Polizei sucht 13 Rumänen

Nach Missachtung von Hygiene-Regeln: Spargelhof Paul darf Erntehelfer weiter beschäftigen

Schon von Weitem sieht man das „Wahrzeichen“ des Spargelhofs, gegen den die Vorwürfe erhoben wurden. Foto: reg
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Schon von Weitem sieht man das „Wahrzeichen“ des Spargelhofs, gegen den die Vorwürfe erhoben wurden. 

Auf einem Spargelhof in Hoyerhagen sind Corona-Hygieneregeln für Erntehelfer offenbar nicht eingehalten worden. Nun prüft der Landkreis, ob er gegen den Landwirt vorgehen sollte. Am Dienstag wurde entschieden, dass der Hof weiterhin Erntehelfer beschäftigen darf. 13 Erntehelfer werden von der Polizei gesucht.

Update vom 29. April: Wegen des Verstoßes gegen die Corona-Auflagen des Landes sucht die Polizei im Kreis Nienburg nach 13 rumänischen Erntehelfern. Sie waren vom Spargelhof Paul nach Deutschland geflogen worden und müssten sich nach ihrer Ankunft aufgrund der Landesverordnung 14 Tage lang in Quarantäne begeben. 

Die Menschen hätten den Hof vorzeitig mit unbekanntem Aufenthaltsort verlassen und damit gegen die Auflagen verstoßen, sagte am Mittwoch ein Polizeisprecher zu entsprechenden Medienberichten. Bis einschließlich dem 2. Mai hätte die Quarantänepflicht für die Erntehelfer gedauert. „Es ist keine Straftat, sondern eine Ordnungswidrigkeit“, sagte der Sprecher. Die Suche nach den Helfern werde spätestens zum 3. Mai in jedem Fall beendet.

Update vom 28. April: „Die in der vergangenen Woche geforderte Einhaltung der Hygieneregeln laut dem Infektionsschutzgesetz sei auf dem Spargelhof Paul weitestgehend umgesetzt worden“, heißt es in einer Stellungnahme des Landkreises Nienburg. Dies ist das Ergebnis einer am Montag erneut durchgeführten Kontrolle des Betriebs. 

Der Hofbesitzer habe sich gegenüber dem Gesundheitsamt kooperativ gezeigt und sei in Bezug auf die geforderten Maßnahmen aktiv geworden. Zwei Hygieneaufseher des Landkreises Nienburg stellten während einer Kontrolle in der vergangenen Woche Verstöße gegen allgemein geltende Regeln des Gesundheitsschutzes auf dem Spargelhof in Hoyerhagen fest. Betreiber Dietrich Paul wurde daraufhin angewiesen, die geforderten Quarantäne-Vorschriften umzusetzen. 

Zudem würden auf dem Spargelhof die Mitarbeiter nun morgens auf Symptome einer mögliche Coronavirus-Erkrankung abgefragt werden. Derzeit befänden sich laut Angaben des Landkreises jedoch keine Infizierten oder Verdachtsfälle unter den Erntehelfern. Insgesamt seien noch 81 von den insgesamt 154 Helfern in vorsorglich verordneter Quarantäne. Bei der erneuten Kontrolle des Hofes am Montag stellte das Gesundheitsamt außerdem fest, dass die Sicherstellung der Versorgung mit Lebensmitteln durch den Hofbetreiber gewährleistet ist. Außerdem hätten die Erntehelfer, die sich nicht mehr in Quarantäne befinden würden, die Möglichkeit, Einkäufe für sich in Quarantäne befindliche Personen zu tätigen. 

Künftig weitere Kontrollen auf dem Spargelhof

„Nach der erneuten Prüfung haben wir festgestellt, dass der Hofbetrieb unter den nun gegebenen Rahmenbedingungen weiterlaufen kann“, teilt Cord Steinbrecher, Pressesprecher des Landkreises, mit. Abschließend teilt der Landkreis mit, dass die geforderten Maßnahmen vom Hofbesitzer weitestgehend umgesetzt worden sind und diese im Dialog mit dem Gesundheitsamt weiter optimiert werden. 

