt. „Wer kauft sowas denn?“

Claus denkt noch einen Schritt weiter: Sollte eines Tages die Wissenschaft tatsächlich einen Zusammenhang zwischen Krankheiten und elektromagnetischen Strahlen feststellen, würden Hunderte Häuser einen Großteil ihres Werts verlieren, spekuliert Claus.

Die Bürgerinitiative, die bisher 15 Mitglieder hat, fordert außerdem mehr Informationen und Transparenz für die Bürger. Sie sehen die Stromnetzbetreiber ebenso in der Verantwortung wie die Verwaltung, die Überwachungs- und Genehmigungsbehörden. Der Stadtrat soll, finden die Mitglieder der Initiative, beispielweise einen externen, neutralen Referenten zu einer öffentlichen Informationsveranstaltung einladen.

Am kommenden Dienstag sind die Mitglieder der Bürgerinitiative ebenfalls anwesend, wenn die Bürgervereine der Stadt Hoya zu einer Informationsveranstaltung zum Bau der Stromtrasse „Südlink“ einladen. Beginn ist um 17 Uhr im Lindenhof in Hoya.

Quelle: kreiszeitung.de

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