Drei Säulen, ein Künstler

Dietmar Brandstädter spricht über die Kunst und die Freimaurerei

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Dietmar Brandstädter zeigt eines seiner Werke. Es heißt „Die Räder“ und ist in einer Mischtechnik auf Papier entstanden. Im Hintergrund ein Reprint seines zeitgenössischen Logengemäldes, dessen wesentlich größeres Original einen Raum der Hoyaer Loge „St. Alban zum Æchten Feuer“ ziert.

Hoya - Von Horst Friedrichs. Auf drei Säulen ruht das symbolische Bauwerk der Freimaurerei, der Tempel der Humanität: Weisheit, Stärke und Schönheit heißen diese drei Säulen, die Trias. Die Säule Schönheit, so der in Martfeld lebende Künstler Dietmar Brandstädter, stelle zugleich den Bezug der Kunst zur Freimaurerei dar.

Damit leitete Brandstädter seinen Vortrag „Künstler, Kunst und Freimaurerei“ ein, den er am Dienstagabend im Heimatmuseum Hoya hielt. Zu der Veranstaltung im Rahmen der Sonderausstellung „Freimaurer in Hoya – 1786 bis heute. Loge ,St. Alban zum Æchten Feuer’“ begrüßte Museumsleiterin Ulrike Taenzer zahlreiche Gäste.

Brandstätter ist selbst Freimaurer und aktuell Kurator der Sonderausstellung im Hoyaer Museum. Künstlerisch geprägt haben ihn die 50er-Jahre im Ruhrgebiet durch seinen Vater Otto Brandstädter und dessen Freundeskreis. In diese Zeit fiel auch eine Begegnung Dietmar Brandstätters mit Otto Dix, der ihn angesichts der vorgelegten Arbeiten ermutigte, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen. Es folgten eine abgeschlossene Tischlerlehre sowie ein Studium freier Grafik an der Folkwangschule Essen und ein Architekturstudium an der Werkkunstschule Wuppertal. Berufliche Erfolge erzielte Dietmar Brandstätter ab 1968 in Berlin und ab 1976 in Bremen als Architekt und Architekturmodellbauer. 1979 zog er nach Martfeld und widmete sich erneut seinen eigenen künstlerischen Arbeiten.

Während es über die Säulen Weisheit und Stärke vergleichsweise weniger Diskussionsbedarf gebe, so Dietmar Brandstätter in seinem Vortrag, sei die Definition der Schönheit ungleich vielschichtiger. Dazu schilderte er in einem Rückblick zunächst die Entstehung des Kunstbegriffs und spannte den Bogen zur Magie der Bilder – von frühgeschichtlichen Höhlenmalereien bis zu heutigen Möglichkeiten der Bildschöpfung. „In Ästhetik und Schönheit wohnt eine Kraft, die sich nur dem erschließt, der sich darauf einlässt“, sagte Brandstätter. Als prägnantes Beispiel für die unterschiedlichen Empfindungen zum Begriff der Schönheit nannte er das berühmte Urinal von Marcel Duchamp aus dem Jahr 1917. Als umstrittenes Werk mit dem Titel „Fountain“ (Quelle, Brunnen) sei es in die Kunstgeschichte eingegangen und stelle noch heute einen Wendepunkt in der Diskussion über die Interpretation von Schönheit dar.

Durch die zunehmende Verstädterung der Welt, so Brandstädter weiter, verändere sich auch die Wahrnehmung des Menschen. Und: „Große Künstler kannten den Trost für die Zerbrechlichkeit des Menschen – die Schönheit.“ Erst sie mache das Leben lebenswert, umriss Brandstädter seine Schilderung des Erlebens der Schönheit. In ihrer Bedeutung für die Freimaurerei sei sie als dritte Säule wesentlicher Bestandteil der sogenannten Arbeiten, sprich der Rituale der Freimaurer. Zur „königlichen Kunst“ gezählt, seien letztere auch Gesamtkunstwerke, die dem Teilnehmer Erlebnisse, Kontemplation und Einsichten ermöglichen.

Die Ausstellung im Heimatmuseum (Im Park 1) ist bis zum 3. Juni jeden Sonntag von 15 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung zu sehen.

Quelle: kreiszeitung.de

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