Medizin in allen Facetten

Claudia Zechel erzählt von einer Hospitals-Gründung in Indien

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Claudia Zechel

Bücken - Von Jana Wohlers. Gegenwart und Tradition, Kultur und Respekt, Gemeinschaft und Solidarität: Im Lichte einer sich immer schneller drehenden Welt bleibt oft auf der Strecke, was eigentlich einmal Ursprung war.

Ursprung einer Kultur, einer Bevölkerung, eines Dorfs. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Geschichten von hinter dem Horizont“ in der Kleinkunstdiele Bücken entführte diese Woche Claudia Zechel aus Schwanewede in eine kleine Welt im Nordosten Indiens, wo Alt und Neu miteinander gelebt werden.

13 Jahre in Indien gelebt

Die zahlreichen Zuhörer ließen sich mitnehmen in eine Welt, in der man schnell die Hoffnung spürt, dass Tradition und Zukunft einander die Hände reichen können. Die Referentin studierte Humanmedizin in Deutschland und traditionelle chinesische Medizin in China. In den 90ern arbeitete sie in Indien, im Bundesland Jharkhand. „Ich habe mich sofort in die Menschen dort verliebt“, sagte Claudia Zechel. „Dieser Teil Indiens ist größtenteils von den Ureinwohnern, den Adivasi, bewohnt.“

Durch ihre lebendige Art zu erzählen, zog die Referentin ihre Zuhörer schnell in den Bann. Mit mal farbenfrohen und mal ernsten, immer aber eindrucksvollen Bildern präsentierte sie die Region im Nordosten Indiens. Insgesamt 13 Jahre hat die Referentin dort gelebt und viele Einblicke in das indische Leben, die Kultur und die dort gepflegten Traditionen gesammelt.

Schulische Medizin und traditionelle Heilkunst zusammenbringen

„Ich habe mich schnell gefragt, wie man unsere schulische Medizin und ganz traditionelle Heilkünste und Heilphilosophien zusammenbringen kann“, erzählte Claudia Zechel. Das Ergebnis: Sie kaufte rund dreieinhalb Hektar Land, denn sie hatte eine Vorstellung vor Augen, die heute, mehr als 20 Jahre später, eine Erfolgsgeschichte ist, ein Hospital.

Durch den Abbau von Granit und die Abholzung zahlreicher Wälder leidet der Nordosten Indiens insbesondere unter einem gravierenden Wassermangel, der eine große Stadtflucht zur Folge hat. In einer der durch den Wassermangel entstandenen „Savannen“ gründete Claudia Zechel 1995 das „Johar Hospital Asha Vihar“. „Asha Vihar“ bedeutet „Ort der Hoffnung“. Rund 60 Menschen sind mittlerweile dort beschäftigt, zwischen 150 bis 170 ambulante Patienten kommen täglich. Stationär werden 40 bis 50 versorgt.

„Asha Vihar“ verfügt über ein eigenes Waisen- und Kinderdorf, es gibt unter anderem gynäkologische, plastische und physiotherapeutische Angebote. Ein Krankengymnastik-Angebot, auch für nicht heilbare Behinderungen, ist ebenso vorhanden.

„Der Mangel ist bei den Adivasi ein Grundzustand“

„Unser medizinischer Ansatz besteht darin, ganz undogmatisch mit verschiedenen Heilmitteln und Heilphilosophien zu arbeiten und für jeden Patienten eine passende Behandlung zu kreieren“, erklärte Claudia Zechel. Schulmedizin gehört ebenso dazu wie Homöopathie, Akupunktur und die traditionelle indische und chinesische Medizin. Im „Asha Vihar“ glaubt man nicht, es gibt die eine richtige Art Medizin. Vielmehr gehe es darum, das Wesentliche im Blick zu behalten, Traditionen zu respektieren, nachhaltige Verbesserungen anzustreben und gemeinsam voneinander zu lernen, erklärte Claudia Zechel.

Ein Mitarbeiter des Krankenhauses sagte einst, er sei mit vollem Rucksack dorthin gekommen – und mit leerem Rucksack, aber vollem Herzen zurückgekehrt.

„Der Mangel ist bei den Adivasi ein Grundzustand“, erzählte Zechel. „Trotzdem klagen sie nicht. Sie lachen schnell und oft und sind einfach zufrieden mit dem, was sie haben.“ Für ihre Zuhörer hatte die Referentin einen Rat im Reisegepäck: „Wir leben in Deutschland auf einem tollen Niveau. Aber wir sollten uns doch hüten, auf einem solchen Niveau so viel zu klagen.“

Die Reihe „Geschichten von hinter dem Horizont“ geht am Mittwoch, 3. Mai, um 19.30 Uhr weiter. Dann entführen Gabi und Jürgen Rose ihre Zuhörer in die USA, nach New Mexico und Arizona.

Quelle: kreiszeitung.de

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