Junge Feuerwehrleute dürfen sich beweisen

Erlebniswochenende der Jugendwehr Nienburg mit mehreren Einsätzen

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Das Highlight: Der abendliche Brandeinsatz, bei dem die Jugendlichen in Beisein der Einsatzabteilung löschen durften.

Nienburg - „Eigentlich beginnt eine Einsatzserie mit einer Ölspur“, berichtet Pressesprecher Marc Henkel. Doch dieses Mal startete das Erlebniswochenende der Nienburger Jugendfeuerwehr entschleunigt und übersichtlich – die Ruhe vor dem Sturm.

Zuerst galt es, alles vorzubereiten, um nach getaner Arbeit ins gemachte Bett fallen zu können. Die Jugendlichen richteten sich im Unterrichtsraum der Freiwilligen Feuerwehr Schlafmöglichkeiten ein, ehe sie Freunden und Verwandten stolz die technischen Hilfsmittel eines Lebensretters präsentierten, wie Henkel in einer Pressemitteilung berichtet. Nach dem Abendessen vom Grill mussten sich die Jugendlichen von den Gästen verabschieden, denn die Pflicht rief: Übungsanzüge anziehen und Antreten zur Besatzungseinteilung.

Dann erreichte die Jugendfeuerwehr der erste Alarm: „Technische Hilfeleistung Sturm. Menschenleben in Gefahr!“ An der Einsatzstelle empfing sie direkt ein Passant. Dieser berichtete, dass beim Sturm Äste heruntergefallen seien und dabei eine Person unter sich begraben haben sollen. Nach der Lagererkundung teilten die Gruppenführer ihre Mannschaften ein: Mit Säge, Erste-Hilfe-Ausrüstung und einer Trage ausgerüstet retteten die jungen Helfer die Person.

Nach einer kurzen Verschnaufpause forderte die fiktive Leitstelle die Einsatzkräfte direkt wieder heraus: In einem Industriegebiet hatte sich ein Autofahrer die Ölwanne aufgerissen. Der Betriebsstoff (durch Wasser dargestellt) hatte sich über die Straße verteilt. „Vor Ort war die Lage jedoch etwas dramatischer“, so Henkel weiter. Das Öl hatte sich nicht nur auf der Straße verteilt, sondern drohte auch in die Kanalisation zu laufen. Mit befüllbaren Faltschachtabdeckungen, sogenannten Elefantenschuhen, deckten die Jugendlichen die Kanaleinläufe ab. 

Die Gefahr der Wasserverschmutzung war damit gebannt. Die Ölverschmutzung der Straße war dann ein Kinderspiel. Den Schock überwunden, durfte die Mannschaft einrücken, duschen und sich bis zur Nachtruhe über die Einsätze austauschen. Was für ein aufregender Start.

Gerade, als die ersten Augen geschlossen waren, ertönte wieder einmal der Alarm: „Wohnhaus brennt!“ Schnell aus dem Schlafsack gehüpft, den Übungsanzug angezogen und los zur Einsatzstelle – Alltag für die Aktiven Feuerwehrleute, Neuland für den Nachwuchs. Am Einsatzort hatten Mitglieder, die das gesamte Wochenende die Jugendlichen begleiteten und die Szenarien ausgearbeitet hatten, aus Holzresten ein kleines Gartenhaus zusammengebaut und angezündet.

Mit drei Wasserleitungen kämpften die Jugendlichen gegen das Feuer – was „enorm viel Spaß“ machte, wie Henkel berichtet. Zeitgleich wollte die Leitstelle immer wieder Lagemeldungen haben. Nach 30 Minuten war das Feuer aus, und die mittlerweile sichtlich erschöpften Nachwuchshelfer durften zurück in ihre Kojen. Der nächste Morgen begann mit einem gemeinsamen Frühstück und anschließender Fahrzeugkunde – so zumindest sah es der Dienstplan vor. Als sich die Jugendlichen gerade auf dem Übungshof formiert hatten, schrillte schon wieder der Alarm. Bei der Firma Vehrenkamp an der Celler Straße war es zu einem Arbeitsunfall gekommen. 

Unter „Atemschutz“ drangen die „Einsatzkräfte“ in die Wohnung ein und retteten den Bewohner.

Ein Lagerarbeiter hatte mit einem Stapler einen Unfall verursacht und war nun unter Fässern begraben, aus denen auch noch Flüssigkeit austrat. So wurde der Arbeitsunfall, schnell zu einem Gefahrstoffeinsatz, dem sich die jugendlichen Feuerwehrleute nur mit Schutzanzügen näherten. Vorsichtig konnten sie den Mann retten und die Stoffe beseitigen – für nicht routinierte Kräfte ein durchaus anspruchsvoller Einsatz.

Bevor jedoch der gemütliche Samstagabend starten sollte, hatte sich die Einsatzabteilung einen weiteren Einsatz parat gelegt: An der Verdener Straße dran dichter Rauch aus einem Wohnhaus. Wieder unter Atemschutz drangen die Jugendlichen in das Haus ein und retteten eine Person. Feuer fanden sie allerdings nicht – lediglich angebranntes Essen.

Ausgeruht waren die Jugendlichen auf den letzten Einsatz am Sonntagmorgen vorbereitet. Eine Person hatte versucht, einen Dieselkanister in einem Gewässer zu versenken und verunfallte dabei. Beim Eintreffen fanden die Einsatzkräfte den Mann auf einer Insel. Noch bevor er bewusstlos zusammenbrach, sagte er, dass er nicht alleine unterwegs war, so Henkel. Schnell schickte der Einsatzleiter eine Gruppe auf die Suche nach der zweiten Person. 

Als die gefunden wurde, konnten sich alle auf den Mann auf der Insel konzentrieren. Die Rettung gelang mithilfe eines Schlauchbootes. Da allerdings bereits Diesel in das Gewässer gelangt war, musste eine Ölsperre her. Die sollte verhindern, dass weiterer Treibstoff stromabwärts treibt. Gegen Mittag war auch dieser Einsatz und somit auch das Erlebniswochenende beendet.

Die Jugendlichen waren alle hellauf begeistert. Das bestätigten auch die Betreuer um Jugendfeuerwehrwartin Laura Kottus: „Alle haben hervorragend mitgezogen, und die Motivation war enorm! Auch in Zukunft wollen wir solch ein Wochenende einmal im Jahr anbieten.“

rtg

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