Mann wegen Geiselnahme vor Verdener Landgericht

Erdloch-Prozess startet mit widersprüchlichen Aussagen

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Beginn Prozess wegen Geiselnahme

Verden/Duddenhausen - von Wiebke Bruns. Die Tat erinnert an das Schaufeln des eigenen Grabes.

Ereignet haben soll sie sich im August 2016 in einem Wald bei Duddenhausen. Ein zuvor in Asendorf (Kreis Diepholz) entführter Mann soll von drei Männern gezwungen worden sein, ein Loch auszuheben, in das er sich dann hineinsetzen musste. So, dass nur noch sein Kopf herausguckte. Dann soll das Loch zugeschüttet und dem Mann wiederholt in den Nacken getreten worden sein. Seit Dienstag wird dieser Fall von Selbstjustiz am Landgericht Verden verhandelt.

Wegen Geiselnahme und gefährlicher Körperverletzung muss sich ein 37 Jahre alter Angeklagter aus Polen verantworten. Auf Anraten seines Verteidigers Professor Dr. Michael Nagel schweigt der 37-Jährige zu den Vorwürfen, die der Jurist als „echte Räuberpistole“ bezeichnete. Im Ermittlungsverfahren habe sich sein Mandant geäußert, doch es sei ihm nicht geglaubt worden. Deshalb werde er sich zum Prozessauftakt nicht zur Sache äußern.

Über den restlichen Verhandlungstag dauerte die Befragung des 32 Jahre alten Opfers gehört. Der in Weseloh wohnhafte Mann stammt offensichtlich auch aus Polen und scheint den Angeklagten zu kennen. Zumindest benannte er diesen in seiner Aussage namentlich. Laut Anklageschrift beschuldigte der Angeklagte das Opfer des Diebstahls eines nicht konkret benannten Geldbetrages. Der Diebstahl soll sich in Polen ereignet haben, wo der aktuell lebt.

Am 1. August 2016 sollen der Angeklagte und zwei weitere Täter in ein Wohnhaus in Asendorf eingedrungen sein, in dem das Opfer lebte. „Plötzlich hörte ich Lärm aus dem anderen Zimmer“, übersetzte ein Dolmetscher die Aussage des 32-Jährigen. Der Angeklagte habe ihn gefragt: „Weißt Du, warum ich hier bin.“ Er habe es nicht gewusst, so der Zeuge. Erst sei er ins Gesicht geschlagen, dann gefesselt worden. Die Täter sollen das Haus durchsucht haben. „Nach einer Weile haben Sie mich raus geschleppt. Es dauerte nicht lange, dann kam ein Auto. Die haben mir einen Sack über den Kopf gezogen und mich in das Auto geschmissen.“

In einem Wald endete die Fahrt. „Dann bekam ich einen Spaten überreicht und ich sollte ein Loch graben.“ Ständig habe der Angeklagte zu ihm gesagt: „Gib mir mein Geld zurück.“ „Ich habe das Loch ausgegraben. Man hat mich sozusagen zugeschüttet“, so das Opfer. „Ich saß da in diesem Loch. So um die 20 Minuten. Sie haben mir den Mund geknebelt, etwas reingesteckt und festgeklebt.“

Dann hätten sie ihn wieder rausgezogen und in ein Auto geschmissen. Die Fahrt sei erst in einen anderen Wald, dann Richtung Nienburg gegangen. Zwei weitere Täter seien aufgetaucht. Vor Gericht sagte der Mann, dass man ihn nach Hause gefahren habe. Seine Schwester und sein Schwager seien dort gewesen und die Schwester habe die Polizei gerufen.

In diesem und vielen weiteren Punkten gibt es Widersprüche zu früheren Aussagen. Deshalb wurde das Opfer den ganzen Tag als Zeuge vernommen und seine Aussage ist noch nicht abgeschlossen. Ein Urteil wird nicht vor dem 26. August erwartet.

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