Feiern hält sie jung

„Eiserne Hochzeit“: Nienburger Ehepaar May seit 65 Jahren verheiratet

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Auch heute sind Sieglinde und Gerhard May noch genauso verliebt wie bei ihrer Hochzeit vor 65 Jahren.

Nienburg - Von Max Brinkmann. 1952 im Chemnitzer Tanzlokal „Blaue Maus“: Gerhard May geht nach der Arbeit mit seinen Freunden aus. Dass der damals 22-Jährige an diesem Abend seine zukünftige Ehefrau kennenlernt, weiß er zu diesem Zeitpunkt nicht. Doch genau so kommt es.

Kurz vor ihrer eisernen Hochzeit (65 Jahre) am heutigen Mittwoch sitzen Gerhard und Sieglinde in ihrer Küche im Nienburger Leintor und erinnern sich. „Ich habe sie an dem Abend nach Hause gebracht – natürlich nur bis vor die Haustür“, versichert er und lächelt. Aus diesem einen Abend entwickelte sich schnell mehr und so läuteten bereits am 28. März 1953 die Hochzeitsglocken in Chemnitz. „Es war Liebe auf den ersten Blick“, sind sich die beiden einig.

Doch wie ging es aus der damaligen sowjetischen Besatzungszone nach Nienburg? Im August desselben Jahres machten die Serviererin und der Autoschlosser und Kraftfahrer Flitterwochen – und zwar in Nienburg, denn Sieglinde hatte Familie hier. „Es gefiel uns in Nienburg so gut, dass wir gleich hierbleiben wollten“, erinnert sich Sieglinde.

"Nienburg hat einfach gepasst"

Gesagt, getan: Noch im selben Jahr zogen die beiden in eine Wohnung an der Mindener Landstraße. „Arbeitsmäßig hat es in Nienburg einfach gut gepasst“, erzählt Gerhard. Sieglinde hat ziemlich schnell Arbeit als Serviererin in der Gaststätte Kempin gefunden. Auch Gerhard war nach einem sechsmonatigem Aufenthalt in einem Flüchtlingslager in Uelzen schnell als Autoschlosser in Nienburg beschäftigt.

Und auch privat lief es für die Mays gut: 1955 kam ihre erste Tochter Petra zur Welt, 1961 wurde Angela geboren und 1965 war die Geburt von Sohn Michael. Mittlerweile sind noch drei Enkel dazu gekommen.

Nach einigen Umzügen entschlossen sich Gerhard und Sieglinde schließlich 1966 dazu ein eigenes Haus in der Virchowstraße zu bauen. Dort leben sie heute noch – und ihr Sohn Michael wohnt mit seiner Familie im Obergeschoss. 

Mit der Stadt verbunden

„In den vielen Jahren in denen wir nun schon in der Stadt leben hat sich eine Menge geändert“, berichtet Gerhard. „Als wir ankamen wurde vieles in Nienburg erst aufgebaut“. Und ganz unbeteiligt war der heute 87-Jährige nicht: In den 60er-Jahren war er bei der Stadt als Kraftfahrer angestellt und hat mitgeholfen, den öffentlichen Verkehr in Form der ersten Buslinien aufzubauen.

Auch die 83-jährige Sieglinde arbeitete 15 Jahre bei der Stadt Nienburg und half dabei, die Schwimmbäder auf Vordermann zu bringen. Gerhard war unter anderem noch auf dem Bauhof und als Hausmeistervertretung in den verschiedenen Schulen der Stadt beschäftigt.

Doch auch außerhalb des Berufslebens zeigt sich das Paar durchaus verbunden zu Nienburg. So war Gerhard beispielsweise in den 70er- und 80er-Jahren mehr als zehn Jahre lang Scheibengucker beim Nienburger Scheibenschießen – dort waren die Mays immer dabei. „Auch an die Partys im Schwimmverein Landesbergen können wir uns noch gut erinnern. Das war immer schön“, sagen die beiden. „Das Feiern hat sie jung gehalten“, weiß Sohn Michael.

In den vergangenen Jahren sind die Mays viel gereist. „Wir hatten 25 Jahre lang keinen Urlaub und mussten viel sparen um das Haus abzubezahlen“, erzählt Gerhard: „Dafür sind wir jetzt viel unterwegs“. Mit dem Wohnmobil ging es schon nach Italien, Griechenland oder Skandinavien. Den heutigen Mittwoch verbringen die Mays allerdings zuhause – im engsten Familienkreis wird die eiserne Hochzeit gefeiert.

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