Drittes Eystruper Dampfmaschinenfest

Wenn ein „Einfamilienhaus“ hin- und herfährt

Der Dampftraktor „Lena“ vom Hersteller „Wallis & Steevens“ gehört Carolina Schriever. Die Holländerin ist seit dem ersten Dampfmaschinenfest regelmäßig in Eystrup vertreten.

Eystrup - Von Vivian Krause. Wenn sich am Samstag und Sonntag, 29. und 30. Juli, der Verkehr in Eystrup staut, dann liegt das wahrscheinlich an fünf in Schrittgeschwindigkeit durch den Ort fahrenden Dampfmaschinen. Die kommen am Wochenende zum Eystruper Dampfmaschinenfest.

Um diese Fahrzeuge anzutreiben, wird die veranstaltende Interessengemeinschaft Industriedenkmal Senffabrik Leman vom Deutschen Eisenbahn-Verein (DEV) aus Bruchhausen-Vilsen mit zwei Tonnen Kohle versorgt.

Vom „Elephant“ gibt es weltweit nur noch drei Exemplare

Für das dritte Dampfmaschinenfest am Bahnhof haben sich erneut große und kleine Gefährte angekündigt. Zum ersten Mal dabei ist der Dampf-Lkw „The Elephant“ von Elina Hondema, die aus den Niederlanden anreist. Das Fahrzeug wurde 1924 gebaut und kommt vom Hersteller „Sentinel Wagon Works“ aus Großbritannien. Die Besucher kriegen das älteste von weltweit nur noch drei existierenden Exemplaren zu Gesicht.

Auch neu im Großdampfmaschinen-Quintett ist der Lkw „Foden“, eine Maschine des gleichnamigen britischen Unternehmens, aus dem sich später die Lkw-Marke „ERF“ („Edwin Richard Foden“) entwickelte. Besitzer des 99 Jahre alten Fahrzeugs ist Phil Retman aus Großbritannien.

Dampfbagger wurde acht Jahre lang restauriert

Der laut den Organisatoren Wolfram-Wernher Köhr, Horst Müller-Kuntzer und Heinrich Ravens einzige derzeit noch voll funktionsfähige Dampfbagger Deutschlands findet ebenfalls seinen Weg nach Eystrup: der „Bünger Dampfbagger“. Das Gefährt mit dem Baujahr 1934 wurde von seinem Besitzer Peter Meyer selbst wieder fit gemacht. Dafür nahm sich der Maschinenbauingenieur acht Jahre Zeit.

Der einzige noch voll funktionsfähige Dampfbagger Deutschlands kommt nach Eystrup: der „Bünger Dampfbagger“.

„Miss Elli“, eine Straßendampfwalze von 1925, gehört Gerard Leeraar. Die Maschine des deutschen Herstellers „Ruthemeyer“ (Soest) machte der Besitzer innerhalb von fünf Jahren wieder betriebsfähig.

Ein alter Hase in Eystrup ist Carolina Schriever. Sie ist seit der ersten Auflage des Fests fester Bestandteil auf dem Gelände rund um den Eystruper Bahnhof. Mit ihrem Dampftraktor „Lena“ vom Hersteller „Wallis & Steevens“ hat sie eine Maschine des Baujahrs 1905 unter sich. Die Organisatoren lernten die Niederländerin auf der Flensburger Messe „Dampf Rundum“ kennen. „Wir haben dort viele Leute angesprochen, ob sie Interesse am Eystruper Dampfmaschinenfest haben“, blicken die Veranstalter zurück. „Nur Carolina sagte: ,Ja, ich komme.‘“ Nur durch Kontakte kann so ein großes Fest überhaupt Erfolg haben. „Man kennt sich in der Szene“, sagt Wolfram-Wernher Köhr.

Neben den originalen können fahrtüchtige Nachbauten betrachtet werden

Die Anreise der fünf Großdampfmaschinen ist laut Horst Müller-Kuntzer sehr kostspielig. Pro Maschine belaufen sich die Transportkosten auf rund 1500 Euro, „je nach Größe des Gefährts“. Die Maschinen werden auf Tiefladern nach Eystrup transportiert. „Das ist ein teures Hobby, die Fahrzeuge haben großen Wert. Da fährt ein Einfamilienhaus hin und her“, sagt Wolfram-Wernher Köhr. Die Interessengemeinschaft kommt für die Transport- und für die Verpflegungskosten der Besitzer auf.

Auch in Betrieb geht am Wochenende die Dampfmaschine der Senffabrik Leman. Sie ist die größte betriebsfähige Stationärdampfmaschine Norddeutschlands.

Rühren die Werbetrommel fürs Fest: (von links) Wolfram-Wernher Köhr, Horst Müller-Kuntzer und Heinrich Ravens von der veranstaltenden Interessengemeinschaft Industriedenkmal Senffabrik Leman.

Neben den restaurierten Originalen können die Gäste auch fahrtüchtige Nachbauten einiger Modelle im Maßstab eins zu vier sehen. Auch etliche Miniaturen gilt es zu bestaunen.

Das Fest beginnt an beiden Tagen um 10 Uhr und endet um 18 Uhr. Auf dem Gelände gibt es Essen und Getränke. Gegen 16 Uhr ist jeweils ein Korso geplant, außerdem führt Gotthard Sonneborn, Vorsitzender des Vereins „Freundeskreis Strassendampf“ aus Grasberg (Landkreis Osterholz), den Zuschauern die einzelnen Maschinen vor.

Der Besuch der Veranstaltung ist kostenlos, die Organisatoren bitten jedoch um eine Spende. Weitere Informationen gibt es im Internet:

Quelle: kreiszeitung.de

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