Detailplanung beginnt

Erichshagen: Geplante Nordumgehung erhitzt Gemüter

Volles Haus: Da rund 100 Gäste zur Ortsratsitzung gekommen waren, wurde diese in die Grundschule am Bach verlegt. Dort stellte sich etwa Lutz Hoffmann (stehend) vom Landkreis Fragen der Bürger. Foto: jom

Erichshagen-Wölpe - Großen Sorgen stehen im Nienburger Stadtteil Erichshagen-Wölpe dem Angebot einer chancenreichen Beteiligung gegenüber.

Die geplante Umgehungsstraße, die östlich des Stadtgebiets bis nach Rohrsen verlaufen soll, sorgt für viel Gesprächsbedarf. Etwa die Verdener Landstraße sowie die Celler Straße sollen durch den Neubau entlastet werden. Doch besonders der potenzielle Lärm einer neuen Straße ist ein Thema. Das wurde am Mittwoch bei einer Sitzung des Ortsrates deutlich.

Auf der Tagesordnung stand ein Sachstandsbericht zur Verlegung der B215, die aktuell noch entlang der Verdener Lansstraße verläuft. Künftig soll die Bundesstraße über die neue Umgehung führen – so hat es die Bundesregierung 2016 beschlossen. Der Ausbau wurde von der Politik in den vordringlichen Bedarf innerhalb des Bundesverkehrswegeplanes 2030 eingestuft. Darauf hat am Mittwoch besonders der Leiter der niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr (NLStBV) Nienburg, Uwe Schindler, hingewiesen: „Die Politiker im Bundestag haben das so entschieden.“ Damit stellte er fest, dass die politische Entscheidung für den Bau nicht auf kommunaler Ebene gefallen ist – und die Lokalpolitiker auch künftig keine Beschlüsse über den Ausbau fassen werden.

Ortsumgehung Nienburg: Beteiligung möglich

Dennoch gebe es durchaus die Möglichkeit, sich an der weiteren Gestaltung zu beteiligen. Gesetzlich vorgesehen ist eine Beteiligung von Bürgern erst wieder im sogenannten Planfeststellungsverfahren, das am Ende des gesamten Prozesses steht. Doch schon vorher möchte Schindler die Anlieger mit einbeziehen. „Wir werden eine recht frühe Beteiligung machen. Ein Beirat würde uns dabei sehr entgegenkommen“, erklärt der Behördenleiter. Die Idee eines solchen Gremiums hatte zuvor der städtische Bürgermeister Henning Onkes (parteilos) erläutert. Ein solcher Beirat könnte Wünsche und Anmerkungen filtern und die Meinung der Bürger vertreten. 

Onkes schlug dafür den Ortsrat Erichshagen-Wölpe vor. Aber auch unabhängige Personen können einen solchen Kreis bilden. Ortsbürgermeister Tim Hauschildt (CDU) gab zu bedenken, dass auch Vertreter anderer Ortschaften wie Rohrsen gehört werden sollten. Er will diesen Punkt in der kommenden Ortsratssitzung am 20. November auf die Tagesordnung setzen.

Bedenken der Anlieger 

Abgesehen vom formalen Sachstandsbericht war es dem Erichshagener Ortsrat aber auch wichtig, dass die Einwohner Fragen zum geplanten Straßenbau stellen konnten. Daher unterbrach Ortsbürgermeister Hauschildt die Sitzung und nahm Wortmeldungen der rund 100 Gäste entgegen.

Kritisiert wurde etwa, dass die Idee der Ostumgehung bereits 40 Jahre alt sei, der Korridor vor 15 Jahren festgelegt wurde und trotz einer Mobilitätswende jetzt daran festgehalten werde. Dem entgegnete der zuständige Kreisdezernent Lutz Hoffmann, dass es sich keinesfalls um einen alten Plan handele, der nach 15 Jahren wieder aus der Schublade gezogen wurde.

Im Flächennutzungsplan der Stadt Nienburg von 2006 wurde ein möglicher Straßenverlauf eingezeichnet. In rot sind bestehende und potentielle Wohnflächen gekennzeichnet.

