Vom Pressetermin zum Roadmovie

Mein Microabenteuer: Probefahrt im E-Mobil VW ID.3

Probefahrt Südring
+
Instructor Waldemar Frey weist die Teilnehmer in die Technik des ID.3 ein. 

Nienburg. Vom Pressetermin zum Roadmovie: Redakteurin Maren Hustedt schildert ihre erste persönliche Begegnung mit der E-Mobilität.

Das war mal wieder klar. Alle fahren los und ich gucke dumm. „Nur reinsetzen, der Rest geht automatisch“, hatte der jung-dynamische Typ von VW gesagt. Warum leuchtet dann bei mir noch das „P“ für Parken? Ein Mann geht vorbei. Er ist bekleidet mit einem Blaumann, was ihn für mich als Kfz-Spezialisten ausweist. Hektisch öffne ich die Autotür – das einzige, was ich mich zu tun traue in diesem High-Tech-Strom-Vehikel – und winke ihn herbei. „Der Arme weiß gar nicht, was ich von ihm will“ – denke ich noch, als er schon mit ausgestrecktem Finger auf’s Lenkrad deutet: „Den Knopf da auf ‘D’. Dann geht’s los.“ Ich staune. Er hat recht. Das Auto bewegt sich. Fast unhörbar aber zügig. Nun beginnt es also, mein Micro-Abenteuer, das sich geschickt als Routine-Pressetermin getarnt hatte.

Zeit, dem Phänomen E-Mobilität einmal persönlich zu begegnen

Ob ich wohl Lust hätte, ein E-Auto Probe zu fahren? Mein Kollege blickt mir auffordernd in die Augen. Einer so direkten Ansprache kann ich nur schwer widerstehen. Außerdem ist E-Auto fahren schon fast alltäglich, wenn man sich so umguckt. Unsere Nachbarn haben sogar ein eigenes. Also ist es an der Zeit, dem Phänomen E-Mobilität einmal persönlich zu begegnen, entscheide ich.

In Erwartung einer entspannten Rundfahrt durch die Stadt – auf eigene Faust und vielleicht sogar mit Gelegenheit, ein Paket zum Versand aufzugeben – treffe ich am Autohaus Südring ein. Dort begrüßt mich besagter „Typ“ vom „VW Driving Experience-Abenteuer, Trainings und fahren am Limit!“ Sein strahlendes Lächeln gilt nicht nur mir, sondern auch fünf weiteren Probanden, deren Anwesenheit ich nicht erwartet hatte. Ich staune nicht schlecht, als unser „Instructor“ den weiteren Ablauf beschreibt. Wir fahren gemeinsam, hintereinander her, sollen zusammen bleiben, ihm folgen und über Funk weitere Instruktionen erhalten. Wenn jemand verloren geht, sammelt er ihn wieder ein, versprochen. Zitat: „Es gibt keinen Grund zur Beunruhigung.“

Ich versuche, meinem Herzschlag Einhalt zu gebieten

In meinem Inneren keimt Unruhe auf. Während die anderen munter Fragen stellen zu den weiß lackierten ID.3 Elektromobilen, die in akkurater Reihe für uns bereit stehen, versuche ich meinem Herzschlag Einhalt zu gebieten. Beim Einsteigen in das moderne Gefährt spreche ich mir leise Mut zu: „Du fährst ja nicht erst seit gestern Auto.“

Waldemar Frey erklärt, wie der ID.3 „getankt“ wird.

Einige Minuten später fahren der ID und ich tatsächlich durch Nienburg. Konzentriert versuche ich Anschluss an die Gruppe zu halten und nichts zu berühren, was für Überraschungen sorgen könnte. Rechter Fuß gibt Gas, rechter Fuß bremst. Linker Fuß tut gar nichts. Okay. Aus dem Funkgerät tönt die launige Stimme vom „Instructor“, der übrigens Waldemar Frey heißt: „Wir fahren jetzt auf die Umgehungsstraße und probieren das ACC aus.“ ACC – der Abstandsregeltempomat? Mir ist mulmig. Will ich überhaupt, dass das Auto für mich entscheidet, wie dicht ich auffahre und wann ich bremse? Es bleibt mir keine Gelegenheit, mich mit den ethischen Fragen zur Automatisierung des Straßenverkehrs zu beschäftigen. Schließlich bin ich eine investigative Journalistin und liebe das Abenteuer: Ich drücke den Knopf.

Das Auto reagiert rechtzeitig, viel schneller als mein Mann

Das Auto beschleunigt. Wir befinden uns in einer 100er-Zone. Der ID hat es mitgekriegt – im Gegensatz zu mir. Ein ganz bisschen fühle ich mich wie früher im Musikexpress. Zügig nähern wir uns dem nächsten Kofferraum. Meine Aufmerksamkeit rutscht in den Bremsfuß – den rechten. Kurz bevor er zuckt, reagiert das Auto und drosselt die Geschwindigkeit. Es hat gepasst! Ich atme aus. Kennen Sie diesen Moment? In dem sie sich selbst rufen hören: „Brems jetzt! Du bist zu dicht.“ Das Auto reagiert rechtzeitig, viel schneller als mein Mann (Bitte verzeih). Ich entspanne mich. Rote Ampel – gelb – grün: Ich gebe dem Auto ein sanftes Zeichen zum Fahren, schalte ACC ein und beobachte.

