Erinnerungen an den 3. Advent vor 70 Jahren

Sonntag, 17. Dezember 1944

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Von links: Hilde und August Sellmann, Mitte: Grete Ritzer, rechts daneben ihr Sohn Heinz Ritzer - 1945 gefallen.

NIENBURG - Von Heinz-Dieter Hische. Es sollte das letzte Jahr des Zweiten Weltkriegs werden. Wir, die Bewohner des Hauses „Neue Wall Straße 13“ in Nienburg, sollten auch diese Weihnachtsage mit Sirenenalarm erleben. Wir, das waren die Familien Köhler, Sellmann, Mus, Stahlkopf, Ritzer und Hische.

Dieser Sonntag war der dritte Advent. Bereits am frühen Morgen gab es mehrmals Fliegeralarm. Alle Familien waren stets in Bereitschaft. Die Koffer mit den wichtigsten Papieren stand jeweils in den angemieteten Räumen bereit. Der Luftschutzkeller befand sich in einem separaten Haus, der im oberen Teil, die sogenannte Waschküche enthielt. Darunter befand sich ein Gewölbekeller. Dieser hatte nur einen Zugang und war mit großen hölzernen Türen versehen die eine Verriegelung von innen hatte.

Das Wohnhaus befand sich gegenüber der damaligen Gasanstalt, die rückseitig an der Aue – dem heutigen Meerbach – lag. Durch diese überwiegend feuchte Gegend hatte es auch Ungeziefer, darunter Mäuse und Ratten, in die Häuser gezogen. Da wir uns an diesem Tage überwiegend im Keller befanden, huschten immer wieder Tiere dieser Art zwischen unseren Füßen.

Der Autor dieser Zeilen erinnert sich noch genau an diesen dritten Advent. Immer und immer wieder heulten die Sirenen vom Rathausturm und immer wieder stürmten die Anwohner in die Kellerräume. Das laute Gebrumm der über uns hinweg fliegenden Bomber durchzog die Stille der Menschen, die hier darauf warteten, dass der Alarm wieder aufgehoben wird. An diesem Tage mussten wir dreimal tagsüber in diesen Luftschutzkeller. Auch am späten Abend gab es noch einmal Alarm. Am kommenden Tag kehrte wieder Ruhe ein. Alles lief wie normal weiter, erst am kommenden Abend gab es wieder Fliegeralarm...

Auch in kommenden Ausgaben sollen im BlickPunkt zum Sonntag wieder historische Stadtbilder zu sehen sein, verbunden natürlich mit der aktuellen Ansicht. Eine Aktion, die selbstverständlich für alle BlickPunkt-Leser geöffnet ist. Sie haben auch eines dieser schönen historischen Fotos? Und wissen möglicherweise eine nette Begebenheit zu dem jeweiligen Motiv zu berichten? Dann am besten mit der BlickPunkt-Redaktion unter Tel. 05021/960831 in Verbindung setzen oder gleich vorbeischauen beim BlickPunkt an der Langen Straße 3. Es wäre doch zu schade, wenn die vielen Eindrücke der Zeitzeugen aus der jüngeren Nienburger Vergangenheit verloren gingen.

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