Fest steht, dass die aktuelle Planung sich auf einen Korridor bezieht, der 2004 in einem Raumordnungsverfahren des Landkreises festgelegt wurde. Um zu prüfen, ob dieser Beschluss noch zeitgemäß sei, wurden in diesem Jahr erneut 84 Träger öffentlicher Belange angehört, berichtete Hoffmann. „Die Anhörung hat ergeben, dass es keine substanziellen Änderungen gab“, erklärte Hoffmann. Damit würde selbst ein erneutes Verfahren mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zum gleichen Ergebnis führen. Diesen sechsjährigen Prozess könne man sich also sparen, da er laut Hoffmann nur unnötige Kosten und dringend benötigte Planungskapazitäten verschlingen würde.

Fragen zur Gestaltung 

Aufgrund dieser groben Skizzierung geht es in die Detailplanung. Und dazu haben die Einwohner schon jetzt viele Fragen: Wird es Lärmschutzwände oder -wälle geben? Wie hoch werden diese? Welche Bepflanzung ist geplant? Welches Tempolimit soll es geben? Und wird die Straße zwei- oder dreispurig? Zu all dem konnte Uwe Schindler noch keine Angaben machen. Denn zunächst muss durch eine europaweite Ausschreibung ein Planungsbüro gefunden werden, dass den konkreten Straßenverlauf samt Knotenpunkten plant. Mit dieser Linie rechnet er frühestens in einem bis eineinhalb Jahren.

Eins konnte Schindler schon jetzt mit Überzeugung sagen: Eine Streckenführung östlich des Mußriedesees sei faktisch ausgeschlossen, da eine geeignete Anschlussstelle an die B6 fehle. Diese Variante, die weiter entfernt vom Stadtgebiet verlaufen würde, wurde von mehreren Anwesenden befürwortet. Schindler versprach diese noch einmal prüfen zu lassen, gab aber zu bedenken: „Das muss auch technisch möglich sein.“

Doch nicht nur wegen des Bauwerks machen sich Anlieger Sorgen. Es wird befürchtet, dass sie nun noch mehr Verkehr ausgesetzt werden. „Wir kriegen doppelt so viel Verkehr, mit dem Argument wir werden entlastet“, sagte eine Frau. Damit war sie bei den Behördenvertretern und Politikern bei der falschen Adresse. Nur der Bundestag könne jetzt noch die Planung stoppen, indem sie ihren Beschluss zurücknimmt. Das wäre laut Schindler ein Novum.

Nienburg: Stadt bringt sich ein

Obwohl die Lokalpolitik keinen direkten Einfluss auf die Gestaltung der geplanten Ortsumgehung im Nienburger Norden nehmen kann, macht sich auch die Stadtverwaltung Gedanken um den Neubau. Eine solche Umgehungsstraße sei schon im Flächennutzungsplanes des Jahres 1980 angedacht gewesen, berichtete Bürgermeister Henning Onkes (parteilos) am Mittwoch dem Ortsrat Erichshagen-Wölpe.

Daher sei die Angelegenheit auch kein Thema zwischen den Ortsteilen Holtorf und Erichshagen, sondern für die ganze Stadt relevant. Zwar solle die Umgehung etwa die stark befahrene Verdener Landstraße in Holtorf und auch die Celler Straße in Erichshagen entlasten, doch es gehe auch um andere Stadtteile, die unter der aktuellen Verkehrsbelastung leiden. Etwa durch das Nordertor würde die Hälfte des Verkehrsaufkommens fahren.

Da die Stadt ein Interesse an der Nordumgehung habe, gebe es auch Überlegungen zur Lärmreduzierung. So könnten durch einen neuen Bebauungsplan Restbauflächen erschlossen werden. Wohngebiet (auf der Karte des Flächenplans in rot) kann bis zur neuen Trasse entstehen. Diese neuen Baugebiete wären dann Bemessungsgrundlage für ein Lärmgutachten. Lärmschutz könne zudem als Erschließungsmaßnahme finanziert werden.

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