Alles bleibt beim Alten

Einwohner der Gemeinde Hilgermissen stimmen gegen die Einführung von Straßennamen

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Im Abstimmungslokal „Zum Goldenen Krug“ machten 55 Prozent ihr Kreuzchen bei „Ja“. 

Hilgermissen - Von Rebecca Göllner. Das mediale Interesse war riesig. Kamerateams und Journalisten warteten gestern vor den Wahllokalen des Bürgerentscheids auf die Entscheidung: Bekommt die Gemeinde Hilgermissen Straßennamen oder nicht? Kurz nach 19 Uhr stand das vorläufige Ergebnis fest. Rund 60 Prozent der Einwohner votierten dagegen. Hilgermissen bleibt weiterhin eine der wenigen Kommunen in Niedersachsen ohne Straßennamen.

Abstimmungsleiter Uwe Back sagte auf Nachfrage der Kreiszeitung, dass er mit einem solch klaren Vorsprung für die Gegner der Straßennamen nicht gerechnet habe. „Das ist sehr deutlich“, meinte Back. Er habe mit maximal 54 Prozent gerechnet. Die Ergebnisse würden zahlenmäßig den Ausgang der Bürgerbefragung von 2013 widerspiegeln. Damals hatten ebenfalls 60 Prozent Nein zu der Einführung von Straßennamen gesagt.

Beim jetzt durchgeführten Bürgerentscheid lautete die Frage „Soll das Ergebnis der Bürgerbefragung von 2013 weiterhin Gültigkeit haben und deshalb keine Straßennamen in der Gemeinde Hilgermissen eingeführt werden?“. Die Abstimmungsberechtigten konnten sich zwischen den Antwortmöglichkeiten „Ja“ und „Nein“ entscheiden. Der Bürgerentscheid gilt als verbindlich, wenn die Mehrheit der gültigen Stimmen auf „Ja“ lautet und diese Mehrheit mindestens 20 Prozent aller abstimmungsberechtigten Hilgermisser ausmacht. „Mit 60 Prozent sind diese Kriterien erfüllt“, schilderte Uwe Back weiter. Das Ergebnis des Bürgerentscheids ist nun zwei Jahre bindend, weder Politik noch Verwaltung können in diesem Zeitraum daran rütteln.

Das Thema Straßennamen beschäftigt die Gemeinde Hilgermissen schon seit vielen Jahren. Es gibt zwei Lager: die Gegner und die Befürworter. Nach einer Bürgerbefragung 2013, die deutlich gegen die Einführung ebendieser ausging, schien erst einmal Ruhe einzukehren. Doch nur etwa drei Jahre später kam das Thema wieder auf den Tisch. Der Arbeitskreis Dorfentwicklung forderte, die Auffindbarkeit in der Gemeinde zu verbessern.

Um passende Wege zu finden, wurde bei der Universität Osnabrück ein Gutachten bestellt. Dieses empfahl eine Adressbildung mit Straßennamen. Der Gemeinderat stimmte daraufhin im Jahr 2018 mit sieben zu fünf Stimmen für die Einführung von Straßennamen. Kurz danach formierte sich eine 25-köpfige Gruppierung, die ein Bürgerbegehren gegen diesen Beschluss in Gang brachte. Dieses mündete jetzt in dem Bürgerentscheid.

Die Umsetzung des Bürgerbegehrens hat für die Gemeinde Hilgermissen Kosten von ungefähr 5 000 Euro verursacht. Die Bürgerbefragung von 2013 war laut Gemeindedirektor Wilfried Imgarten etwas günstiger.

Das endgültige amtliche Ergebnis gibt die Samtgemeindeverwaltung morgen bekannt.

Weitere Informationen und das Ergebnis unter www.graftschaft-hoya.de

Kommentar: Thema für lange Zei ad acta legen

Von Uwe Campe

Allen Anstrengungen der Befürworter zum Trotz, die Einwohner der Gemeinde Hilgermissen sind mehrheitlich erneut nicht deren Argumenten gefolgt, sondern haben sich erneut klar gegen die Einführung von Straßennamen ausgesprochen. Mit der unerwartet deutlichen Bestätigung des Ergebnisses aus 2013 haben sie unmissverständlich ein Signal gesetzt, dieses Thema jetzt für lange Zeit ad acta zu legen und es beim Status quo zu belassen. Was die Gemeinde am allerwenigsten braucht, ist in zwei Jahren eine nochmalige Wiederbelebung dieser leidigen und vielen Menschen inzwischen schlichtweg unerträglichen, mit so viel Unruhe, Verdruss und nicht zuletzt leider auch Zwietracht einhergehenden Diskussion. Nichtsdestotrotz sind zukünftige Entwicklungen des Meinungsbildes zu beobachten und keinesfalls zu ignorieren. Vorerst sollte man sich endlich wieder anderen Dingen zuwenden.

Kommentar: Sind Straßennamen den Ärger wert?

Von Rebecca Göllner

Im Grunde war es egal, wie der Bürgerentscheid in der Gemeinde Hilgermissen ausgeht. Einen Gewinner gibt es nicht, nur Verlierer. Denn die eigentlich liebenswerte Gemeinde ist in den vergangenen Monaten, wenn nicht sogar Jahren, auf das Thema Straßennamen reduziert worden. Medien haben überregional darüber berichtet, wie sehr sich die Befürworter und Gegner darüber in den Haaren liegen. Ja, sie haben sich sogar über die Gemeinde lustig gemacht. Dabei sind es doch nicht Straßennamen oder Adresszusätze, die eine Gemeinde auszeichnen. Vielmehr sind es die Menschen, die dort leben, und das Miteinander. Vor allem Letzteres hat aufgrund des bizarren Streits gelitten. Sind ein paar Buchstaben im Personalausweis und auf Straßenschildern es wert, dass langjährige Nachbarn nicht mehr miteinander sprechen? Oder dass es zu öffentlichen Beleidigungen kommt? Ich denke nicht.

Quelle: kreiszeitung.de

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