„Initiativkreis Wissensburg“ legt Umfrageergebnisse vor

Deutliches Votum gegen Nienburger Innenstadt-Großprojekt

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In Nienburgs Fußgängerzone, direkt gegenüber des Rathauses, soll die Wissensburg gebaut werden.

Nienburg - von Leif Rullhusen. Das Ergebnis scheint überwältigend. Es erinnert fast ein wenig an Wahlergebnisse in totalitären Ländern. 

96 Prozent der Teilnehmer an der „Meinungsabfrage ‘Wissensburg’ “ stimmten nach Angaben der Initiatoren gegen das Projekt der Stadt Nienburg. Aufgerufen zu der Abstimmung hatte der „Initiativkreis Wissensburg“. 542 Menschen hätten sich daran beteiligt, 520 gegen den Bau des Zehn-Millionen-Euro-Projekts gestimmt, 15 dafür und sieben Stimmen seien ungültig, fasst die neunköpfige Gruppe zusammen.

Vor rund vier Wochen hatte der „Initiativkreis Wissensburg“ die Bevölkerung zur Teilnahme an einer Fragebogenaktion aufgerufen, um ein Stimmungsbild bezüglich des geplanten Neubauprojektes in Nienburgs Fußgängerzone einzufangen.

Gegenüber des Rathauses plant die Stadt seit Jahren die „Wissensburg“. Nach ihrer Fertigstellung soll sie unter ihrem Dach die Stadtbibliothek sowie das Stadt- und Kreisarchiv beherbergen. Das Investitionsvolumen beziffert die Stadt auf 10,6 Millionen Euro. Der Initiativkreis geht von 14 Millionen aus. Zwei Drittel der förderfähigen Summe könnten aus Landes- und Bundestöpfen fließen. Trotz Aussicht auf millionenschwere Förderung hält der Initiativkreis das Projekt für zu teuer. Er fordert statt dessen den Neubau eines Archives auf der „grünen Wiese“ und den Verbleib der Bibliothek im Posthof. Der müsste saniert und erweitert werden. Damit ließen sich einschließlich geringerer Zinsbelastung neun Millionen Euro sparen, behauptet der Initiativkreis.

Entsprechend formulierte er seine Abstimmungsbögen. Entscheiden mussten sich die Teilnehmer alternativlos zwischen den Plänen der Stadt Nienburg und der Initiativkreis-Variante die „mindestens neun Millionen Euro Steuergelder“ einspare. Eine Summe, die die Stadt für zu hoch angesetzt hält.

Das Abstimmungsergebnis hat der Initiativkreis nun der Stadt sowie den Ratsfraktionen mitgeteilt. Ende kommenden Monats wird er die dazugehörigen Dokumente vernichten. Zu sehen bekommt sie vorher niemand – mit einer Ausnahme. „Da den Teilnehmern eine vertrauliche Behandlung öffentlich fest zugesichert worden war, ist eine Einsichtnahme durch Dritte – ausgenommen durch einen Notar – aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht möglich“, erklärt Gerd Claußen vom Initiativkreis. Er versichert, dass die Listen nachprüfbar seien. Wenn die Stadt Wert darauf lege, könne sie jeder Zeit einen Notar beauftragen. Ob diese das Angebot annehmen wird, steht noch nicht fest. „Wir werden alles tun, was einem transparenten Verfahren dient“, erklärt Nienburgs Bürgermeister Henning Onkes gegenüber dem Blickpunkt. Das Ergebnis zeige, dass die Bürger sehr an ihrer schönen Stadt interessiert seien. „Die Anregung, zum Beispiel den Posthof-Platz zu bebauen, bereichert den Prozess um eine attraktive Innenstadt“, ist der Verwaltungschef überzeugt. „Wichtig ist es, dass wir mit richtigen Zahlen und Fakten in den Gremien transparent arbeiten.“ Diese Verantwortung für einen vertrauensvollen Prozess gilt für die Stadtverwaltung, aber auch für den Initiativkreis.

Der will aufgrund des Ergebnisses die Entwicklung des Projektes „Wissensburg“ in den kommenden Monaten weiter kritisch verfolgen. Zugleich werde man sich weiter um eine enge Zusammenarbeit mit der Stadt und den Fraktionen des Stadtrates bemühten.

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