Aus dem Landgericht

Vater der getöteten Judith Thijsen über die Tage nach ihrem Verschwinden

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Der Vater und Nebenkläger Barend-Johannes Thijsen mit seiner Anwältin Katharina Theuerkaufer. 

Es war der Vater, der im September 2015 die Leiche seiner ermordeten Tochter Judith Thijsen im Loccumer Klosterwald gefunden hatte. Danach war der heute 66-jährige Barend-Johannes Thijsen selbst unter Mordverdacht geraten. Das Verfahren wurde später eingestellt. Nun ist der Nienburger Nebenklägerim Mordprozess gegen einen 51 Jahre alten Angeklagten am Landgericht Verden und war am Donnerstag zudem Zeuge.

Loccum - Über mehrere Stunden dauerte die Befragung, der Thijsen sich wegen des früheren Tatverdachts ganz einfach mit einem Aussageverweigerungsrecht hätte entziehen können. Doch geduldig beantwortete er sämtliche Fragen. Diese betrafen insbesondere sein Verhalten nach dem Verschwinden seiner Tochter, was ihn damals verdächtig gemacht hatte.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die 23-Jährige am 12. September 2015 ermordet worden ist. Bis Mittwoch, 16. September 2015, blieb das Verschwinden der alleine in Bad Rehburg wohnhaften Frau von ihrer Familie unbemerkt. Seine Ex-Frau habe ihn dann angerufen.

Das Schlimmste befürchtet habe er nicht, sagte Thijsen auf die Frage des Vorsitzenden. „Ich habe angenommen, sie macht sich eine Auszeit“, so der gebürtige Niederländer. In der Zeit zuvor war seine Tochter mehrfach umgezogen, eine Hüftoperation war noch nicht komplett ausgeheilt, es gab Probleme mit dem Bafög.

In den folgenden Tagen versorgte er die Katze seiner Tochter und sorgte nebenbei für Ordnung in ihrer Wohnung. „Das sah aus, als ob sie das Frühstück hatte stehen lassen.“ Er habe aufgeräumt, den Abwasch erledigt, Wäsche sortiert und restliche Arbeiten an der unfertigen Küche erledigt.

Sorgen habe er sich erst ab Samstag, 19. September 2015, gemacht. Da habe seine geschiedene Frau ihn zu einem Treffen mit der Polizei in Judiths Wohnung gebeten. Dabei habe er von irgendeinem Pilztee erfahren, den sich seine Tochter im Internet bestellt habe. „Damit man ruhiger wird.“ In Kombination mit dem Auffinden ihres roten Fiat Seicento am Rande des Klosterwaldes habe er sich dann doch Gedanken gemacht. „Da fing ich das Grübeln an. Wenn sie eine Auszeit macht, nimmt sie das Auto mit. Da dachte ich, da stimmt was nicht.“ Da habe ihn „die Unruhe gepackt“.

Die Polizei habe einen Suchtrupp geplant. Erst habe er sich dem anschließen wollen, dann alleine den Wald abseits der Wege abgesucht. Möglicherweise habe sie meditieren wollen. „Das macht man nicht auf dem Weg“, erklärte er. „Mir ging im Kopf rum, wenn sie Pilztee trinkt, zu viel oder zu stark, dass sie einschläft oder ihr schwindelig wird.“ Er schilderte, wie er tags darauf die Leiche unter Ästen fand; einige wegnahm und in das Gesicht seiner toten Tochter schaute.

Seine Schilderungen am Donnerstag waren schlüssig und nachvollziehbar. Dabei wirkte der gebürtige Niederländer äußerlich ruhig. Offenbar wie damals, was ihn auch verdächtig gemacht hatte. Doch dann gab es einen Moment, wo es so wirkte, als würde sich sein Inneres nach außen kehren. Als er sich mit allen Verfahrensbeteiligten am Richtertisch die Bilder vom Fundort der Leiche anschaute, brach er ab. „Jetzt bin ich fertig. Ich kann nicht mehr“, sagte er leise auf dem Weg zu seinem Platz. Nach einer Mittagspause stellte er sich noch allen kritischen Fragen der Verteidiger.

Quelle: kreiszeitung.de

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