Brasilianerin Jessica Holz arbeitet auf dem Milchhof Grimmelmann / Zum ersten Mal Schnee gesehen

Eine plattdeutsche Überraschung

Die Brasilianerin Jessica Holz kümmert sich während ihres Praktikums in Schweringen neben der landwirtschaftlichen Arbeit auch um Luisa (v.l.), Christoffer, Lukas (vorne) und Sebastian.

Hoya - SCHWERINGEN (kk) · Sie ist 19 Jahre jung, kommt aus dem brasilianischen Vila Pavão und macht derzeit ein Praktikum auf dem Milchhof Grimmelmann in Schweringen – doch neben Portugiesisch spricht sie auch Plattdeutsch. Und das sehr gut.

„Für uns war es eine riesige Überraschung“, erinnert sich Hermann Grimmelmann an den Tag zurück, als er Jessica Holz kennenlernte. Bereits seit mehreren Jahren ermöglicht er gemeinsam mit seiner Frau Dörte jungen Menschen verschiedener Nationen über ein Auslandsprojekt der „Deula Nienburg“, einer überbetrieblichen Aus- und Fortbildungsstätte, ein landwirtschaftliches Praktikum auf seinem Milchhof. Jessica Holz profitiert davon und lebt seit dem 18. August bei Familie Grimmelmann. Voraussetzung, um an diesem Projekt teilnehmen zu können, sind unter anderem auch Deutschkenntnisse. Doch dass die 19-Jährige nur Platt spricht, damit hatte auf dem Milchhof keiner gerechnet. Dafür war das Eis umso schneller gebrochen, und „inzwischen spricht sie auch gut hochdeutsch“, betont Dörte Grimmelmann. Das kommt nicht zuletzt durch den Umgang mit den vier Enkelkindern, die kein Wort Platt sprechen.

Zu Anfang des 20. Jahrhunderts ist Holz‘ Urgroßmutter über den Seeweg von Deutschland nach Brasilien ausgewandert und hat ihre plattdeutschen Sprachkenntnisse an ihre Nachkommen weitergegeben. Jessica Holz‘ Familie betreibt heute in Vila Pavão eine Kaffee- und Bananenplantage, auf der auch ein paar Kühe versorgt werden – daher stammen auch die landwirtschaftlichen Vorkenntnisse. Für insgesamt ein Jahr bringt Holz sich für die Arbeit auf dem Schweringer Milchhof ein und betreut die vier Enkelkinder der Grimmelmanns: die neunjährige Luisa, den fünfjährigen Christoffer, den vierjährigen Lukas und den zehnjährigen Sebastian.

Zum Alltag der Südamerikanerin zählen beispielsweise auch das Abfüllen von Milch und die tatkräftige Hilfe im Kuhstall, aber „das Melken macht mir am meisten Spaß“, erzählt Holz. In ihrer ersten Zeit in Deutschland habe sie das Heimweh geplagt: „Die Umstellung war schon schwierig“. Gerade die kalten Temperaturen in Deutschland kannte sie nicht, und in diesem Winter hat die Praktikantin auch zum ersten Mal Schnee gesehen. So hatte die 19-Jährige natürlich keine warmen Kleidungsstücke oder Schuhe im Gepäck, und auch die Laubfärbung im Herbst war neu für die junge Frau. Besonders gut an den Schweringern gefalle ihr, dass „alle hilfsbereit sind und gerne meine Fragen beantworten“, erzählt Holz. Mit ihrer Familie in Brasilien steht sie regelmäßig per Telefon und Internet in Kontakt.

Jede Woche nimmt Jessica Holz gemeinsam mit 24 anderen Praktikanten aus aller Welt am Unterricht an den Berufsbildenden Schulen in Rotenburg teil. Doch der Weg in die Wümmestadt war Jessica Holz zunächst nicht ganz leicht gefallen, denn sie musste zum ersten Mal in ihrem Leben mit dem Zug fahren. In ihrer Heimat Brasilien gibt es nur wenig Schienenverkehr.

Mittlerweile habe sie sich aber gut eingelebt, und Familie Grimmelmann sei ihr sehr ans Herz gewachsen, berichtet die junge Frau. „Die Kinder hängen sehr an Jessica“, betont Hermann Grimmelmann. Jessica Holz ist sich sicher, dass ihr der Abschied im August schwer fallen wird. Aber sie plant schon heute, irgendwann nach Deutschland zurückzukommen.

Quelle: kreiszeitung.de

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