„Es ist zu betonen, dass die Einhaltung der Infektionsschutzregeln auch vom individuellen Verhalten der Erntehelfer abhängt, welches nicht vollständig vom Arbeitgeber steuerbar ist“, heißt es weiter. Der von Dietrich Paul beauftragte Medienanwalt, Helge Reich, wollte sich zu der Stellungnahme des Landkreises nicht äußern. In Zukunft würden weitere Kontrollen durchgeführt werden, um die Einhaltung der Regeln gewährleisten zu können, heißt es in der Stellungnahme.

Einige Erntehelfer haben Spargelhof mittlerweile verlassen

Einige Erntehelfer hätten den Spargelhof Paul inzwischen verlassen, berichtete Daniela Reim von der Beratungsstelle für mobile Beschäftigte in Oldenburg. Fünf Beschäftigte sind demzufolge inzwischen auf einen Hof in den Niederlanden untergekommen. Weitere drei rumänische Erntehelfer von dem Hof wollen Reim zufolge nach ihrer Corona-Quarantäne auf Jobs in der Fleischindustrie in NRW wechseln.

Auch der Geschäftsführer der Spargel- und Beerenanbauer in Niedersachsen, Fred Eickhorst, bezeichnete die Hygieneverstöße als einen Einzelfall. "Im eigenen Interesse achten die Betriebe auf die Einhaltung der Regeln, denn bei einem Corona-Fall würden sie geschlossen." Viele seien aber wegen der Regeln überfordert. Verbände arbeiteten an einer Handreichung.

Originalartikel vom 24. April: Landkreis/Hoyerhagen - Trotz der Corona-Schutzregelungen für Erntehelfer kommt es Presseberichten zufolge bundesweit zu Verstößen gegen allgemein geltende Regeln des Gesundheitsschutzes. So auch in Hoyerhagen auf dem Spargelhof Paul. Der Landkreis Nienburg hat eine Stellungnahme zur Kontrolle dieses Spargelhofs veröffentlicht und nimmt darin Bezug auf die erhobenen Vorwürfe gegen Betreiber Dietrich Paul, der beinahe drei Jahrzehnte Vorsitzender der niedersächsischen Vereinigung der Spargelbauern war.

Der Landkreis habe entsprechend den Vorgaben des Landes die betroffenen Landwirte, insbesondere die Spargelbauern, im Vorfeld eingehend über die Rahmenbedingungen für die Beschäftigung der osteuropäischen Erntehelfer instruiert und sie zur Bestätigung der Umsetzung aufgefordert. Die Kontrollen landwirtschaftlicher Betriebe hätten am 22. April begonnen. Insgesamt acht landwirtschaftliche Betriebe habe der Landkreis laut der Pressemitteilung am 22. und 23. April kontrolliert. „Sieben Betriebe entsprachen weitestgehend den Erwartungen und Vorgaben des Gesundheitsamtes“, heißt es weiter.

Auf dem Hof Paul gab es laut Aussage des Landkreises am 22. April Unstimmigkeiten zu den Punkten Entlohnung und Verpflegung zwischen dem Landwirt und 20 Erntehelfern aus Rumänien. Auch die Polizei sei im Einsatz gewesen. „In einem diesbezüglichen Telefonat wurde der Landwirt erneut ausführlich über die Quarantäne-Vorschriften und seine Pflichten hinsichtlich der Verpflegung und Unterbringung der Erntehelfer aufgeklärt und darauf hingewiesen, dass diese einzuhalten seien“, klärt die Pressestelle des Landkreises Nienburg auf.

Bereits einen Tag später, am 23. April, seien weitere Beschwerden bezüglich der Unterbringung und der mangelnden Verpflegung eingegangen. „Die Kontrolle durch zwei Hygieneaufseher des Landkreises Nienburg im Beisein der Polizei am gleichen Tag ergab, dass die Quarantäne-Vorschriften nicht erfüllt waren“, heißt es in dem Schreiben des Landkreises. Dazu zählten unter anderem die Unterbringung und Verpflegung auf dem Hof, die Beachtung und Umsetzung der im Rahmen der Corona-Krise notwendigen Hygienemaßnahmen und die Zurverfügungstellung der umfassenden Information für die Erntehelfer in den jeweiligen Landessprachen. Der Landkreis habe für diese Informationen die notwendigen fremdsprachigen Informationsblätter zur Verfügung gestellt. Hinsichtlich des Bustransfers sei der Landwirt im Vorfeld über die zu treffenden Maßnahmen – Abstandsregel, Masken et cetera – informiert und instruiert worden.

