„Fehlende Informationen“ und „falsche Behauptungen“

Geplante Gewerbeansiedlung sorgt für aufgeheizte Stimmung in Steimbke

+
Die Mitglieder der Bürgerinitiative Steimbke Heino Brinkmann, Elke Schütte, Christian Hastedt und Dorothee Gencay (v.l.) wollen die Ansiedlung der Naturwerke Steimbke in dem Gewerbegebiet verhindern.

Steimbke  von Leif Rullhusen. In Steimbke kämpft eine Bürgerinitiative gegen die Ansiedlung eines holzverarbeitenden Betriebes im Gewerbegebiet Brigitta. 

Sie fürchten Feinstaub, Lärm und Gestank. Die Mitglieder der Bürgerinitiative Steimbke wehren sich gegen die Ansiedlung der „Naturwerke Steimbke“ im Steimbker Gewerbegebiet Brigitta. „Durch Zufall haben wir erfahren, dass dort eine Fabrik zur Herstellung von Holzpellets entstehen soll. Vorher war immer die Rede von sozialen, emissionsfreien Betrieben“, berichtet Heino Brinkmann. Er wohnt, wie die weiteren Mitglieder der Bürgerinitiative, in direkter Nachbarschaft des Gebietes in der Straße „Am Koppelberg“ in Steimbke. „So dicht an einem Wohngebiet hat eine solche Fabrik nichts zu suchen“, kritisiert Dorothee Gencay von der Bürgerinitiative. Feinstaub sei bei der Herstellung der Pellets ein Thema, hätten ihre Recherchen ergeben. Außerdem befürchten die Anwohner Lärm durch die Produktion und den Lieferverkehr. Zu den gesundheitlichen Schäden durch Feinstaub komme ein Wertverlust ihrer Grundstücke und Häuser. „Wir haben Angst, weil wir nicht wissen, was uns erwartet“, erklärt Gencay. Zu wenig Informationen hätten die Anwohner bislang bekommen.

Der Bebauungsplan „Gewerbegebiet Brigitta“: In dem blau umrandeten, oberen Bereich wollen sich die neuen Firmen ansiedeln. Links befindet sich das Wohngebiet „Am Koppelberg“

Die Bürgerinitiative wirft der Samtgemeinde deshalb mangelnde Informationspolitik vor. „Wir sind für dumm verkauft worden“, ist Christian Hastedt überzeugt. Selbst nachdem die Anwohner von der geplanten Pelletfabrik erfahren hätten, habe Samtgemeindebürgermeister Knut Hallmann angeblich von nichts gewusst. Erst als die Bürgerinitiative ihn von einem geplanten, öffentlichen Informationsabend in Kenntnis setzte, habe dieser plötzlich eine Pressemitteilung aus dem Ärmel gezaubert, in der die Samtgemeinde ihrerseits zu einer Informationsveranstaltung einlädt.

„Es gibt nichts zu verheimlichen."

Knut Hallmann ärgert sich über die Anschuldigungen der Bürgerinitiative maßlos. „Zu diesem Thema sind viele falsche Behauptungen im Umlauf“, erklärt Steimbkes Samtgemeindebürgermeister. Zunächst sei in dem Gewerbegebiet keine Holzpelletfabrik geplant. „Ein holzverarbeitender Betrieb will dort Holzbriketts und Rindenmulch herstellen“, berichtet Hallmann. „Es gibt nichts zu verheimlichen. Wir gehen transparent an das Thema heran.“ Die spärlichen Informationen würden daraus resultieren, dass der Investor mit seinen Planungen einfach noch nicht weiter sei. „Es gibt bisher weder einen Bauantrag noch eine Gewerbeanmeldung“, versichert der Bürgermeister. Das Wohngebiet habe schon immer in direkter Nachbarschaft zu einem Gewerbegebiet gelegen, wundert sich Hallmann über den plötzlichen Widerstand. Früher hätten dort sogar die meisten Anwohner Arbeit gefunden.

