Eine Fahrradtour durch das Baltikum

Rosemarie Waldeck nimmt 100 Frauen mit auf ihre Reise

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Die Referentin Rosemarie Waldeck (rechts) mit der Vorsitzenden Imke Wicke (links) und Galina Frieling (Mitte).

Bücken - Von Uwe Campe. Im Rahmen seines Jahresprogramms hat der Landfrauenverein Hoya kürzlich zu einer weiteren Vortragsveranstaltung ins Gasthaus Thöle in Bücken eingeladen, zu der Vorsitzende Imke Wicke neben zwei Vortragenden über 100 Teilnehmerinnen begrüßte.

Zunächst vermittelte Galina Frieling aus Hoyerhagen einen kurzen Überblick über die im Juli dieses Jahres nach einjähriger Pause wieder geplante Hilfsaktion für Kinder aus dem ukrainischen Tschernobyl (wir berichteten).

Nachdem sich die Frauen anschließend bei Kaffee und Kuchen gestärkt hatten, nahm Rosemarie Waldeck aus Wendeburg bei Peine die Teilnehmerinnen in ihrem Lichtbildervortrag mit auf eine zwar schon einige Zeit zurückliegende, aber dennoch hochinteressante Fahrradtour durch das Baltikum.

Nach wochenlangen intensiven Vorbereitungen, bei denen unter anderem die Reiseroute festgelegt, Vorbuchungen vorgenommen und eine Vielzahl weiterer Details geplant und organisiert werden mussten, waren Rosemarie Waldeck und Freundin Jutta Jassens im Juli 2010 zu einem dreiwöchigen Fahrradtrip aufgebrochen, der sie über Estland, Lettland und Litauen ins heute polnische Danzig (Gdansk) führte. Die nach Auflösung der Sowjetunion seit Beginn der 1990er-Jahre wieder selbstständigen baltischen Staaten haben eine in langen Abschnitten eng mit der deutschen Geschichte verbundene Vergangenheit. Die inzwischen der Europäischen Union angehörenden, touristisch gut erschlossenen Länder hatten daher schon seit Längerem das Interesse der beiden Frauen für ein derartiges Projekt geweckt.

Start in Berlin

Los ging es in Berlin, wo am Flughafen gleich die erste Hürde zu überwinden war, mussten doch die beiden Trekking-Räder für den Flug nach Tallin (auf Deutsch: Reval) teilweise auseinandergebaut und präpariert werden. In der estländischen Hauptstadt angekommen, erkundeten die beiden Frauen erst einmal die alte Hansestadt mit dem Rad und besuchten die in der Innenstadt angetroffene Statue des glücklichen Schornsteinfegers als gutes Omen für die weitere Reise. Überall fanden sich zudem Spuren der sogenannten „singenden Revolution“ aus dem Jahr 1988, die Estland auch die Bezeichnung „Land der tausend Stimmen“ einbrachte.

Auf nach Pernau

Nach einem weiteren Tag mit vielen Besichtigungen ging es dann endlich richtig mit dem Fahrrad los. Etwa 100 Kilometer mussten mit Muskelkraft zurückgelegt werden, um in die Hafenstadt Pärnu (Pernau) am Rigaer Meerbusen zu gelangen. Über den Grenzort Häädemeeste (Gudmannsbach), dessen Sandstrände an der Ostsee im Sommer viele Touristen anlocken, ging es am folgenden Tag weiter nach Lettland, wo via Sigulda (Segewold) auch der berühmte Gauja Nationalpark besucht wurde. Riga ist die Hauptstadt Lettlands und mit rund 700 000 Einwohnern zugleich die größte Stadt des Baltikums. Sie ist bekannt für ihre Jugendstilbauten und ihre großzügige Anlage sowie für die gut erhaltene Innenstadt, darunter besonders die Altstadt. In der ehemaligen Hansestadt stießen die beiden Reisenden auf viele historische Zeugnisse, etwa das berühmte Schwarzhäupterhaus. Auf die 1985 begründete enge partnerschaftliche Verbindung nach Bremen wiesen Roland und die Stadtmusikanten.

Von Riga nach Libau

Die Strecke von Riga ins 280 Kilometer entfernte Liepaja (Libau) legten die beiden Frauen dann per Bus zurück. Liepaja verfügt über eine sehenswerte Innenstadt und gilt als die lettische Hauptstadt der Rockmusik.

Weiter geht‘s nach Memel

Über das bereits litauische Palanga (Polangen) führte die Reiseroute weiter in die Hafenstadt Kleipeda (Memel), von wo die zwei die 87 Kilometer lange und an ihrer schmalsten Stelle nur 300 Meter breite Kurische Nehrung übersetzte. Berühmt sind hier die Dünen und der ehemalige Fischer-, später aber zunehmend Künstlerort Nida (Nidden), denen Agnes Miegel mit ihrem Gedicht „Die Frauen von Nidden“ ein lyrisches Denkmal gesetzt hat. Besondere Bedeutung für die wissenschaftliche Erforschung des Vogelzugs kommt dort auch der weltweit ersten Vogelwarte in Rybatchi (Rositten) zu.

Mit dem Bus ins russische Königsberg

Auf der Busfahrt ins heute russische Kaliningrad (Königsberg) mussten sie erstmals strenge Grenzkontrollen über sich ergehen lassen. Von der ehemaligen Haupt- und Residenzstadt Ostpreußens, wo Waldeck und Jassens die Fahrräder aus Sicherheitsgründen mit auf das Hotelzimmer nahmen, zeigte sich die Vortragende allerdings enttäuscht. Immerhin seien die beiden aber durch den Besuch eines Konzerts der Wiener Philharmoniker, der ein absoluter Höhepunkt der Reise war, entschädigt worden.

Angekommen in Danzig

Gdansk (Danzig), das über Frombork (Frauenburg), Neukrug und Stegna erreicht wurde, war dann das genaue Gegenteil. Die mit vielen historischen Sehenswürdigkeiten ausgestattete Stadt war nach Worten von Waldeck eine einzige Augenweide.

Letzter Stopp: Rostock

Über Sopot (Zoppot) und Gdynia (Gdingen) bewältigten sie mittels einer Fähre den letzten Reiseabschnitt nach Rostock, wo die beiden Frauen nach dreiwöchiger Tour wohlbehalten ankamen und von ihren Angehörigen abgeholt wurden.

In dem durch Dias anschaulich unterlegten Vortrag zeigte sich, dass diese Form der Reise besonders geeignet ist, Eindrücke zu sammeln sowie Land und Leute kennenzulernen. Dass die beiden unternehmungslustigen und durchaus auch mutigen Frauen ihren etwa 1 300 Kilometer langen Weg von Tallin nach Danzig, von dem sie etwa 800 Kilometer mit dem Rad und 500 Kilometer mit anderen Verkehrsmittel zurückgelegten, ohne größere Schwierigkeiten bewältigen konnten und zudem auch von jeglichen Pannen verschont blieben, könnte auch an dem Schornsteinfeger in Tallin liegen, der ihnen womöglich Glück gebracht hat.

Nächste Veranstaltung der Landfrauen:

Der Diplom-Pädagoge Thomas Rupf hält am Montag, 18. Februar, um 19.30 Uhr im Bücker Gasthaus „Thöle“ (Hoyaer Straße 33) einen Vortrag über „Eltern zwischen Macht und Ohnmacht“.

Quelle: kreiszeitung.de

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