Unternehmerstammtisch erfährt mehr über neue Techniken und Arbeitskonzepte

Digital in die Zukunft

Sven Thöle führte die Teilnehmer des Unternehmerstammtischs durch die renovierten und zum Teil neu gebauten Räumlichkeiten des Gasthauses Thöle in Bücken. J Foto: Rebecca Göllner

Bücken - Von Rebecca Göllner. Ein Unternehmen, das stehen bleibt und sich nicht weiterentwickelt, hat am Markt kaum eine Chance. Offen zu sein für Neues, für die Veränderungen in der jeweiligen Branche oder sogar Vorreiter zu sein, bringt hingegen voran. Das wissen auch die Teilnehmer des Unternehmerstammtisches der Samtgemeinde Grafschaft Hoya. Am Dienstagabend trafen sie sich im Gasthaus Thöle in Bücken, um sich dem Thema „Digitalisierung“ zu widmen.

Von seinen Investitionen in die Zukunft berichtete zunächst Hausherr Sven Thöle. Erst vor Kurzem sei das Stammhaus in Bücken komplett renoviert worden. Neben einem neuen Saal, der Platz für rund 130 Gäste bietet, würden auch die Zimmer in frischem Glanz erstrahlen sowie über eine „an die heutige Zeit angepasste Ausstattung verfügen“. Zwei weitere Räumlichkeiten seien in erster Linie für kleinere Feierlichkeiten sowie Firmen-Veranstaltungen vorgesehen. Das Gasthaus wolle, so Sven Thöle, zukünftig den Fokus auf das Tagungsgeschäft legen. Dazu habe man bewusst in entsprechendes Equipment investiert. Ein weiteres wichtiges Thema sei die Fachkräfte- und Mitarbeitergewinnung. Wie in allen Branchen seien diese schwer zu finden.

Über digitale Geschäftsmodelle sprach Lea Tedja, die das Projektbüro „Digital Niedersachsen“ in Hannover leitet. „Wie wird die Zukunft der Arbeit aussehen“, fragte sie. Die Digitalisierung biete auf privater sowie beruflicher Ebene immer mehr Flexibilität und sei sehr vielfältig. Anhand einiger Beispiele verdeutlichte Lea Tedja, wie Firmen dies für sich nutzen können. So berichtete sie von einem Holzverarbeitungsbetrieb, der einen Möbelkonfigurator im Internet anbiete. Das Besondere daran sei, dass die Kunden sich zum einen ihren Tisch oder Stuhl nach Wunsch anfertigen sowie zum anderen alle Arbeitsabläufe via App und Benachrichtigung durch Mitarbeiter mitverfolgen könnten. Ihr Fazit: „Mithilfe der Digitalisierung verschwimmen die räumlichen Grenzen“.

Dass sich das Modell Arbeit im Laufe der letzten Jahrzehnte verändert hat, davon berichteten auch Laura Eckhardt und Verena Vellmer. Die beiden Frauen wollen im ehemaligen Sparkassen-Gebäude in Bücken einen sogenannten „Coworking Space“ einrichten. Einen Raum für Freiberufler, Selbstständige oder Kreative, die alle unter einem Dach sowohl miteinander, aber auch unabhängig voneinander arbeiten können. „Der Trend ist nicht neu“, erklärte Vellmer. In San Francisco sei bereits 2005 das erste derartige Büro entstanden, in Berlin vier Jahre später. In Deutschland würden solche Angebote zumeist in größeren Städten genutzt, weniger im ländlichen Bereich. „Das ändert sich gerade“, berichteten Vellmer und Eckhardt. Rund 70 Prozent der Landbevölkerung würde täglich zur Arbeit pendeln, wäre aber auch dankbar über eine Alternative. „Heute kann man schließlich von überall arbeiten“, meinte Vellmer. Das Prinzip der Heimarbeit beziehungsweise des Homeoffices habe sich nicht unbedingt bewährt, da man in den eigenen vier Wänden oft unkonzentriert sei und keinen Input von außerhalb habe.

Vorteile eines „Coworking Space“ seien unter anderem geringe Kosten, eine hohe Flexibilität, eine gute Infrastruktur, eine angenehme und soziale Atmosphäre sowie die Möglichkeit, Netzwerke aufzubauen.

Im Mai nächsten Jahres planen die Bückerinnen die Eröffnung des „Tokunfts Hus“, wie sie es nennen möchten.

Ein vom Bundesministerium zu 100 Prozent gefördertes Projekt stellte Andre Heinke aus Hannover vor. Das Kompetenzzentrum Mittelstand 4.0 unterstützt seit mehreren Jahren kleine und mittelgroße Unternehmen kostenlos bei der Digitalisierung ihrer Produktionsprozesse. Heinke verdeutlichte, dass die Technik nicht Arbeitsplätze gefährde, sondern unterstütze. Als Beispiel führte er die Schubs GmbH aus Hameln an, die Schaltschränke herstellt.

In der Vergangenheit hätten sich die Mitarbeiter dort mit dem zeitraubenden Bestücken der Schaltschränke aufgehalten, obwohl anspruchsvollere Aufgaben auf sie gewartet hätten. Das Kompetenzzentrum Mittelstand 4.0 konnte laut Heinke bei der Lösung helfen. Mitarbeiter des Zentrums entwickelten gemeinsam mit der Schubs GmbH ein digitales Assistenzsystem.

Einen Teil der Schaltschränke rüsten jetzt nach einer Schulung geistig Behinderte ein. Ein Beamer projiziert den Bauplan auf die Montageplatte im Schaltschrank. Wenn der Mitarbeiter aus einer Behindertenwerkstatt ein neues Bauteil unter einen Scanner hält, zeigt ein roter Lichtpunkt ihm, an welcher Stelle er es einsetzen soll.

Quelle: kreiszeitung.de

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