Höchstmöglicher Schutz für die Anwohner

Aus dem Hinweis, der Betrieb benötige eine Genehmigung nach dem Bundesimmissionsschutzgesetzes, abzuleiten, die Anwohner erwarte eine erhöhte Schadstoffbelastung, sei eine Verdrehung der Tatsachen. „Von Feinstaubbelastung kann nicht gesprochen werden“, betont Hallmann. Vielmehr unterliege die Produktion damit sehr starken Restriktionen. Das Gesetz gewähre den Anwohnern höchstmöglichen Schutz. „Ich bin überzeugt von dem Paradigmenwechsel, der sich hier vollzieht: Weg von fossilen Brennstoffen – hin zur Produktion regenerativer.“ Darüber hinaus begrüße der Gemeinderat die Schaffung neuer Arbeitsplätze und eine zu erwartende positive Entwicklung der Gewerbesteuereinnahmen.

Ursprung des aktuellen Konfliktes ist der Fortgang von Exxon Mobil im Jahr 2008. Da das Gebiet bis dahin dem Bergbaurecht unterlag, benötigte es eine neue rechtliche Nutzungsgrundlage. Drei Jahr später votierte der Rat der Samtgemeinde daraufhin einstimmig für den entsprechenden Bebauungsplan „Gewerbegebiet Brigitta“, der das Areal seit dem Jahr 2011 als Gewerbegebiet ausweist. Mittlerweile haben sich die ersten Firmen angesiedelt. Nun will sich das Tiefbauunternehmen STB Wöltjen in dem Bereich nordwestlich der Straße „Am Koppelberg“ in direkter Nachbarschaft des Wohngebietes ansiedeln. Daran schließt sich das Grundstück der Naturwerke Steimbke an.

Zwei Informationsveranstaltungen hintereinander

Sowohl die Bürgerinitiative als auch die Samtgemeinde haben für die kommende Woche zu Informationsabenden eingeladen. Den Anfang machen die Anwohner. Für Dienstag, 1. Oktober, laden sie um 19 Uhr in das Hotel zur Post in Steimbke ein. Einen Tag später, am 2. Oktober, ist die Samtgemeinde ab 18 Uhr am selben Ort Gastgeber. Während die Bürgerinitiative auf Antworten ihrer vielen offenen Fragen hofft, will die Samtgemeinde zusammen mit den Unternehmen am darauffolgenden Tag genau diese geben. Neben Vertretern der Samtgemeinde werden am Mittwoch auch welche von STB Wöltjen sowie der Naturwerke Steimbke anwesend sein.

Das könnte Sie auch interessieren

Welt

Viele tote Urlauber bei Vulkanausbruch in Neuseeland

Viele tote Urlauber bei Vulkanausbruch in Neuseeland
Wirtschaft

Gutachten: Berliner Mietendeckel nicht verfassungswidrig

Gutachten: Berliner Mietendeckel nicht verfassungswidrig
Politik

Hartes Ringen bei UN-Klimagipfel - Thunberg nutzt Medienhype

Hartes Ringen bei UN-Klimagipfel - Thunberg nutzt Medienhype
Wohnen

Wie passt der Weihnachtsbaum zum Klimawandel?

Wie passt der Weihnachtsbaum zum Klimawandel?

Meistgelesene Artikel

Kinder empfangen den Nikolaus am Weserufer

Kinder empfangen den Nikolaus am Weserufer

Skoda fährt in Reitergruppe - eine 13-Jährige stürzt vom Pferd

Skoda fährt in Reitergruppe - eine 13-Jährige stürzt vom Pferd

Wissensburg in Nienburg: Verlässliche Zahlen fehlen

Wissensburg in Nienburg: Verlässliche Zahlen fehlen

Mit dem Fahrrad schneller in die Nienburger Innenstadt

Mit dem Fahrrad schneller in die Nienburger Innenstadt

Kommentare