Cord und Swantje Preuß aus Stöckse begeben sich auf Spuren der Altsachsen

Leben wie im Frühmittelalter

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Cord Preuß fertigt eine Abwaschmolle aus einem Kastanienblock.

Anika Bokelmann - Von Udo Scholz und. STÖCKSE/TWISTRINGEN Cord Preuß übt einen der ältesten Berufe überhaupt aus: Er ist Grobschmied und stellt am offenen Feuer traditionelles, landwirtschaftliches Werkzeug aus Metall her. Neben Pflügen, Spaten und anderem Feldbearbeitungsgerät zeigte er jüngst beim Mittelalter-Camp in der Hünenburg bei Twistringen, wie er auch filigrane Schmuckstücke und altertümliche Abwaschmollen schafft. Archäologisches Grund-Interesse stellen Cord und Swantje Preuß aus Stöckse anlässlich des einwöchigen frühmittelalterlichen Zeltlagers als Triebfeder ihrer experimentellen Untersuchungen altsächsischen Lebens heraus.

Cord Preuß erklärt, dass er sich häufig über Interpretationen und Unstimmigkeiten in Museen geärgert habe, die offensichtlich von Wissenschaftlern ohne handwerkliches Grundverständnis stammten. Der 49-jährige Wirtschaftsinformatiker ließ sich daraufhin in einem Zeitraum von etwa drei Jahren durch einen alten Werftschmied in der Schmiedekunst unterweisen und befasst sich seither in seiner Freizeit als „Grobschmied“ mit der Reproduktion alter Werkzeuge.

Spätestens seit 2012 heiße sein Lebensmotto „zurück zu den Wurzeln”, schreibt der Stöckser auf seiner Internetseite, auf der er seine Leidenschaft fürs Schmieden erklärt. Zudem lebe er entgegen der Konsumgesellschaft, denn auch ohne Fernsehen könne man leben: „Ich erhalte mir meine Neugier, verschiebe nichts auf später und lerne stets mehr über das vermeintlich vergessene Wissen unserer Ahnen“, beschreibt er sein Leben.

Ehefrau Swantje Preuß (42) beteiligt sich seit etwa fünf Jahren in der archäologischen Arbeitsgemeinschaft Soltau-Bad Fallingbostel an Ausgrabungen. Derzeit gibt es eine in Böhme im Heidekreis, wo die Freilegung eines Grubenhauses im Herbst abgeschlossen werden soll.

Dass die Begeisterung für das frühe Mittelalter auch ihre Kinder Leon (18) und Iris (11) sowie die Gastkinder Diana (11) und Falk (9) Wessel erfasst hat, zeigt deren Einsatz beim Sammeln und Hacken des Holzes für verschiedene Feuerstellen im Lager in der Hünenburg. „Solange sie es als Spiel verstehen, verkraften die Kinder auch eine gute Woche ohne Fernsehen und Computer“, meint Cord Preuß.

Nachdem sie früher fast alle zwei Wochen unterwegs war, beschränkt sich Familie Preuß mittlerweile auf die Teilnahme an wenigen ausgewählten, nicht-kommerziellen frühmittelalterlichen Veranstaltungen in Jork, Ibbenbüren, Oldenburg/Holstein, am Uhrberg in Bad Iburg und jetzt erstmals in der Hünenburg bei Twistringen.

Die Lager dienen der Experimental-Archäologie und dem Erfahrungsaustausch mit Gleichgesinnten aus dem norddeutschen Raum bis nach Nordrhein-Westfalen. Ein besonderes Anliegen der Familien ist die Jugendarbeit, die sich unter anderem im regelmäßigen Engagement im Kinderferienprogramm, der Beteiligung am Kreisfeuerwehrjugendlager 2012 in Brinkum und dem mittelalterlichen Jugendlager in der Hünenburg 2013 ausdrückt.

In Schmiedekursen für Kinder, in denen es laut Preuß „zugegebenermaßen nicht immer mittelalterlich zugeht“, lässt der Grobschmied mit helfender Anleitung kleine Erzeugnisse herstellen. Dabei freut er sich über den Stolz der Kinder, wenn sie etwas selbst gefertigt haben.

Für die nahe Zukunft hat die Stöckser Familie bereits konkrete Pläne. Neben der erwähnten Ausgrabung wird sie an einigen Workshops im Zusammenhang mit einem alten Gräberfeld bei Liebenau, einer altsächsischen Fundstelle in Niedersachsen, teilnehmen. In Vorträgen und Praxis sollen beispielsweise Kenntnisse zu Lebensmitteln, Kochweise, Kräuterkunde und Runen-Lehre vermittelt werden. Ferner soll es Spinn- und Nähkurse geben. Darüber hinaus will sich Cord Preuß auch weiterhin der Herstellung tauglicher alter Werkzeuge widmen, die heute nicht mehr zu erwerben sind.

www.der-grobschmied.de

Quelle: kreiszeitung.de

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