Effizienz in Kläranlagen: Nienburger Kreisverband will 40 Prozent Energie einsparen

Vor allem geht es um die Luft

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Anlagenverantwortlicher Lutz Bade und Abwassermeisterin Bianca Nitsch am Leitstandrechner der Kläranlage Lemke.

Drakenburg/Lemke. Dass vor allem frische Luft in Kläranlagen eine entscheidende Rolle spielt, darauf würde man als Laie kaum kommen. Und man würde auch nicht vermuten, dass die Belüftung der größte Energieverbraucher ist.

Hier sieht man beim Kreisverband für Wasserwirtschaft erhebliches Einsparpotenzial. Das soll genutzt werden.

Unter dem Stichwort „Energieeffizienz“ hat der Kreisverband bereits 2012 Klimaschutz-Teilkonzepte für sechs der sieben von ihm betreuten Kläranlagen aufgestellt. „Alles wurde durchleuchtet“, sagt Axel Brause, Abteilungsleiter Abwasserbeseitigung beim Kreisverband. „Kleine Maßnahmen haben wir sofort umgesetzt.“ Lutz Bade, verantwortlich für die Kläranlage Lemke, nennt als ein Beispiel einen Ventilator, der 24 Stunden nonstop lief. Jetzt läuft er jede Stunde für fünf Minuten. „Das reicht völlig“ – und spart Strom und damit Geld. Wo es Sinn macht – etwa in Steimbke oder Lemke – installierte der Kreisverband Photovoltaikanlagen auf den Hallendächern. Die Lemker PV-Anlage produziert rund 70 000 Kilowattstunden (kWh) im Jahr. Der Strom wird direkt in der Kläranlage genutzt: „Eine Einspeisung ins öffentliche Netz würde sich nicht rechnen“, so Brause. Auf den Eigenbedarf abgestimmt, macht die PV-Anlage wirtschaftlich Sinn und entlastet die Umwelt.

Bislang wird die Luft mit großem Energieaufwand von oben in das Wasser gerührt. Künftig steigt die Luft vom Boden auf und verteilt sich im Becken.

Die richtig „dicken Brocken“ in puncto Energieverbrauch sind aber ein anderes Kaliber. „Die Belüftung der biologischen Reinigungsstufen – das ist in jeder Kläranlage der größte Energieverbraucher“, sagt Bianca Nitsch. Die Abwassermeisterin ist zuständig für sämtliche vom Kreisverband betreuten Kläranlagen. In der biologischen Reinigungsstufe sind Mikroorganismen damit beschäftigt, Schmutzteilchen zu zersetzen – mit anderen Worten: Sie fressen sie auf. Dafür brauchen die kleinen Kerlchen Sauerstoff. „Im Prinzip“, so Nitsch, „ist das nicht anders als in einem Fluss. Nur dass die Reinigung dort über eine lange Fließstrecke stattfindet und bei uns eben konzentriert im Becken.“

In Drakenburg und Lemke wird die Luft bislang noch von oben in das Schmutzwasser „gerührt“. Das ist laut, sehr energieaufwändig und wenig effektiv. „Damit die Mikroorganismen den Sauerstoff optimal nutzen können, muss die Luft möglichst langsam und über die gesamte Fläche des Beckens aufsteigen“, weiß Nitsch.

Statt die Luft also von oben ins Wasser zu rühren, werden im kommenden Jahr auf dem Beckenboden Belüftermatten installiert. Bei deren Platzierung werden die Strömungs- und Verwirbelungsverhältnisse im Becken berücksichtigt, sodass der Sauerstoff optimal genutzt wird. Die Energieeinsparung ist immens. Axel Brause: „Die Kläranlagen in Lemke und Drakenburg verbrauchen rund eine Million beziehungsweise 720 000 Kilowattstunden im Jahr. Rund zwei Drittel davon werden für die Belüftung der biologischen Stufe eingesetzt. Künftig sinkt der Verbrauch um 40 Prozent.“ Anders gesagt: Der durch die Belüftermatten in beiden Kläranlagen eingesparte Strom würde reichen, um rund 220 Haushalte mit Strom zu versorgen.

Die Umstellung der Belüftung kostet für die Anlage in Lemke rund 800 000 Euro; für Drakenburg ist sie mit 870 000 Euro veranschlagt. Aber: „Angesichts des wirklich beachtlichen Beitrags zum Klimaschutz und zum effizienten Einsatz von Energie werden die Projekte aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung gefördert – mit je 50 Prozent der Investitionskosten.“

Das ist zwar für die Bürger erfreulich – dem Ingenieur ist aber wichtig, dass sich die Umstellung der Belüftertechnik auch ohne die Förderung rechnen würde: Für Drakenburg erwartet Brause jährliche Einsparungen von rund 70 000 Euro; für Lemke prognostiziert er 80 000 Euro weniger Stromkosten. Hinzu kommen der ökologische Nutzen, eine tendenziell bessere Klärung des Wassers und eine geringere Lärmbelästigung für die Mitarbeiter auf der Anlage.

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