Stephan Weil besucht Loccum

Elterndienste wieder zulassen

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„Meine armen Knie“, ächzt Stephan Weil, als er sich vom Fußboden erhebt – Standard in Krippen ist eben, das Mobiliar auf die Kinder zuzuschneiden. 

Loccum - Der Wahlkampf-Bus von Stephan Weil ist es gewesen, der auf den Hof der Loccumer Kinderkrippe „Puttfarken“ gefahren ist – nicht das Fahrzeug des Ministerpräsidenten. Mit der Zusicherung, sich mit einem Wunsch aus der Krippe heraus auch als Ministerpräsident noch zu befassen, ist Weil wieder abgefahren.

Mit Krippen kenne er sich aus, sagte Weil beim Besuch in der Einrichtung. Schließlich habe er sich damals, als sein Sohn klein gewesen sei, in dem Kreis engagiert, der die zweite Kinderkrippe Hannovers einrichten wollte. Wie mühsam solche Vorhaben manchmal seien, kenne er deshalb – wenngleich die Anforderungen für den Betrieb solcher Einrichtungen sich seit jenen Zeiten noch einmal sehr erhöht hätten. „So kleine Toiletten brauchten wir damals nicht“, meinte er grinsend. „Wir haben die Kinder einfach auf die großen Becken gesetzt.“

Wie das heutzutage aussieht und mit welchen Auflagen sie zu kämpfen hatten, berichtete im Anschluss Claudia Weiß, die vor acht Jahren eine derjenigen war, die mit viel Engagement und gegen viele Widerstände „Puttfarken“ ins Leben riefen. Die Kinderkrippe ist in privater Trägerschaft aus einer Eltern-Initiative heraus entstanden. Beim Gespräch im Nassraum mit Blick auf niedrige Wasch- und winzige Toilettenbecken erzählt sie davon und ergreift dann, als der Rundgang über einen kleinen Plausch mit Kindern, bei dem Weil den Kleinen die Frau an seiner Seite vorstellt – „Das ist die Marja (SPD-Bundestagskandidatin Marja-Liisa Völlers). Die ist nett.“ – die Gelegenheit beim Schopf, um Weil zu sagen, wo sie der Schuh drückt.

Regierung soll Krippen das Leben erleichtern

Sie als kleine Krippe mit maximal 15 Kindern hätten ein wirklich großes Problem, Krankheitszeiten ihrer Fachkräfte zu überbrücken. Vor einigen Jahren noch sei es zulässig gewesen, dass bei Krankheit der zweiten Fachkraft stattdessen Eltern bis zu drei Tage lang als Ersatz einspringen durften. Das habe die Landesregierung abgeschafft. Ab dem ersten Krankheitstag müsse nun eine zweite Fachkraft vor Ort sein – oder die Einrichtung müsse für den Krankheitszeitraum geschlossen werden. „Wir, in privater Trägerschaft und hier auf dem Land, finden keine Fachkräfte, die wir in solchen Fällen zu uns bestellen können“, erläuterte Weiß. Schon zwei Mal hätten sie deswegen für einen Tag schließen müssen.

Weil machte ein verdutztes Gesicht, sagte, davon habe er noch nie gehört – und ob sie ihm das genau aufschreiben könne. Das wolle er näher prüfen. Das Dilemma, in dem diese Krippe – und andere in ähnlichen Situationen – steckt, erkannte er wohl.

„Da nich für!“

Dass vieles auch gut gelaufen sei in dieser Regierung, wenn es um Kinderbetreuung gehe, fügte Weiß hinzu – die Einführung einer dritten Fachkraft für Krippen bezeichnete sie als wichtigen Schritt, und Weil bedankte sich für dieses Statement mit einem artigen „Da nich für!“ Ein weiteres Ziel von ihm sei nun, etwas daran zu ändern, dass Erzieher eine Ausbildung von vier Jahren machten, in denen sie keinen Cent bezahlt bekämen.

Weiß indes unterbreitete, nachdem der Ministerpräsident bereits auf dem Weg zum nächsten Wahlkampftermin war, den Vertretern der SPD aus dem Stadtrat – Dörte Zieseniß und Jürgen Wagner – einen Vorschlag. Weshalb könne die Stadt nicht einfach eine Fachkraft einstellen, die als Springer für alle Einrichtungen in Rehburg-Loccum – also nicht nur die städtischen, sondern auch jene in privater Trägerschaft – eingesetzt werde? Das sei eine Lösung, die garantiert allen zugutekomme. 

ade

Quelle: kreiszeitung.de

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