Wer war eigentlich Christoph Karl Kotzebue?

Mutiger und geschickter Verhandlungspartner

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An der Ecke der Cretschmarstraße beginnt die Kotzebuestraße.

NIENBURG - Von Heinz-Dieter Hische. Eine Nienburger Straße im vorderen Leintorviertel trägt den Namen Kotzebuestraße. Namensgeber ist der bekannte Nienburger Altbürgermeister Christoph Karl Kotzebue, von 1795 bis 1808 als „rechtskundiger Bürgermeister“ im Amt.

Nienburg hatte bis zum Jahre 1819 immer zwei Bürgermeister, von denen einer rechtskundig sein musste, während der andere aus der Reihe der im Rat sitzenden Bürger gewählt wurde. Wilhelm Siebert, Ehrenbürger der Stadt Nienburg, schrieb Folgendes über ihn: Christoph Kotzebue, ein Sohn des früheren hiesigen Landesrentmeisters, war ein eifriger Geschichtsforscher, besonders in Bezug auf die Geschichte der Grafschaft Hoya und der Stadt Nienburg. Hier hat er sich große Verdienste um die Ordnung des Stadtarchivs erworben. Als im Jahre 1803 nach der Konvention von Sulingen die Franzosen die hannoverschen Kurlande besetzten und in die Stadt Nienburg eine starke französische Garnison gelegt wurde, ließ Kotzebue das städtische Archiv verpacken und zur sicheren Aufbewahrung nach dem festen Minden senden.“

Ein Blick hinein in die Straße, die dem „rechtskundigen Bürgermeister“ aus dem 18. Jahrhundert gewidmet ist.

Die an die Stadt gestellten Anforderungen wurden als recht hart empfunden. Wenn vom Jahre 1804 ab manche Erleichterungen in dieser Hinsicht eintraten, so war dieses dem unermüdlichen Streben des Bürgermeisters Kotzebue zu verdanken, und soviel wie möglich das Bedrückende von der Stadt abzuwenden. Er scheute keine Reise und fürchtete nicht den Zorn französischer Befehlshaber und hat sich nicht selten an den Marschall Bernadotte, den französischen Gouverneur des Landes gewandt. Bei einer Unterredung mit einem höheren französischen Offizier kam es zu so ernsten Debatten, dass der Offizier über die unermüdliche Opposition von Seiten Kotzebues in Zorn geriet und nach seinem Säbel griff. Kotzebue zog jedoch gemütlich seine mächtige Schnupftabakdose aus der Tasche, klopfte auf und präsentierte dem Erzürnten eine Prise davon, worüber dieser so stutzig wurde, dass er seinen Zorn vergaß und die Angelegenheit nach Kotzebues Wunsch zu Gunsten der Stadt erledigt wurde.“ Noch viele andere Begebenheiten und Anekdoten werden über ihn erzählt, in denen immer zu Ausdruck kommt, dass er mit der Erfüllung seiner Amtspflichten auch persönlichen Mut bewies. Leider sind diese Geschichten fast alle in Vergessenheit geraten, so wird durch die Benennung einer Straße Nienburgs nach ihm doch die Erinnerung an ihn wachgehalten.

Auch in kommenden Ausgaben sollen im BlickPunkt zum Sonntag wieder historische Stadtbilder zu sehen sein, verbunden natürlich mit der aktuellen Ansicht. Eine Aktion, die selbstverständlich für alle BlickPunkt-Leser geöffnet ist. Sie haben auch eines dieser schönen historischen Fotos? Und wissen möglicherweise eine nette Begebenheit zu dem jeweiligen Motiv zu berichten? Dann am besten mit der BlickPunkt-Redaktion unter Tel. 05021/960831 in Verbindung setzen oder gleich vorbeischauen beim BlickPunkt an der Langen Straße 3. Es wäre doch zu schade, wenn die vielen Eindrücke der Zeitzeugen aus der jüngeren Nienburger Vergangenheit verloren gingen.

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