Die Sache beginnt, mir Spaß zu machen. Der Sitz ist auch sehr bequem, stelle ich fest. Und in den Kurven Richtung Schessinghausen liegt der ID gut auf der Straße. Instructor Waldemar leitet die Gruppe auf einen Parkplatz und fordert uns auf, zu wenden. Auf sein Geheiß hin schlage ich das Lenkrad ein. „Ein bisschen wie in der Fahrschule“, kichere ich. Motiviert kurble ich herum und staune über die Wendigkeit dieses E-Mobils.

„Du brauchst es dem Auto nur zu sagen“

Waldemar Frey steht auf dem Parkplatz und sagt wieder etwas an. Wenn nur das Gebläse nicht so laut wäre... Aber wie? Es hilft nichts – Knopf drücken, Fenster runter und rangewinkt. „Du brauchst es dem Auto nur zu sagen“, lautet die prompte Antwort. Heimlich verdrehe ich die Augen. Nach meinen Kommunikationsproblemen mit unserer Alexa, erwarte ich wenig. „Hallo ID“, spreche ich dem Instructor nach. „Stell die Klimaanlage auf 20 Grad.“ Der Geräuschpegel sinkt unmittelbar. Das Auto hat mich verstanden. Dann kann es ja weitergehen. Wird auch Zeit. Mein rechter Fuß, den ich permanent fest auf die Bremse presse, sehnt sich nach Entspannung. Denn – wie man das Auto ausschaltet, will ich jetzt nicht auch noch fragen...

Waldemar Frey gibt Anweisungen: „Ein bisschen wie in der Fahrschule“.

Wir starten den letzten Teil unserer Ausfahrt und sollen vom Eco-Modus in den Sportmodus wechseln. Nachdem ich die Einstellung „B“ – mit verstärkter Schubrekuperation – vorhin schon wegen drohender Überforderung ausgelassen hatte, zwinge ich mich jetzt dazu, den entsprechenden Knopf zu drücken. „Achten Sie nun bitte genau darauf, wie gut das Auto die Unebenheiten der Straße ausgleicht“, insistiert der Instructor. Wenig später stimme ich ihm begeistert zu.

Wie man das Auto ausschaltet, weiß ich immer noch nicht

Ich fühle mich inzwischen richtig wohl in meinem ID.3 und bedaure die Ankündigung, dass wir zum Ende der Tour kommen. Beim letzten Einbiegen auf den Parkplatz des Autohauses Südring macht mein rechter Arm unvermittelt eine Art Wedelbewegung – vermutlich auf der Suche nach der Gangschaltung. Mein Bewusstsein erinnert ihn daran, dass sein Einsatz nicht vonnöten ist. „Die Macht der Gewohnheit ist unterschätzt“, denke ich und rolle ebenso zufrieden wie präzise in meine Parklücke. Dort angekommen... bleibe ich still sitzen. Denn – wie man das Auto ausschaltet, weiß ich immer noch nicht. Der freundliche Herr im Auto neben mir flüstert rücksichtsvoll. Er habe gar nichts getan. Das kann ich wohl auch, öffne die Autotür, und blicke zufrieden auf das leuchtende „P“ für Parken.

In lockerer Abschlussrunde erzählt Verkaufsleiter Carsten Thomas von technischen Möglichkeiten der VW-Elektromobile, wachsenden Reichweiten, von Preisen, lukrativen Förderungen und langen Wartelisten. Schließlich verabschiede ich mich, um mit meinem eigenen Auto zum Paketshop zu fahren. Ganz schön klein mein Wagen, denke ich. Und schmutzig. Wächst da eigentlich ein kleiner Wald auf meinem Dach? Ich sinke in den ausgeleierten Sitz und drehe den Schlüssel im Schloss herum. Vorsintflutlich! Ist mein Up jetzt bockig oder reagiert er immer so langsam? Entschieden schüttle ich nun die aufkeimende Unzufriedenheit ab und – beschließe, das Bestmögliche aus der Situation zu machen. An der nächsten Tankstelle kaufe ich eine Waschkarte. Mehr Upgrade ist gerade nicht drin.

Das könnte Sie auch interessieren

Leben

Pixel 5 und 4a 5G im Praxistest

Pixel 5 und 4a 5G im Praxistest
Reisen

Mit kleinen Kutschen durch Corona-Sommer

Mit kleinen Kutschen durch Corona-Sommer
Genuss

Mit diesen Lebensmitteln schlemmen Sie schlechte Laune ganz einfach weg

Mit diesen Lebensmitteln schlemmen Sie schlechte Laune ganz einfach weg
Leben

So geht Brot auf Europäisch

So geht Brot auf Europäisch

Meistgelesene Artikel

Corona-Fälle im Landkreis Nienburg: 7-Tage-Inzidenzwert sinkt auf 35,4

Corona-Fälle im Landkreis Nienburg: 7-Tage-Inzidenzwert sinkt auf 35,4

Nienburger Polizei sucht Schlüsselbesitzer

Nienburger Polizei sucht Schlüsselbesitzer

Jäger verwechselt Kollegen mit Nutria und erschießt ihn

Jäger verwechselt Kollegen mit Nutria und erschießt ihn

Nienburg: Zahl der Corona-Infektionen steigt schnell

Nienburg: Zahl der Corona-Infektionen steigt schnell

Kommentare