Es habe mittlerweile eine Absprache mit der Polizei gegeben, die eine verstärkte Kontrolle der zum Transport genutzten Busse vorsieht.

„Um die Unterbringungssituation Quarantäne-gerecht zu gestalten, müssten Unterkünfte für mindestens die Hälfte der in Hoyerhagen anwesenden Personen geschaffen beziehungsweise gefunden werden. Dazu habe der Landkreis Nienburg Kontakt mit der örtlichen Landwirtschaftskammer aufgenommen, um möglichst eine Neuverteilung der Arbeiter auf Arbeitsstellen korrekt arbeitender Höfe zu vermitteln. Darüber hinaus werde der betroffene Hofbesitzer aufgefordert, bis Montagmittag angemessene Unterkunftsmöglichkeiten bereitzustellen. Für den Fall, dass das nicht geschieht, werde der Landkreis eine sogenannte Ersatzvornahme veranlassen. „Des Weiteren werden die mündlichen Anordnungen zur Gewährleistung der geforderten Rahmenbedingungen gesondert schriftlich ergehen“, heißt es abschließend seitens des Landkreises.

Dietrich Paul bestätigte gestern auf Nachfrage der Kreiszeitung, dass es Kontrollen des Gesundheitsamtes gegeben habe, die Mängel aufgedeckt hätten. Er habe bereits Zimmer in einem Hotel im Landkreis Verden angemietet, um die Wohnsituation zu entzerren. „Die Fahrtzeit zu den Ackerflächen in Schwarme ist ungefähr die gleiche wie von Hoyerhagen aus“, schildert er. Außerdem sei angedacht, dass einige Erntehelfer ein leer stehendes Haus mit mehreren Wohneinheiten im Landkreis Diepolz beziehen. Pflicht sei es laut Paul, die Vorgaben des Landkreises bis Montag zu erfüllen. Der Betrieb würde deshalb nun „rigoros durchgreifen“, damit auch die rund 150 Saisonarbeiter sich an die Hygiene- und Gesundheitsschutzvorgaben halten. Mundschutzmasken würden die Helfer bereits seit gut einer Woche bei der Arbeit tragen. Dietrich Paul sagt aber auch, dass es nicht so leicht sei, täglich zu kontrollieren, ob sich alle an die Vorgaben halten.

Die Beschwerden bezüglich der Verpflegung könne er nicht nachvollziehen, es gebe täglich Mahlzeiten von einem Cateringservice.

Einsatz von Saisonarbeitern – die Vorschriften 

Das Bundesinnenministerium (BMI) und das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) haben am 2. April ein Konzept beschlossen, unter welchen Bedingungen Saisonarbeiter wieder einreisen dürfen. Darin stehen unter anderem folgende Punkte: . Neuanreisende müssen in den ersten 14 Tagen strikt getrennt von den sonstigen Beschäftigten leben und arbeiten und dürfen das Betriebsgelände nicht verlassen (faktische Quarantäne bei gleichzeitiger Arbeitsmöglichkeit). . Es gilt eine zwingende Unterkunfts- und Arbeitsteam-Einteilung: Arbeiten in gleichbleibenden, möglichst kleinen Gruppen von fünf bis zehn, maximal etwa 20 Personen. . Bei den Arbeiten sind Mindestabstände einzuhalten beziehungsweise, sofern nicht möglich, Mundschutz, Handschuhe oder Schutzscheiben/-folien zu tragen. . Mit Ausnahme von Familien gilt eine Zimmerbelegung mit maximal halber Kapazität. In den Unterkünften gelten strenge Hygienevorschriften, die in der jeweiligen Landessprache zur Verfügung gestellt werden.

Quelle: kreiszeitung.de

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