Emotionale Podiumsdiskussion mit Landwirtschaftsminister Christian Meyer

Dicke Luft im „Lindenhof“

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Hans Kaufmann, Leiter der Volkshochschule Nienburg, Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer und der Landvolk-Vorsitzende Dr. Hans-Christian Hanisch (von links) saßen bei der Podiumsdiskussion am Rednerpult. ·

Hoya - Der „Lindenhof“ in Hoya platzte am Donnerstagabend fast aus allen Nähten: Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer und der Landvolk-Vorsitzende Dr. Hans-Christian Hanisch sprachen bei einer Podiumsdiskussion. Die Sitzplätze im Saal reichten nicht aus, einige Besucher mussten stehen. Die Stimmung war angespannt, die Diskussion wurde häufig von Zwischenrufen unterbrochen. Unter anderem ging es um die Agrarumstellung, das Trinkwasser in Hoya und die landwirtschaftlichen Produkte aus der Region.

Die Volkshochschule (VHS) Nienburg hatte die Podiumsdiskussion mit dem Thema „Die Zukunft auf dem Lande“ organisiert. Einige Zuhörer kamen extra aus Walsrode, einer sogar aus Schaumburg (Nähe Hannover), um mit dem Minister zu sprechen.

Meyer und Hanisch hatten zu Beginn der Veranstaltung jeweils 20 Minuten Zeit, ihre Sicht der Dinge vorzustellen. Meyer betonte, für wie wichtig er es halte, ein Bündnis aus Verbrauchern und Landwirten zu schaffen. Nur so könne man die Ziele Nachhaltigkeit, Umweltfreundlichkeit und Tierschutz erreichen. Er wiederholte dieses Ziel auch immer wieder in der Diskussion. „Die Verbraucher sind bereit, für Bio-Produkte mehr zu zahlen, und das sollten die niedersächsischen Bauern zu ihrem Vorteil machen“, sagte er. Dabei verlange er aber nicht, dass alle Landwirte auf Öko umstellen. „Aber die, die es möchten, sollen die Chance haben, in den Markt zu gelangen.“

Landvolk-Vorsitzender Hans-Christian Hanisch äußerte sich in seiner Stellungnahme kritisch zur Agrarwende – Eine Ökologisierung von Produktion, Handel und Konsum. „Wie wollen Sie es schaffen, auf Biolandwirtschaft umzustellen, wenn die Verbraucher laut einer Umfrage zu 95 Prozent auf Frische und zu 89 Prozent auf den Preis achten. Die Umstellung bringt nicht den Nutzen, den Sie sich vorstellen“, sagte Hanisch. Eine Zuschauerin rief dazwischen: „Geiz ist geil.“

Hanisch konfrontierte den Minister darüber hinaus mit einem Bild von ihm auf einer Demonstrationsveranstaltung in Berlin. Christian Meyer lief neben einem Plakat mit der Aufschrift „Wir haben es satt“. Die Mitglieder der gleichnamigen Gruppe veranstalten regelmäßig Demonstrationen gegen die Agrarindustrie. „Sie demonstrieren gegen die Landwirtschaft. Wir finden das nicht gut. Wie wollen Sie sich vor uns dafür rechtfertigen“, fragte Hanisch mit Nachdruck und erntete für diese Aussage viel Beifall.

Zuhörer rufen

dazwischen

Kaum hatte Hanisch sein Statement beendet, hoben die ersten Anwesenden ihren Arm. Ein Besucher forderte Hanisch direkt dazu auf, eine Differenzierung vorzunehmen. „Der Protest richtet sich nicht gegen die Landwirtschaft, sondern gegen die neue Landwirtschaft“, sagte er.

Einige Anwesende richteten Kritik an den Grünen-Landespolitiker: „Die Politik ist nicht unbedingt förderlich für uns. Den mittelständischen Betrieben geht es schlecht, sie werden massiv angegangen“, sagte ein Zuhörer. Und ein weiterer ergänzte: „Sie reden immer von Dialog. Wir konventionellen Landwirte merken nichts davon. Wir wollen mit Ihnen sprechen, vielleicht sind deswegen auch so viele hier.“ Meyer verwies auf seinen vollen Terminkalender: „Ich gehe in die Ställe und zu Sitzungen, ich kann nicht mehr tun.“

Mit der Frage konfrontiert „Was tun Sie eigentlich, um unsere Produkte zu bewerben?“, sagte der Minister: „Wir setzen auf Regionalität.“ Das sei ein großer Pluspunkt für Niedersachsen und für Hoya.

Einige Besucher aus Hoya interessierte besonders das Thema Trinkwasser. Die Samtgemeinde mischt seit einiger Zeit Harzwasser zum Trinkwasser, weil dieses mit Metaboliten belastet ist. „Was tun Sie dagegen? Werden Landwirte dahingegend überprüft, ob sie Giftstoffe verwenden?“, fragte eine Anwesende Hanisch und Meyer.

Hanisch: „Die Landwirte in diesem Bereich verzichten freiwillig auf jegliche Mittel. Es herrscht eine gute Zusammenarbeit.“ Und Minister Christian Meyer betonte: „Grundwasser hat ein langes Gedächtnis, es gilt, es zu schützen. Wir müssen dafür auch den Umwelt- und Tierschutz weiter verbessern.“

Den Austausch hatten sich einige Besucher des „Lindehofs“ anders vorgestellt. Ein Zuhörer sagte beim Verlassen des Restaurants: „Im Grunde haben die beiden nur mit sich selbst geredet und nicht mit uns.“ · at

Quelle: kreiszeitung.de

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