Ehrenamtliche kümmern sich um Elektrogeräte, Holz, Räder und Textilien

Reparieren statt Wegwerfen

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Gemeinsame Fehlersuche an den Tischen im VHS-Werkraum.

Nienburg - Von Anika Bokelmann. Es dauert einige Zeit, bis Holger Lüddecke herausgefunden hat, wie er an das Innenleben des blauen Staubsaugers herankommt. Doch als er mit speziellem Werkzeug diesen Arbeitsschritt erledigt hat, geht die Fehlersuche erst richtig los. Im Repair-Café in Nienburg kümmern sich an jedem ersten Donnerstag im Monat von 17 bis 20 Uhr 13 Ehrenamtliche um defekte Gegenstände aus den Bereichen Elektro, Computer, Holz, Räder und Textilien.

„In erster Linie war ich neugierig, was hier gemacht wird“, so die Begründung einiger Hilfesuchenden. Im Keller der Volkshochschule (VHS) an der Rühmkorffstraße bietet die Bildungseinrichtung in Kooperation mit dem Diakonischen Werk seit September den Dienst der Reparaturexperten an. Und die sind in der Regel erfolgreich, berichtet Marion Schaper.

Die Diakonie-Geschäftsführerin erinnert sich lediglich an einen Flachbildfernseher, bei dem die Tüftler bislang nicht herausfinden konnten, was sein Versagen ausgelöst hatte. Bis zu 20 Personen seien zu den bisher fünf Repair-Café-Terminen gekommen – „ein hoher Anteil an Älteren, aber auch jüngere Leute, die Schwierigkeiten mit ihrem Computer haben“, so Schaper zum Klientel, das sich ihren Beobachtungen zufolge aus den unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten zusammensetzt.

Das Angebot ist kostenlos, ein freiwilliger Beitrag bei einer erfolgreichen Reparatur unterstützt die Organisatoren allerdings bei Anschaffungen. Schließlich stellen sie Kleber, Schrauben, Strom und andere Dinge zur Verfügung. „Nur wenn größere Ersatzteile nötig sind, muss der Kunde das selber mitbringen“, erklärt Claudia Hiesemann-Wienkamp. Die Diplom-Ingenieurin ist Mitbegründerin des Repair-Cafés und hat die Aktivitäten auch schon selbst in Anspruch genommen.

„Einige haben einfach nicht die Möglichkeit, sich ein neues Gerät anzuschaffen. Für andere ist es ein Versuch, geliebte Gegenstände vor dem Müll zu bewahren“, fasst Hiesemann-Wienkamp zusammen und freut sich, dass mit dem Angebot Ressourcen geschont würden. Und Marion Schaper ergänzt: „Das Repair-Café unterstützt den Auftrag der Kirche, für Frieden und Gerechtigkeit zu sorgen.“

Hilfe zur Selbsthilfe lautet das Motto, denn die Reparaturexperten arbeiten mit den Besuchern zusammen und suchen nach Fehlern, um sie dann zu beheben. So näht Ute Pitt mit ihrer Kundin eine Arbeitshose um und erklärt ihr, wie sie künftig selbst solche Handarbeiten vornehmen kann. „Nähen gehört zu meinen hausfraulichen Qualifikationen“, erklärt Pitt, die nicht nur ihre Zeit, sondern auch ihr Wissen gerne für das Repair-Café zur Verfügung stellt. Schließlich würden sich auch immer nette Gespräche ergeben – mal dreht es sich um den neuesten Klatsch, mal um das aktuelle Weltgeschehen.

Nachdem die Besucher ihr Anliegen an der Anmeldung vorgetragen und sich mit der Hausordnung einverstanden erklärt haben, können sie die Wartezeit bei einer Tasse Kaffee und Gebäck verbringen. Auch zwischen Tischen mit den unterschiedlichen Schwerpunkten herrscht reger Austausch: schnell einen Rat einholen, nach Schraubenzieher oder einem Mehrfachstecker fragen.

Interessant sei für die Ehrenamtlichen auch, was die Besucher mitbringen würden. „Bei einem Gerät aus den 30er-Jahren haben wir erstmal gerätselt, wofür man es nutzt“, erinnert sich Schaper. Schließlich hätten sich die Ehrenamtlichen darauf geeinigt, dass es wohl ein Therapiegerät sein müsste, so die Diakonie-Geschäftsführerin.

Wer kaputte Elektrogeräte, Räder oder Kleidungsstücke besitzt und selber keinen Rat mehr weiß, kann auch künftig einmal im Monat beim Repair-Café vorbeischauen. „Es sind noch nicht alle Bereiche so ausgelastet, wie es möglich wäre“, informiert Hiesemann-Wienkamp. Die Experten für Möbel und Computer hätten oft noch Kapazitäten. „Wir kümmern uns auch um Holzspielzeuge oder Ähnliches“, so die VHS-Mitarbeiterin.

Allerdings müssten Hilfesuchende beachten, dass keine Garantie gegeben werden könne, dass defekte Geräte nach der Reparatur wieder einwandfrei funktionieren. „Alles was man tragen und zu uns bringen kann“, antwortet Marion Schaper auf die Frage, welchen Gegenständen sich die Reparaturfachleute annehmen. Die Männer und Frauen beschäftigen sich dann im VHS-Werkraum mit dem Problem und gehen nach individueller Einschätzung den Defekt an. Denn das Motto des Repair-Cafés lautet „Wegwerfen? Denkste!“.

Quelle: kreiszeitung.de

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